Wie der BSV Rehden zur Leidenschaft zurückfindet / 2:2 gegen Goslarer SC

Olle Latschen, ein Wunder, Wut im Bauch und viel Herz

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Rehdens Kapitän Kevin Artmann dreht nach seinem Kopfballtor ab – es war das erste seiner Karriere. ·

Rehden - Von Arne Flügge. Sie sehen schon ein wenig ramponiert aus, die Fußballschuhe von Christian Hegerfeld. Olle Latschen, könnte man auch sagen. Doch die haben dem Linksverteidiger von Fußball-Regionalligist BSV Rehden richtig Glück gebracht.

Mit zwei Traumflanken aus vollem Lauf bereitete der Linksfuß beide Tore seiner Mannschaft beim 2:2 gegen den Goslarer SC vor. „An den neuen klebte die Seuche, da hab’ ich die alten wieder rausgekramt“, grinste „Heger“. Auch eine Art Krisenmanagement. Die Adressaten, die Hegerfelds Flanken jeweils verwerteten, waren voll des Lobes für die genaue Vorbereitung. Und auch für sie waren es besondere Momente.

Als Kevin Artmann in der 60. Minute Goslars Führung durch Sven Hartwig (26.) mit einem wuchtigen Flugkopfball auf fünf Metern ausglich, war ein Wunder geschehen. 24 Jahre hatte der 28-Jährige gebraucht, um das erste Kopfballtor zu erzielen, seit er Fußball spielt. „Das ist schon der Wahnsinn“, jubelte Rehdens Kapitän, „ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt noch mal ein Tor mit dem Kopf mache.“

Es war so vieles besonders an diesem verregneten Samstagnachmittag. Nach einer bislang völlig verkorksten Rückrunde mit Leistungen unter dem Gefrierpunkt fand der BSV Rehden gegen den Tabellenzweiten endlich wieder zu der Leidenschaft, dem Einsatz und dem Willen der überragenden Hinrunde zurück. Die Köpfe blieben immer oben. Selbst als der gerade eingewechselte Benjamin Kauffmann nach einem Eckball das 2:1 für die Gäste markiert hatte (76.), gaben sich die Hausherren nicht auf. „Wir haben uns in jeden Zweikampf gehauen, sind immer wieder zurückgekommen. Es wäre traurig gewesen, wenn wir dieses Spiel heute verloren hätten“, meinte Artmann.

Dass es nicht so kam, war einerseits dem Goldfüßchen von Christian Hegerfeld zu verdanken, der in der 89. Minute zielgenau in den Strafraum flankte. Und Marius Winkelmann, der den Ball mit jeder Menge Wut im Bauch und mit vollem Risiko volley unter die Latte knallte. Der 23-Jährige hatte zu den fünf (!) Spielern gehört, die Trainer Björn Wnuck nach dem 0:3-Desaster in Havelse aus der Startelf geworfen hatte. „Ich war schon überrascht und auch enttäuscht“, räumte Winkelmann ein. Doch er habe sich damit arrangiert, nicht aufgesteckt. „Und ich denke, ich habe dann nach meiner Einwechslung und auch mit dem Tor die richtige Reaktion gezeigt. In den Schuss habe ich schon den ganzen Frust reingelegt.“ Und als die Rehdener in der Nachspielzeit noch einmal den Druck erhöhten, „habe ich Schiss gehabt, dass wir noch einen kriegen“, sagte Goslar-Trainer Mario Block.

Sein Gegenüber war „unheimlich stolz“ auf das, was seine Mannschaft abgeliefert hatte. „Die Jungs waren heute einfach riesig“, meinte der 29-Jährige: „Es ist eine Gefühlswelt zwischen Riesenfreude und brutaler Erleichterung.“ Wie sehr dem Rehdener Trainer nach dem Abpfiff die Steine vom Herzen polterten, „kann eigentlich nur meine Frau nachvollziehen. Sie weiß, wie sehr mich die Situation beschäftigt hat.“

Wnuck erhofft sich nun von dieser Leistung eine Signalwirkung. „Wir konnten heute vieles vergessen machen. Das ist uns gelungen. Jetzt müssen wir diese Leistung in die nächsten Spiele transportieren. Dann werden wir uns auch wieder mit Siegen belohnen.“ Christian Hegerfeld hat jedenfalls versprochen, am Sonntag in Norderstedt wieder seine ollen Latschen zu tragen . . .

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