„Keiner spielt mehr gern gegen uns“

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Seit fünf Monaten streckt sich Milos Mandic für den BSV Rehden. Das Resultat mit der Mannschaft macht ihn stolz: „Wir haben uns Respekt verschafft“, sagt der Torwart. ·

Rehden  - Von Cord Krüger. Die Hinrunde ist beendet, der BSV Rehden stellt zur Halbzeit die zweitbeste Abwehr der Liga – mit 17 Gegentreffern in 17 Spielen.

Ein Hauptverantwortlicher dafür: Milos Mandic, seit Sommer die unumstrittene Nummer eins im BSV-Tor. Im Interview berichtet der in Bremen lebende 28-Jährige über seine ersten Beobachtungen in Rehden, Höhen und Tiefen, Zwischenbilanzen und Zukunfts-Prognosen.

Herr Mandic, können Sie sich noch an den 10. April dieses Jahres erinnern?

Milos Mandic: Ja, da haben wir doch 2:1 in Rehden gewonnen, oder? Damals mit dem FC Oberneuland, meinem alten Verein im Nachholspiel der Hinrunde. Zum Rückspiel kam es dann ja nicht mehr, weil der FCO schon pleite war…

Stimmt! Und während dieses abendlichen Auftritts haben sie gefragt: „Ist das hier schon alles an Flutlicht?“

Mandic: Richtig. Auch deshalb konnte Christian Ceglarek im Rehdener Tor den Ball einmal nicht richtig festhalten. Deswegen allein haben wir aber nicht gewonnen.

Ceglarek danach jedoch nur noch zweite Wahl, zur neuen Saison verschwunden – und Sie wechselten zum BSV. Wie empfanden Sie die Umstellung von Stadt auf Dorf?

Mandic: In der ersten Woche waren häufig Presse- und Fernsehleute da, wollten viele Interviews von uns – weil wir ja im DFB-Pokal die Bayern bekommen haben. Dieses Spiel hat die Vorbereitung beeinflusst, und das ist auch relativ normal. In der Woche davor kam dann aber richtig Hektik bei den Verantwortlichen auf, selbst der Trainer war schwer zu erreichen. Es war eben ein absolutes Highlight für alle.

Und es lief perfekt: Nur 0:5 gegen die Über-Bayern, ein Sieg zum Liga-Auftakt, zwei gewonnene Runden im Niedersachsenpokal – eine davon dank Ihnen mit drei gehaltenen Elfmetern in Jeddeloh. Waren Sie da vollständig beim BSV angekommen?

Mandic: Ja, ich hatte im Elfmeterschießen Glück, habe zwei oder drei gehalten. Aber die 90 Minuten davor waren das, wie ein kleinerer Gegner spielen muss: Jeddeloh hat so gekämpft wie wir gegen Bayern.

Doch danach folgte der Knall – Trainer Predrag Uzelac warf kurz vor dem Anpfiff gegen den VfL Wolfsburg II hin. Hätte es ohne den Eklat das 1:4 und damit Rehdens bisher höchste Niederlage nicht gegeben?

Mandic: Das war schon komisch, so etwas hatte ich vorher weder erlebt noch von irgendwo gehört. Aber das soll keine Entschuldigung sein: An diesem Tag kam alles zusammen: Wolfsburg ist ohnehin, wie ich finde, die spielstärkste Mannschaft, hatte noch Patrick Helmes und Maximilian Arnold dabei – und wir waren nicht hundertprozentig bei der Sache.

Ohne diesen Dämpfer hätte Rehden jetzt sogar die wenigsten Gegentreffer der Liga. Wieviel bedeutet Ihnen der immer noch beachtliche zweite Platz in dieser Gegentor-Wertung?

Mandic: Ein Stürmer wird an seinen Toren gemessen, ein Torwart an den Gegentoren. Doch dazu gehören auch die Abwehr und die sechs Mann davor. Zurzeit klappt das Umschalten gut, wir arbeiten aggressiver gegen den Ball, sind besser in der Vorwärtsbewegung.

Ein Resultat der Arbeit des neuen Rehdener Trainers Björn Wnuck?

Mandic: Ich finde gut, wenn man die Handschrift des Trainers erkennt. Da hat Björn genauso seine Vorstellungen vom Spiel wie vorher Predrag Uzelac. Bei Björn ist es aber bemerkenswerter, weil er noch jung ist – gerade mal ein halbes Jahr älter als ich. Er ist eine Respektsperson, geht aber auch auf Hinweise aus der Mannschaft ein.

