Zwei Staffeln als Variante

22 Mannschaften: Regionalliga Nord steht vor der Aufspaltung

„Jedes Jahr ein Highlight“, meint Bastian Fuhrken (l.), Sportvorstand von Atlas Delmenhorst grinsend. Heute vor einem Jahr gratulierte ihm NFV-Präsident Günter Distelrath zum Delmenhorster Niedersachsenpokalsieg, jetzt scheint der Regionalliga-Aufstieg so gut wie perfekt. Fotos: Krüger
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„Jedes Jahr ein Highlight“, meint Bastian Fuhrken (l.), Sportvorstand von Atlas Delmenhorst grinsend. Heute vor einem Jahr gratulierte ihm NFV-Präsident Günter Distelrath zum Delmenhorster Niedersachsenpokalsieg, jetzt scheint der Regionalliga-Aufstieg so gut wie perfekt.

Rehden/Bremen - Wahnsinn! Fünf Aufsteiger, keine Absteiger, vier Teams mehr als bisher. Abzüglich des Meisters VfB Lübeck, der schon am Freitag mit einer spontanen Spieler-Party den Abschied in Richtung 3. Liga einläutete, besteht die Regionalliga Nord zur neuen Saison aus 22 Mannschaften. Was sich auf den ersten Blick für neutrale Fußball-Fans attraktiv und nach reichlich Heimspiel-„Stoff“ anhört, dürfte sich in der Realität aber abgespeckter darstellen: „Wir werden definitiv keine 42 Saisonspiele bestreiten“, stellte Michael Weinberg als Sportvorstand des BSV Rehden klar.

Das Personal seines Tabellenachten hatte die Entscheidung des Präsidiums vom Norddeutschen Fußball-Verband (NFV) für den Saisonabbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger recht emotionslos quittieren dürfen. Definitiv muss über dieses einstimmige Votum noch der Außerordentliche Verbandstag Ende Juni entscheiden, doch das Abnicken der Delegierten gilt als Formsache. Die Region bekommt somit zwei weitere Regionalligisten: Bremen-Meister FC Oberneuland kehrt sieben Jahre nach seiner Insolvenz zurück in die vierthöchste deutsche Klasse. Im selben Zeitraum feierte der SV Atlas Delmenhorst als Vizemeister der Oberliga Niedersachsen jetzt den fünften Aufstieg seit seiner Neugründung 2012. FCO-Trainer Kristian Arambasic denkt nicht, dass der Verbandstag noch an der Präsidiums-Empfehlung rütteln wird: „Das wäre peinlich für den NFV, nachdem er jetzt schon eine Pressemitteilung rausgebracht hat.“ Der 42-Jährige sprach von Erleichterung und Wehmut angesichts des Saison-Aus: „Wir sind happy, aber auch Sportler genug, sodass wir da jetzt keine Mega-Party mit Ramba-Zamba gemacht hätten. Denn natürlich hätten wir lieber am letzten Spieltag die Schale hochgereckt“, erinnert er an entgangene Momente, „für die man doch diesen Sport betreibt“. Nun stehe einiges an Arbeit an: „Wir brauchen jetzt viele Sponsoren, Freunde und Partner, um das alles finanziell zu stemmen. Das ist in diesen Corona-Zeiten noch schwieriger geworden, aber wir sind grundsätzlich immer positiv eingestellt.“

Atlas-Sportvorstand Bastian Fuhrken trat gestern zunächst die Euphoriebremse: „Noch muss ja erst der Verbandstag entscheiden.“ Doch er ließ durchblicken, dass die Blau-Gelben schon für den Abschied aus der Oberliga planen: „Für uns läuft jetzt die Nachspielzeit.“ Seinen Kader, der bereits aus einigen Akteuren mit reichlich höherklassiger Erfahrung besteht, sollen fünf bis sieben neue Spieler verstärken, hinzu kämen einige nötige Investitionen ins städtische Stadion, vom vorgeschriebenen Käfig für die Gäste-Fans mit eigenen Toiletten und Verpflegungsständen bis hin zur Lautsprecheranlage und dem Stehplatzbereich. Fuhrken ist jedoch zuversichtlich, auf allen Baustellen rechtzeitig Vollzug zu melden: „Wir hatten schon einige Last-Minute-Aufstiege, nach denen wir zu hören bekamen: ,Jetzt müsst ihr aber was tun.’“

Weinberg freute sich für alle fünf Aufsteiger, „und ich gehe auch davon aus, dass jeder die Lizenz erhalten wird. Aber wir sind Amateure – und durch 42 Punktspiele in einer Saison wird der Amateursport zerstört.“ Unter anderem erinnert er an das erhöhte Verletzungsrisiko durch ein derartiges Pensum in einem Zeitraum, der angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen noch kürzer als aktuell angenommen ausfallen könnte.

Ähnlich dachten wohl auch die NFV-Verantwortlichen – und präsentierten den Vereinen bereits zwei Szenarien eines weniger stressigen Spielplans. Hinter der ersten Variante verbirgt sich eine einfache Runde, in der das Los über Heim- oder Auswärtsspiel gegen den jeweiligen Kontrahenten entscheiden soll. Näher an der Praxis erscheint die Aufteilung in zwei Elfer-Nord-Staffeln – eine für die Clubs aus Niedersachsen und Bremen, die andere für Hamburg und Schleswig-Holstein. „Für uns wäre das eine attraktive Lösung – mit schönen Derbys gegen Werder II, den VfB Oldenburg, Jeddeloh, Havelse und jetzt auch Atlas und Oberneuland“, sagt Weinberg: „Zweitens spart uns das weite Reisen nach Flensburg oder Kiel.“

Auch Arambasic fände eine regionalisierte Staffel „mega-interessant für uns. Wir würden uns freuen, wenn wir da gegen Atlas, Werder II, Oldenburg und Rehden eine volle Hütte hätten.“

Mehr Derbys, kürzere Wege für die traditionell reisefreudige Delmenhorster Fangemeinde – „das wäre auch mein Wunsch“, sagt Fuhrken.

Ob es dazu kommt, entscheidet am Ende Spielleiter Jürgen Stebani. Doch die Aufteilung nach Bundesländern geht fast auf – lediglich die beiden niedersächsischen Clubs SV Drochtersen/Assel und Lüneburger SK Hansa müssten aufgrund ihrer Nähe zu Hamburg wohl in die nördliche Liga.

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