Lüneburgs später Ausgleich – ärgerlich, aber nach sechs Niederlagen „mal ganz angenehm“

Rehden rettet Obsts Tor nicht ins Ziel

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Da ist das Ding! Jeffrey Obst (3.v.l.) lässt sich von Kevin Artmann (l.), Marius Winkelmann (neben ihm) und Kiala Kifuta (dahinter) für sein Tor feiern. Lüneburgs Torwart Tobias Braun ist geschlagen, Noel Below (v.r.) und Matti Grahe sind bedient. Am Ende feierten die LSK-Kicker allerdings das späte 1:1.

Aus Bardowick Berichtet - Cord KrügerBARDOWICKTrainer Daniel Gunkel sackte an der Seitenlinie in die Knie, sein Torwart Milos Mandic stapfte nach dem Abpfiff stocksauer zum Shakehands im Mittelkreis. „Wie kann der so frei stehen? Wir gucken nur zu!“, fauchte der Schlussmann des BSV Rehden und schleuderte seine zwei Wasserflaschen wütend auf den Rasen, dass sie berstend auftrumpften. „Milo“ meinte Hedon Selishta, der eine Minute vor Schluss entsprechend unbedrängt für den Lüneburger SK zum 1:1 (0:1) einköpfte und Rehden damit um den ersten Sieg nach acht Regionalliga-Spielen ohne „Dreier“ brachte.

Verständlicher Frust, nachvollziehbare Schockstarre seiner Kollegen vor dem Gang in die Kabine. „Aber vielleicht ist ein Punkt nach zuletzt sechs Niederlagen ja mal ganz angenehm“, hoffte Mandic nach dem Verlassen der Katakomben: „Es ist eben ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich so ein Ding fängt, wenn man vorn seine Chancen nicht nutzt.“ Trotzdem wäre ein Sieg verdient gewesen, „weil wir uns vor allem in der zweiten Halbzeit gut präsentiert haben“, urteilte Gunkel: „Und wenn wir das 2:0 machen, ist der Sack zu, und wir hätten über diese Szene nicht diskutieren müssen. Schade, ich hätte es den Jungs echt gegönnt. Denn heute war viel mehr Leben, alle haben gekämpft, es stand wieder eine Mannschaft auf dem Platz.“

Zunächst lag über dieser Leidenschaft jedoch die Abstiegsangst und wirkte schwer wie Blei. Das war auch Rehdens prominentem Berater nicht entgangen: Seit gut einer Woche begleitet der einstige Bundesliga-Profi und -trainer Franz Gerber den BSV, während er parallel mit Vereinsboss Friedrich Schilling an einem Immobilienprojekt arbeitet (siehe Extra-Text). „In den ersten 25 Minuten war den Jungs die Verunsicherung anzumerken – aber das ist verständlich, wenn du da unten drin stehst“, schilderte Gerber. In dieser Phase entwischte Ali Moslehe drei Mal Linksverteidiger Youness Buduar, der das dritte Entwischen des LSK-Rechtsaußen mit einem taktischen Foul verhinderte. In derselben Phase unterbanden 17 Fehlpässe Rehdens Zug zum Tor. Am auffälligsten in der Offensive: Kiala Kifuta, der Lüneburgs Torwart Tobias Braun zu einer Parade zwang (17.), und der nach seiner Rot-Sperre wieder ins Team gerückte Jeffrey Obst – diesmal weiter vorn auf der rechten Außenbahn und nicht in der Abwehrkette. Eine seiner Flanken fische Braun ab (20.), andere fanden ihre Abnehmer nur in der dicht gestaffelten LSK-Defensive. Doch eine Minute vor der Halbzeit tauchte Obst nach einem Steilpass von Kevin Artmann auf halblinks auf, setzte sich gegen Matti Grahle und Noel Below durch, zog ab – und dessen Flachschuss schlug unten rechts im langen Eck ein.

„Das hat er klasse gemacht“, schnalzte Gunkel mit der Zunge. „Überragend – und zum psychologisch günstigen Zeitpunkt“, lobte auch Mandic, der zuvor gegen den frei auf ihn zu rennenden Selishta geglänzt hatte (35.) und Sekunden danach ebenfalls gegen Selishta Sieger blieb.

So ging's endlich mal mit einer Rehdener Führung in die Pause – und zurück kamen die Gäste mit viel Selbstvertrauen. Kifuta hätte auf 2:0 erhöhen müssen, doch nach einem schnellen Spielzug über den unheimlich präsenten Artmann, Marcel Stutter und Marius Winkelmann schob er die Kugel freistehend aus sechs Metern drüber (51.). Später foulte Jannis Opalka Stutter elfmeterreif (56.), Artmann scheiterte an Braun (68.) und verzog knapp (70.) – Chancen, den von Gunkel erwähnten Sack zuzumachen, gab es also auf Seiten des BSV, allerdings ebenso für ein früheres 1:1 der Lüneburger, die vor 530 Zuschauern Minute um Minute mehr anrannten. Doch Mandic rettete gegen Moslehe (58.), bei einem Freistoß von Kunstschütze Tezkan Karabulut (61.) und gegen Lukas Hertting (84.). Am Ende musste der allein gelassene Schlussmann aber doch hinter sich greifen. „Wir haben es nicht geschafft, die Konzentration bis zum Ende hochzuhalten“, haderte Gunkel, zog trotz des „Drecks-Gegentors“ (Mandic) aber noch etwas Positives: „Wir spielen immer ordentlicher, haben gute Angriffe gezeigt – darauf müssen wir aufbauen.“ Wahrscheinlich wieder mit einem offensiveren Obst: „Das bietet sich an. Jeffrey hat ein Superspiel gemacht.“

ck

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