Zum Beispiel?

Mandic: Das Spiel gegen Norderstedt, als wir bis zur Pause viel zu passiv waren. Ich weiß nicht, wer in der Kabine eine offensivere Taktik vorgeschlagen hat, aber es war einer der Erfahreneren. Auf solche Tatsachen muss man reagieren – wir sind ja nicht mehr in Libero-Zeiten.

Das alles zusammen: Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Mandic: Im Großen und Ganzen haben wir unsere Aufgaben erfüllt. Ich glaube, wir zählen spielerisch zu den stärksten Teams der Liga, sind gefährlich bei Standards, lassen den Ball gut zirkulieren. Keiner spielt gern gegen uns – das zeigt, dass wir uns Respekt erarbeitet haben. Ärgerlich bleiben aber das 2:2 in Meppen und bei Werder II – immer nach doppelter Führung von uns. Und dann war da noch das 1:1 in Neumünster, wo wir wohl unsere schlechteste Saisonleistung gezeigt haben. Aber man kann nicht die ganze Saison über gut spielen – außer Bayern München…

Und Ihre Bilanz abseits des Sportlichen?

Mandic: Wir wussten schon in Vorbereitung, dass wir ein gutes Team sind. Wir haben Spaß und sind echte Freunde auf dem Platz. Da läuft einer für den anderen, die Kommunikation passt. Auch, wenn noch nicht alle Deutsch verstehen.

Was ist mit diesen Potenzialen in der Rückrunde drin?

Mandic: Wir stehen jetzt einen Punkt hinter dem Dritten – und es wäre schön, wenn wir als Dritter überwintern würden! Aber jetzt haben wir zwei schwere Spiele gegen Bremen und Havelse. Ich hoffe, wir bleiben alle verletzungsfrei und können uns vernünftig aufs neue Jahr vorbereiten.

Sie selbst scheinen wenig verletzungsanfällig zu sein. Hatten Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn Glück?

Mandic: Ja, nur das Spiel gegen den HSV II hatte ich wegen einer Knieverletzung verpasst, weil mir gegen Hannover II jemand mit gestrecktem Bein reingerauscht ist. Aber Verletzungen gehören im Sport dazu. 2008 musste ich mal länger wegen einer Sehnenverletzung im Daumen aussetzen. Letztes Jahr hatte ich in Oberneuland einen Kreuzband-Anriss – aber zum Glück in der Winterpause. Und vor vier Jahren beim SC Verl war es eine Syndesmoseband-Verletzung. Da habe ich leider fast die komplette Hinrunde verpasst. Das war das Übelste.

Brauchen Sie auch Glück, damit nach dem Spiel am Sonntag gegen Werder Bremen II für Sie zum vierten Mal in Folge die Null steht?

Mandic: Tja, das ist offensiv die drittstärkste Mannschaft der Liga. Die haben Martin Kobylanski und Davie Selke, die schon bei den Profis mittrainieren – und bekommen vielleicht auch am Sonntag noch Leute aus dem Bundesliga-Team dazu. Das kennen wir aber schon aus dem Hinspiel. So oder so denke ich, dass die Zuschauer ein schönes Spiel in den Waldsportstätten sehen. Und Werder hat schon 33 Gegentore kassiert…

Sie selbst kommen gerade aus der Behandlung. Ist Ihr Einsatz gefährdet?

Mandic: Nein, ich habe gegen Victoria Hamburg am Samstag durch einen blöden Sturz eine kleine Blessur mitgenommen. Es ist nur eine kleine Einblutung am Rücken.

Mit Risiken kennen Sie sich ja aus. Schließlich sind Sie gelernter Versicherungskaufmann. Was macht Ihr Fernstudium zum Fachwirt?

Mandic: Im Moment habe ich es aus zeitlichen Gründen ein bisschen zurückfahren müssen. Ich bin jetzt in der Firma Walter Lang im Verkauf beschäftigt. Das ist spannend. Ziemlich interessant, was man aus dem Naturprodukt Honig alles machen kann.

Vielleicht auch Haftmittel für Torwart-Handschuhe?

Mandic (lacht): Ja, bestimmt. Wir haben ja eine Bandenwerbung, auf der steht: Mit Honig klebt der Ball am Fuß. Warum auch nicht an den Händen?

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