Ratgeber Gerber: „Das Verletzungspech hat Rehden wohl unterschätzt“

„Transfers als Alternativen, um nachladen zu können“

+
Stark besetzte Rehdener Trainerbank:

Rehden - Von seinem Lebenslauf her könnte Franz Gerber auch 20 Jahre älter sein: Für die Bundesligisten Bayern München und den Wuppertaler SV sowie die Zweitligisten 1860 München, FC St. Pauli, ESV Ingolstadt und Hannover 96 stürmte er 306 Mal (145 Tore), weitere Profi-Stationen waren Kanada und die USA. Als Sportchef und Trainer kam er zwischen Hannover 96, dem VfB Oldenburg und Jahn Regensburg (bis vor eineinhalb Jahren) viel herum. Selbst die Nationalmannschaft von Madagaskar managte der heute 60-Jährige schon mal. Nun will Gerber dem BSV Rehden wieder aus dem Tal der Regionalliga Nord helfen. Aber nicht lange. Wahrscheinlich nicht lange, wie er sagt.

Herr Gerber, vor gut einer Woche bei Rehdens Heimspiel gegen Flensburg saßen sie noch auf der Tribüne, jetzt gegen Lüneburg schon auf der Trainerbank. Wie geht es mit Ihnen und dem BSV jetzt weiter?

Franz Gerber (60): Nur noch zwei oder drei Wochen. Ich kenne Herrn Schilling (Vorsitzender des BSV, d. Red.) geschäftlich, und er hat mich gebeten, ob ich das hier nicht mal ein paar Tage begleiten könnte. Das habe ich jetzt gemacht, um mir ein Bild zu verschaffen – zunächst von der Tribüne aus, aber von der Bank hat man noch mehr Einblicke, weil man hautnah dran ist. Ich hoffe, dass ich die Situation ein bisschen analysieren kann, um gewisse Empfehlungen abzugeben, wie die weitere Vorgehensweise aussehen soll.

Und welche Einblicke – oder Eindrücke – haben Sie gewonnen?

Gerber: Das Spiel gegen Lüneburg war auf alle Fälle eine Verbesserung im Vergleich zum Flensburg-Spiel – vor allem, was den Willen anbetraf. Jeder wollte das Spiel gewinnen, jeder hat alles gegeben. Aber wenn du da unten stehst, greift eine alte Regel, die es wirklich gibt und keine Phrase ist: Wenn du die Torchancen vergibst, kriegst du keine Ruhe rein – und bekommst dann plötzlich so ein Tor. Das spielt sich Woche für Woche immer wieder ab – von der ersten bis zur zehnten Liga. Für Rehden ist das sehr bitter. Doch man hat gesehen: Die Mannschaft lebt, sie versucht alles. In dieser Phase muss man weitermachen und weiterarbeiten.

Wie lange wollen Sie daran mitarbeiten?

Gerber: Ich habe ja gesagt: Zwei oder drei Wochen. Eine Woche war ich jetzt hier, jetzt bleibe ich noch diese – dann wird man weitersehen.

Für diese kurze Zeit wirken Sie aber sehr engagiert. Sie haben dirigiert, motiviert, viel geredet. Haben Sie auch Einfluss auf Aufstellung und Taktik genommen?

Gerber: Nein, es ist nur so, dass Daniel Gunkel (Rehdens Trainer, d. Red.) und ich uns über den einen oder anderen Spieler oder die Aufstellung unterhalten. Aus seinen Entscheidungen halte ich mich raus. Aber man redet natürlich miteinander. Ich kenne Daniel schon länger – aus seiner Zeit als Bundesliga-Profi. Direkt zusammengearbeitet haben wir aber nie.

Und eine längere Zusammenarbeit mit dem BSV könnten Sie sich wirklich nicht vorstellen?

Gerber: Ich könnte das zeitlich gar nicht schaffen.

Wie sieht denn Ihr Alltag momentan aus?

Gerber: Im Moment bin ich für verschiedene Clubs unterwegs, um Spieler zu beurteilen – auch für Bundesliga-Clubs. Vor allem aber habe ich im Moment mehr mit Immobilien zu tun.

Hat Ihnen da der Kabinengeruch gefehlt?

Gerber: Nein, den hatte ich lange genug. Aber ich bin hier gebeten worden und hoffe, helfen zu können, damit es gut weitergeht.

Wie geht es denn mit dem BSV gut weiter? Die Konkurrenz lobt die Mannschaft ja oft. Von den Flensburgern etwa war zu hören, dass Rehdens Qualität viel zu hoch ist, um abzusteigen.

Gerber: Das haben schon viele Vereine von sich gesagt – und dann das Gegenteil erfahren. Ich denke, es sind in der abgelaufenen Zeit ein paar Fehler passiert. Und wenn du erst unten drinhängst, kommt alles zusammen: Es gab viel Verletzungspech – und viele junge Spieler, die vorher noch nie diese Regionalliga-Luft geschnuppert hatten. Als dann der eine oder andere in einer Formkrise steckte, war das nicht leicht aufzufangen. Das hat man hier wohl unterschätzt.

Würden Sie dem Verein deshalb raten, in der Winterpause nachzurüsten?

Gerber: Man muss die nächsten beiden Spiele abwarten. Aber es wäre gut, wenn auf der einen oder anderen Position eine Alternative da wäre – um nachzuladen, wenn sich jemand verletzt, krank wird oder eine Rote Karte kassiert. In der momentanen Situation ist es für die jungen Spieler jedenfalls schwer, sich gut zu entwickeln – unter diesem enormen Druck, in dem sich jedes Wochenende wie ein Endspiel anfühlt.

Aber ist Rehdens Kader nicht groß genug? Und bergen die Wintertransferperioden nicht die Gefahr, sich einen Ladenhüter zu holen, der in seinem Verein durchs Raster gefallen ist?

Gerber: Nicht unbedingt. Manchmal kann einer weiterhelfen, der wirklich gut ist, in seinem Verein aber noch bessere Spieler vor sich hat. Da kann man vielleicht noch mal tätig werden. Aber das wird in der Winterpause entschieden.

Dann sind Sie ja nicht mehr hier – oder…?

Gerber: Wahrscheinlich nicht.

Jetzt haben Sie gerade „wahrscheinlich“ gesagt…

Gerber: Im Fußball darfst du nie nie sagen, aber ein längeres Engagement mit mir ist hier gar nicht geplant.

Mehr zum Thema:

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Meistgelesene Artikel

Trainings-Defizite beim 0:8 erkennbar

Trainings-Defizite beim 0:8 erkennbar

Kommentare