Michael Wessels Vater Karl-Friedrich hat vor 35 Jahren vorgemacht, wie die Bayern zu schlagen sind

Das „Bayern-Besieger-Gen“ im Blut

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Einer ist bereits „Bayern-Besieger“, der andere will es am Montag werden: „Kalle“ Wessel (rechts) warf vor 35 Jahren die Münchner aus dem DFB-Pokal, sein Sohn Michael schickt sich an, es dem Vater gleich zu tun.

Rehden - Von Cord Krüger. So langsam wird Karl-Friedrich Wessel ungehalten. „Mensch, das ist jetzt 35 Jahre her – ich kann mich wirklich nicht mehr an alles erinnern“, gibt der 58-Jährige zu bedenken.

Trotzdem soll er die Geschichte eines seiner größten Fußballer-Erlebnisse zurzeit immer wieder erzählen. Am Mittwoch war sogar das Fernsehen bei ihm zu Hause in Stemwede. Alle wollen wissen, was Vater Wessel, der am 23. September 1978 mit dem VfL Osnabrück den großen FC Bayern München aus dem DFB-Pokal warf, seinem Sohn für Montagabend mit auf den Weg gibt.

„Am besten gar nichts“, schätzt „Kalle“ Wessel, „der Junge ist nervös genug.“ Der Junge heißt Michael mit Vornamen und muss nun – wie damals Papa – gegen Bayern antreten. Ebenfalls im DFB-Pokal, ebenfalls als Verteidiger gegen den besten Sturm seiner Zeit. Der Gegenspieler von Wessel Senior hieß Gerd Müller, Wessel Junior könnte es mit Mario Mandzukic, Arjen Robben oder Franck Ribery zu tun bekommen. „Aber noch hält sich mein Lampenfieber in Grenzen“, beschwichtigt der 26-jährige Innenverteidiger, seit zwei Jahren eine feste Größe beim Regionalligisten: „Ich glaube, es wird erst in der Kabine unangenehm – der ganze Rummel, das volle Stadion, so etwas erlebt man ja nicht alle Tage. Doch wenn das Spiel erstmal läuft, legt sich das schnell.“

Ein Bild aus den Tagen, an denen Karl-Friedrich Wessel und der VfL Osnabrück gegen die Bayern für die Pokalsensation sorgten.

Sein Vater hat da andere Erinnerungen: „Am schlimmsten ist die Nacht davor.“ Er selbst hatte jenen unruhigen Schlaf vor dem Bayern-Spiel schon in München verbracht; das Team aus der damaligen 2. Bundesliga Nord war tags zuvor mit dem Zug angereist, um möglichst ausgeruht das Duell David gegen Goliath angehen zu können. Hoffnungen auf einen Sieg hatte niemand im Gepäck. „Wir haben das als schönen Ausflug angesehen – als tolles Erlebnis und Super-Erfolg für unseren Verein sowieso. Das ist es für die Rehdener jetzt ja ganz genauso. Für uns war's am Ende aber ein sehr schöner Ausflug…“

Stimmt: Mit einem denkwürdigen 5:4 in 90 Minuten warfen Wessel und die Lila-Weißen Sepp Maier, Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner & Co. aus dem Cup. Der Stemweder spielte gegen den „Bomber der Nation“, Gerd Müller. „Aber gerade deshalb gibt es noch einen Punkt, der mich bisher heute richtig ärgert“, verrät der 58-Jährige: „Immer wurde berichtet, das Müller drei Tore geschossen hat.“ Das stimmte zwar, „aber nur einmal aus dem Spiel heraus. Die beiden anderen waren Elfmeter – und keinen der beiden hab' ich verschuldetet“, nutzt der Veteran die Chance zur Rehabilitation.

Die Nachspielzeit erschien endlos

Egal, am Ende stand der Sensationssieg trotzdem fest – trotz der schier endlos erscheinenden Nachspielzeit, zu der die Bayern den Schiri erfolgreich angestachelt hatten, wie Wessel vermutete.

Sohn Michael hat diese Geschichte schon oft gehört. Von der geglückten persönlichen Revanche für die 1:3-Niederlage, die der Manndecker in der Vorsaison gegen München schlucken musste – damals noch als Erstliga-Spieler des SV Werder Bremen. Doch trotz dieser Vita konnte das Familienoberhaupt nicht verhindern, dass beide Söhne zu Bayern-Fans heranwuchsen. „Das war bei seinem älteren Bruder Markus schon so: Überall flog hier dieses Stern-des-Südens-Zeugs rum – das kann einem Dino-Fan wie mir natürlich nicht schmecken“, klagt der Sympathisant des HSV.

Am Montag aber sind natürlich alle Wessels Rehden-Fans: Karl-Friedrich und Markus drücken in der Osnatel-Arena die Daumen, Mutter Karin will sich das nervlich nicht antun, sondern fiebert lieber zu Hause am Fernseher mit.

Und Michael lässt seine Liebe zu diesem Verein natürlich ebenfalls für mindestens 90 Minuten ruhen. „Ist ja klar, dass im Spiel dafür keine Zeit bleibt. Da werden wir wohl viel zu sehr beschäftigt sein.“ Doch nach dem Abpfiff will er nicht ausschließen, die Chance zum Trikot-Tausch beim Schopf zu packen: „Wer es sein wird, weiß ich noch nicht. Erstmal müssen wir abklären, ob wir unsere Trikots überhaupt rausgeben dürfen. Wir brauchen die ja noch…“ Und zwar für eine ganz harte Regionalliga-Saison. Vater „Kalle“ warnt jedenfalls davor, dass die Mannschaft nach diesem Highlight in ein Loch fallen könnte. „Bei uns in Osnabrück war das damals ähnlich. In den ersten Spielen ging's noch, aber danach lief nicht mehr viel zusammen. Da wurde es dann am Ende sogar eng mit dem Klassenerhalt.“

Doch daran will Michael Wessel gar nicht denken: „Unsere Vorbereitung lief gut, ich fühle mich fit, habe mir keine Verletzung eingefangen. Es kann losgehen.“ Bis es so weit ist, vertreibt er sich die Nervosität durch seine Arbeit beim Automaten-Konzern Gauselmann. Das lenkt ab – ebenso wie das tägliche Training. „Man muss sich auch vor Augen halten, dass wir gegen diese Bayern nur gewinnen können.“ Und wer weiß? Vielleicht auch in Zahlen. Dann darf Michael Wessel irgendwann seinen Kindern später auch eine wahre Heldentat erzählen.

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