BSV-Teammanager im Abschiedsinterview

Peter Schöne: „Ich habe mich oftmals nicht gewehrt“

Unterschiedliche Auffassungen: Teammanager Peter Schöne (re.) und Rehdens Boss Friedrich Schilling (daneben) gehen künftig getrennte Wege. - Foto: Flügge
+
Unterschiedliche Auffassungen: Teammanager Peter Schöne (re.) und Rehdens Boss Friedrich Schilling (daneben) gehen künftig getrennte Wege. 

Rehden - Von Arne Flügge. Peter Schöne geht. Nach eineinhalb Jahren verlässt der Teammanager den Fußball-Regionalligisten BSV Rehden. Nicht im Groll oder gar im Streit, wie der 58-Jährige betont. Schlussendlich aber habe es zu viele unterschiedliche Auffassungen von der Arbeit zwischen ihm und Vereinsboss Friedrich Schilling gegeben.

Herr Schöne, wann haben Sie die Entscheidung getroffen, Rehden zu verlassen?

Peter Schöne: Sie ist über die letzten Monate gewachsen. Ich hatte einfach den Eindruck gewonnen, dass ich persönlich hier nicht mehr viel ändern kann. Da habe ich mir gesagt, dann lass’ es lieber. Und jetzt ist Schluss.

Was wollten Sie noch verändern?

Schöne: Ich meine, dass man in den ganzen Strukturen rund um das Team einiges verändern kann. Da sind wir nicht gut aufgestellt. Du brauchst Leute, die alles für den Verein geben, voll dahinter stehen. Das waren mir zu wenige. Hinzu kommt, dass Friedrich Schilling und ich in vielen Punkten anderer Auffassung sind.

Wo genau?

Schöne: Was die Beurteilung von Spielern betrifft, wie man eine Mannschaft führt, Dinge drumherum einsetzt, um Erfolg zu haben zum Beispiel.

Gehen Sie also im Groll oder gar im Streit?

Schöne: Nein, überhaupt nicht. Ich hatte nie irgendwelche Probleme mit ihm. Er hat mich vom ersten bis zum letzten Tag fair und korrekt behandelt. Klar haben wir uns auch mal die Meinung gesagt und diskutiert – dann war es aber auch wieder gut. Und am Ende geht es nicht um einzelne Personen, sondern um den Verein.

Hätten Sie sich vielleicht mehr Investitionen gewünscht?

Schöne: Wer wünscht sich das nicht? Aber man muss doch die Kirche im Dorf lassen. Rehden hat rund 2000 Einwohner, und es ist nicht selbstverständlich, dass ein so kleiner Verein so lange auf diesem Niveau mithalten kann. Friedrich Schilling ist ein klar denkender Mensch, und er wird nicht einfach Geld aus dem Fenster werfen.

Sie sprachen davon, dass zu wenig Leute voll und ganz hinter dem Verein stehen. Gilt das auch für Spieler?

Schöne: Natürlich und für einige ganz besonders. Bevor wir die Spieler geholt haben, gab es Gespräche. Und jeder wusste, wie es hier in Rehden läuft, dass wir unsere Philosophie Fußball und Arbeit haben. Und schließlich haben wir keinen gezwungen, beim BSV Rehden zu unterschreiben. Jeder wusste, worauf er sich einlässt. Umso enttäuschender ist es, sich im Nachhinehin hinzustellen, zu meckern, nicht genügend Zeit für Regeneration und Pflege zu haben. Jeder dieser Spieler sollte sich mal an die eigene Nase fassen. Der Verein hat seine Verpflichtungen gegenüber den Spielern immer eingehalten. Nur haben die Spieler auch ihre Pflichten gegenüber dem BSV Rehden erfüllt? Ich glaube, dass einige Spieler nicht alles für den Club und das System gegeben haben. Und sie sollten das mal ernsthaft hinterfragen.

Nur haben Sie als Teammanager diese Spieler zum größten Teil geholt.

Schöne: Auch ich habe Fehler gemacht, ganz klar. Man darf aber nicht vergessen, dass wir im Winter durch Abgänge und Verletzungen in Nuxoll, Gyasi, Lamidi, Pasiov oder Junghan enorme Qualität verloren haben. Und da standen wir noch auf keinem Abstiegsplatz. Dann war es schwer, in der Winterpause diesen Qualitätsverlust zu kompensieren. Richtig gute Spieler kosten viel Geld. Zudem gibt es rund 100 Regionalligamannschaften in Deutschland. Und die meisten verhandeln doch erst mit 98 anderen, bevor sie in Rehden anklopfen. Denn sie wissen, dass sie hier auch arbeiten müssen. Fußballer sind bequem geworden. Sie wollen immer nur das Beste für sich herausholen. Und wenn’s dann nicht läuft, sind die anderen schuld, und alles ist plötzlich schiete.

