Vom Jugendcoach zum Profitrainer: Alexander Kiene jetzt bei Österreichs Zweitligist Lustenau

„Ich habe mir alles immer hart erarbeitet“

Abklatschen mit dem früheren „Lehrmeister“: Alexander Kiene (r.) hospitierte vor gut eineinhalb Jahren bei Werder Bremen und dessen Coach Florian Kohfeldt (l.). Nun trafen sich Kiene, aktuell Coach bei Austria Lustenau, und Kohfeldt zum Testspiel wieder.
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Abklatschen mit dem früheren „Lehrmeister“: Alexander Kiene (r.) hospitierte vor gut eineinhalb Jahren bei Werder Bremen und dessen Coach Florian Kohfeldt (l.). Nun trafen sich Kiene, aktuell Coach bei Austria Lustenau, und Kohfeldt zum Testspiel wieder.

Rehden – Was doch in einem halben Fußball-Jahr alles passieren kann – trotz des zwischenzeitlichen Corona-Komplett-Stillstands! 182 Tage nach seinem letzten Spiel als Trainer des Regionalligisten VfB Oldenburg traf die Kreiszeitung den Fußballlehrer Alexander Kiene nun in ganz anderen Sphären wieder – gut 900 Kilometer weiter südlich als Coach des österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau. Der 42-Jährige, von Januar bis Oktober 2015 auch in Diensten des Regionalligisten BSV Rehden, ist nun Profitrainer und hat damit ein weiteres selbst gestecktes Etappenziel erreicht. Der einstige Verteidiger, verletzungsbedingt früh zum Karriere-Aus gezwungen, hat sich vom Jugendcoach (unter anderem des jungen Niclas Füllkrug) zum Berufstrainer durchgeboxt. „Alles hart erarbeitet“, sagte der Pädagoge und Vater zweier Kinder im Interview nach Lustenaus knapper Testspiel-Niederlage gegen Werder Bremen Anfang der Woche.

Herr Kiene, nur 2:4 gegen Werder verloren. Gar nicht so schlecht, oder?

Ja und nicht nur vom Ergebnis her. Ich denke, dass wir es insgesamt sehr ordentlich gemacht haben. Wir haben Werder das Leben schwer gemacht und das Spiel ausgeglichen gestaltet. Wir wollten mutig spielen, und das haben wir nach zwölf Tagen Vorbereitung als Mannschaft gut hinbekommen. Ich bin zwar grundsätzlich nie zufrieden, aber damit kann ich mich identifizieren.

Wie war es, gegen Florian Kohfeldt, einen Ihrer „Lehrmeister“, zu spielen, bei dem Sie im Winter 2018/19 ein Praktikum gemacht haben?

Ich habe mich auf das Wiedersehen mit Flo und dem gesamten Staff gefreut. Es war eine schöne und lehrreiche Zeit damals. Es ist auch nach wie vor Kontakt da, der ist nie abgerissen.

Trauen Sie Werder eine bessere Saison zu?

Auf jeden Fall. Ich habe mit einigen Spielern gesprochen – etwa mit Niclas Füllkrug. Die Stimmung ist gut, die Atmosphäre auch, Werder hatte hier im Zillertal ein gutes Trainingslager, und die Spieler wollen beweisen, dass sie es besser können als in der letzten Saison.

Wie geht es Ihnen jetzt bei Austria Lustenau – und wie kam es zu diesem Wechsel?

Es ist eine sehr spannende Aufgabe. Ich bin im Juni von der Schweizer Investorengruppe kontaktiert worden, die dahinter steckt, und habe mir dann dieses Projekt hier angeschaut. Dafür bin ich mit meinem Berater nach Lustenau gereist und habe viele Gespräche geführt. Ich habe natürlich lange überlegt, denn meine Familie lebt in Hannover, aber es ist ein sehr interessantes Projekt – auch mit den anderen Vereinen, die da noch zu diesem Netzwerk gehören: Clermont Foot 63 ist ein Zweitligist aus Frankreich, Vendsyssel FF ein Zweitligist aus Dänemark, und es gibt auch noch eine Partnerschaft mit Premier-League-Aufsteiger Leeds United. In diesem Netzwerk arbeiten wir daran, Lustenau strukturell und sportlich in eine erfolgreiche Zeit zu führen. Diese Aufgabe hat mich gereizt. Und die Verantwortlichen haben sich sehr um mich bemüht, sodass ich am Ende des Tages gesagt habe: Ich habe Bock drauf.

