Der fliegende Holländer

Rehdens Keeper Nick Borgman Held im Elfmeterschießen gegen Meppen – 4:3

+
Enormes Pensum: Rehdens laufstarker Stürmer Tomislav Ivicic (l.) enteilt hier Meppens Hassan Amin.

Rehden - Da war Nick Borgman platt! Nicht etwa vor Überraschung ob dieses Coups im Niedersachsenpokal-Viertelfinale gegen Drittligist SV Meppen, sondern wegen seiner Teamkollegen. Mehr als 20 Mann begruben den Torwart des BSV Rehden nach dessen zwei Paraden im Elfmeterschießen gestern unter einem gut eineinhalb Meter hohen Turm, aus dem nur noch seine zwei gelben Stutzen heraus blitzten. Der Niederländer hatte den Shootout mit einer Wahnsinns-Rettungstat kurz vor Ende der regulären Spielzeit erst ermöglicht und war dann cool wie ein Eisblock in den Krimi gegangen. „Ich habe ihn kurz vorher gefragt, ob er nicht drei Dinger halten könnte“, berichtete Innenverteidiger Tobias Esche nach dem 4:3 (0:0)-Triumph des Fußball-Regionalligisten im Elfmeterschießen, „und er hat gesagt: ,Nein, nur zwei.’“

Genau so kam es – doch von einer Party wollte der Held des Tages hinterher nichts wissen. „Morgen ist doch wieder ein Arbeitstag.“

Noch so ein Unterschied gegenüber den Profis aus dem Emsland, der Rehdens Trainer Heiner Backhaus „sehr, sehr stolz“ machte: „Unglaublich, wie die Jungs es schaffen, Woche für Woche in ihrem Rhythmus zu bleiben, obwohl sie am nächsten Tag wieder zur Schicht müssen, wie sie auf dem Platz leiden, indem sie alles geben.“

Mit dieser Leidenschaft kaufte der Regionalligist dem Favoriten von Beginn an den Schneid ab. Meppens Trainer Christian Neidhart umschrieb das mit „einem sehr ausgeglichenen Spiel ohne viele Torchancen, aber mit vielen Zweikämpfen“.

Tatsächlich war vor der Pause kein Klassenunterschied zu erkennen. Die Meppener schienen überrascht von Rehdens frühem Pressing, agierten viel mit langen Bällen – nach dem Motto „Hoch und weit bringt Sicherheit“.

Den ersten Torschuss überhaupt gab Kamer Krasniqi ab (volley mit rechts drüber/11.). Gefährlicher wurde es für SVM-Keeper Matthis Harsman bei einem als Flanke gedachten Ball des starken Linksverteidigers Rhami Ghandour, der ans Lattenkreuz klatschte (18.). Auf der anderen Seite köpfte Steffen Puttkammer nach einem Freistoß knapp am langen Eck vorbei (20.), und ein Schuss von Deniz Undav wurde zur sicheren Beute von Borgman (27.). Später scheiterte Rehdens agiler Mittelfeldmann Quentin Fouley zweimal an Harsman – zunächst per Freistoß von links (35.), dann aus der Drehung (43.). Zu der Zeit hatte Neidhart seine Reservisten längst zum Aufwärmen geschickt – womöglich nicht wegen voller Zufriedenheit mit seiner ersten Elf, die bis zur Pause keine Chance mehr kreierte. Und das, obwohl die beiden BSV-Innenverteidiger Jakob Lewald und Tobias Esche schon früh die Gelbe Karte gesehen hatten – ein schweres Handicap für Zweikämpfe im Abwehrzentrum. „Das war aber kein Problem“, meinte Esche. Denn nun gingen ihre Vorderleute im Mittelfeld und Angriff noch früher drauf und nahmen so Druck von der Abwehrkette.

Kurz nach der Pause jubelten die Rehdener Fans unter den 1 200 Zuschauern, doch Addy-Waku Menga hatte aus dem Abseits ins Netz gelupft (53.). Zehn Minuten später scheiterte Bocar Djumo mit einem Schuss an Harsman – und plötzlich kippte die Begegnung. Meppens Marco Komenda sah nach einem Foul an Stürmer Tomislav Ivicic die Gelb-Rote Karte (67.), und danach „kamen wir besser ins Spiel“, fand Neidhart. Sein Kollege Backhaus wurde deutlicher: „Nach der Dezimierung hätte Meppen das Spiel gewinnen müssen“, urteilte er in Erinnerung an Borgmans Glanzreflex gegen den völlig freien Deniz Undav (86.) und Undavs Solo keine 60 Sekunden später, das Stürmer Ivicic mit einem Wahnsinns-Sprint von vorn nach hinten unterband. Dabei zerrte er sich den Oberschenkel, musste raus und dürfte für Rehdens nächsten Regionalliga-Auftritt am Sonntag ab 14.00 Uhr beim FC St. Pauli II ausfallen.

Wer nun fürs für Mitte April geplante Halbfinale zugelost wird – der VfB Oldenburg und der TSV Havelse aus der Regionalliga oder Drittligist Eintracht Braunschweig – ist Abwehrrecke Lewald herzlich egal: „Wir sind eine Runde weiter – das zählt.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Zeugin: Ukraine hat die US-Wahl 2016 nicht beeinflusst

Zeugin: Ukraine hat die US-Wahl 2016 nicht beeinflusst

Revolutionsgarden erklären Unruhen im Iran für beendet

Revolutionsgarden erklären Unruhen im Iran für beendet

Papst in Thailand: Prostitution und Sextourismus ist "Plage"

Papst in Thailand: Prostitution und Sextourismus ist "Plage"

„The Magic of Santana“ in der Verdener Stadthalle

„The Magic of Santana“ in der Verdener Stadthalle

Meistgelesene Artikel

Gallische Rehdener wollen Spitzenreiter aus Wolfsburg heißen Tanz liefern

Gallische Rehdener wollen Spitzenreiter aus Wolfsburg heißen Tanz liefern

Viel Lob für Kovacevic

Viel Lob für Kovacevic

Rehdens Kämpfer unbelohnt – 0:1

Rehdens Kämpfer unbelohnt – 0:1

Kommentare