Welche Fehler genau haben Sie gemacht?

Schöne: Der größte war wohl, dass ich mich in Sachen Transferpolitik oftmals nicht gewehrt und gesagt habe, den oder den können wir nicht holen. Ich denke, ich habe da Erfahrung genug und kann das beurteilen, zumal ich in den ganzen eineinhalb Jahren beim BSV Rehden nicht einen Tag gefehlt habe. Ich war bei jedem Training, bei jedem Spiel. Friedrich Schilling ist als Boss aber nun mal der Taktgeber. Da ist es schwer, sich durchzusetzen. Aber nochmal: Unser Umgang war immer korrekt.

Dennoch hat Clubchef Schilling Sie für Ihre Personalpolitik öffentlich kritisiert.

Schöne: Das ist sein gutes Recht. Aber es ist auch klar: Wenn man nur 500 Euro zur Verfügung hat, kann man keine 1 500 Euro ausgeben. Und wie gesagt: Qualität kostet viel Geld.

Aus dem Umfeld war zuletzt immer wieder zu hören, Sie hätten in Rehden durch Ihre Art viel zerstört.

Schöne: Ich weiß nicht, was ich kaputt gemacht haben soll. Ich denke, dass sich meine sportliche Bilanz durchaus sehen lassen kann. Wir sind im ersten Jahr Achter geworden, jetzt trotz der vielen Probleme nicht abgestiegen und haben das Halbfinale im NFV-Pokal erreicht, dabei Meppen, Oldenburg und Havelse rausgeworfen. Außerdem habe ich Spieler wie Gyasi, Stutter, Tietz, Boyamba, März und Junghan nach Rehden geholt.

Es geht wohl weniger um das Sportliche als vielmehr um Schwächen in der Menschenführung, wie man hört.

Schöne: Ich war verantwortlich dafür, gewisse Dinge zu erkennen und die dann auch zu verändern. Das habe ich getan. Und das ist auch legitim. Dass das nicht jedem passt, ist mir klar. Ich bin aber kein Ja-Sager und handele nicht so, wie die Leute es gerade wollen, sondern wie ich es für richtig halte.

Womit Sie häufig angeeckt sind.

Schöne: Nicht alle mögen Arne Flügge, Friedrich Schilling oder gar Peter Schöne. Das wäre ja auch schlimm. Man muss die goldene Mitte finden. Und jeder sollte zunächst einmal in sich hineinhören und fragen, wo er selbst Fehler gemacht hat, anstatt gleich mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber es ist auch ganz klar: Im Fußball hast du – gerade als Teammanager – immer Feinde.

Glauben Sie, dass Ihr Posten neu besetzt wird?

Schöne: Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass schon jemand kommen muss. Friedrich Schilling und Sportvorstand Michael Weinberg können das nicht alleine richten. Es muss jemand sein, der jeden Tag an der Front steht, um beurteilen zu können, wie es um den Club steht. Es kann niemand sein, der den ganzen Tag im Büro sitzt und dann abends wichtige Entscheidungen für den Club trifft. Der neue Mann sollte am Besten aus Rehden kommen. Und auch ganz, ganz wichtig: Man muss ihm das uneingeschränkte Vertrauen schenken und ihn immer wieder unterstützen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die düstere Geschichte der NS-Ordensburg Vogelsang

Die düstere Geschichte der NS-Ordensburg Vogelsang

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Urlaub zwischen Pyramiden und Palmen auf Yucatán

Ganz einfach: So gelingen Ihnen Maronen zu Hause im Backofen - Koch erklärt worauf es ankommt

Ganz einfach: So gelingen Ihnen Maronen zu Hause im Backofen - Koch erklärt worauf es ankommt

Viel Zeit für dänische Hygge auf Bornholm

Viel Zeit für dänische Hygge auf Bornholm

Meistgelesene Artikel

Coronafälle beim Regionalligisten BSV Rehden

Coronafälle beim Regionalligisten BSV Rehden

Coronafälle beim Regionalligisten BSV Rehden
„Bei uns wird sich einiges ändern“

„Bei uns wird sich einiges ändern“

„Bei uns wird sich einiges ändern“
Rehden stellt sich neu auf: Weinberg beerbt Kompp

Rehden stellt sich neu auf: Weinberg beerbt Kompp

Rehden stellt sich neu auf: Weinberg beerbt Kompp

Kommentare