Welche Ziele verfolgen die Investoren denn?

Die Vision ist schon, in die Bundesliga aufzusteigen. Das Stadion wird erneuert, momentan passen 8000 Zuschauer rein, es soll saniert, erhöht und auch geschlossen werden. Aber wir müssen jetzt erst mal aus vielen jungen Spielern eine neue Mannschaft aufbauen, die sich nach oben orientiert.

Am Sonntag standen sich zwei Ihrer Ex-Vereine im Niedersachsenpokal-Finale gegenüber: der BSV Rehden und der TSV Havelse. Das Ergebnis kennen Sie?

Klar, 4:1 für Havelse. Man beobachtet das natürlich interessiert aus der Ferne. Ich hatte es, wenn auch nicht in der Höhe, so erwartet, weil Havelse einen starken Kader hat und sich Rehdens neues Team erst noch finden muss. Die Rehdener haben zwar im Halbfinale beim VfB Oldenburg überzeugend gewonnen, aber es war schon klar, dass Havelse der Favorit sein würde.

Besteht noch Kontakt nach Rehden und zu Vereinsboss Friedrich Schilling?

Der war tatsächlich im letzten Jahr noch da, auch bei den Spielen gegen uns in der Regionalliga. Und ich stehe noch immer in Kontakt zu meinen ehemaligen Spielern: Viktor Pekrul, Milos Mandic, Kevin Artmann oder Abu-Bakarr Kargbo. Das ist für mich ein Zeichen, dass wir erstens eine gute Mannschaft hatten und dass die Jungs diese Zeit auch wertgeschätzt haben. Wenn man mal irgendwo gearbeitet hat und zu den Spielern noch Kontakt hält, ist das schön.

Wie lautet Ihr persönliches Ziel? Wie hoch soll es noch gehen?

Ich bin jetzt Profi-Trainer, zuletzt in Oldenburg war es semi-professionell. Aber ich habe deshalb die Fußballlehrer-Lizenz gemacht, um mir die Möglichkeit zu geben, jetzt den nächsten Schritt zu gehen. Mit meinen 42 Jahren bin ich noch ein jüngerer Trainer, und natürlich will ich auch einen Step höher kommen. Aber ich weiß auch, dass man sich alles hart erarbeiten muss. Ich habe mir alles hart erarbeitet, bin als Trainer in der Landesliga angefangen, mit drei Vereinen aufgestiegen, dann habe ich Rehden vor dem Abstieg gerettet, war anschließend mit Havelse unter den ersten Sechs. Also, es geht immer schrittweise nach oben, und jetzt möchte ich hier auch gute Arbeit machen, um vielleicht den nächsten Schritt nach oben zu schaffen.

Das ist natürlich alles mit einem gewissen Risiko verbunden. Was haben Sie vorher beruflich gemacht?

Ich bin Lehrer.

Konnten Sie sich da beurlauben lassen?

Ja, ich habe auf jeden Fall diese Sicherheit als Beamter im Hintergrund. Risiko ist im Sport und im Profisport immer dabei. Aber ich sehe hier in Lustenau die Chance größer als das Risiko. Es ist eine Herausforderung – auch, weil ich in diesem internationalen Kader verschiedene Sprachen können muss. Wir haben zum Beispiel auch Franzosen und Brasilianer im Kader.

Und wie läuft es da mit der Kommunikation?

Ich bin ja von Haus aus Englischlehrer und hatte sechs Jahre Französisch in der Schule. Von daher klappt das.

Von Björn Knips

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