Ex-Wilhelmshavener unterschreibt Zweijahresvertrag beim Regionalligisten

Versiert und vielseitig: Rehden freut sich auf Ficara

+
Vom SV Wilhelmshaven zum BSV Rehden: Alessandro Ficara ist der achte Neuzugang des Regionalligisten.

Rehden - Von Cord Krüger. Gestern schuftete Alessandro Ficara noch auf einem Trainingsplatz am Rande des Duisburger Hotels „Landhaus Milser“ – für sich, ganz allein. „Das waren Stabilisationsübungen, und danach bin ich noch ein paar Kilometer gelaufen“, berichtete der 23-jährige Mittelfeldspieler. „Der Junge ist eben süchtig nach Training und Fußball“, erklärte sein Onkel und Berater Antonio Pelle. Umso mehr freut er sich für den Neffen, dass er ab morgen nicht mehr allein trainiert – denn dann steht er mit seinen neuen Kollegen des Regionalligisten BSV Rehden auf dem Grün der Waldsportstätten.

Was ihm den Start erleichtern dürfte, ist die Tatsache, dass er einen im Team schon kennt: Youness Buduar, wie Ficara zuletzt in Diensten des SV Wilhelmshaven und nun vom BSV verpflichtet. „Mit Youness stand ich vor meiner Unterschrift auch in Kontakt – und er hat gesagt: ,Das kannst Du ruhig machen.‘ Aber eigentlich hatte ich mich da schon entschieden. Denn das Projekt hat mich überzeugt.“ Damit meint der Offensivmann die Kombination aus „den guten Spielern, die schon da sind, dem guten Trainer Andreas Petersen und dieser Anlage“. Das Gelände mit „diesen vielen Trainingsplätzen und diesem schönen Clubhaus“ hat auch Onkel Antonio beeindruckt – das will schon was heißen, denn der Gastronom beherbergte in seinem feudalen „Landhaus Milser“ schließlich während der WM 2006 Italiens Nationalmannschaft. Am Ende des Aufenthalts stand für die Squadra Azzurra bekanntlich der Titel. Fazit des Beraters: „Um Erfolg zu haben, muss eben alles passen – auch das Umfeld…“

Beim SV Wilhelmshaven war das mit dem Wohlfühl-Faktor so eine Sache. „Sportlich konnte ich nicht klagen, ich habe ja fast immer gespielt. Aber es gab andere Probleme“, erinnert Ficara an die juristischen Auseinandersetzungen des SVW bis hin zur Fifa und den am Ende doch rechtskräftigen Zwangsabstieg. „Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft in der Zeitung – das geht natürlich an keinem spurlos vorbei“, verdeutlicht sein Berater. Ficara gab trotzdem bis zum Schluss alles, biss bei mehreren Blessuren auf die Zähne, erzielte in 26 Einsätzen (25 Mal von Beginn) neun Tore, doch es reichte nicht für die Rettung des SVW.

Die Eigenwerbung fruchtete jedoch. „Ich hatte jetzt auch Angebote aus der 3. Liga“, schilderte Ficara. Dass er sich dennoch für das „Projekt Rehden“ eine Klasse tiefer entschied, habe zu einem Großteil auch am „guten Presidente“ gelegen. BSV-Vereinsboss Friedrich Schilling hat also Eindruck auf ihn gemacht, und umgekehrt scheint das genauso. „Das ist ein vielseitiger und technisch sehr versierter Spieler – und offenbar sehr umgänglich“, urteilt der 63-Jährige über den achten Sommer-Neuzugang.

Ein Blick in die Statistik erhärtet diesen Verdacht: nur zwei gelbe Karten in der Saison, die für den Jungen aus der kalabrischen Küstenstadt Locri ziemlich viele Positionen parat hatte: Als Links- und Rechtsaußen, in der offensiven Mittelfeldzentrale und links in der Vierer-Abwehrkette hatte SVW-Coach Farat Toku ihn aufgeboten. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt“ – mit Ficaras Referenzen klingt dieser schon oft gehörte Fußballer-Spruch nicht wie eine Floskel.

Auch vor seiner Zeit in Wilhelmshaven hatte sich Ficara so flexibel gezeigt – allerdings passte es in den beiden Serien beim MSV Duisburg II nicht so ganz. „Irgendwie hat es innerhalb der Mannschaft nicht gestimmt, dann kamen Verletzungen dazu, es lief nicht“, fasste Pelle die Zeit seines Neffen bei den „Zebras“ zusammen. Trotzdem brachte er es beim Ruhrgebiets-Club auf 43 Spiele.

Mehr, viel mehr, sollen es jetzt für den BSV Rehden werden, hoffen der Italiener und der „Presidente“. „Wir haben ihm gleich einen Zweijahresvertrag gegeben – auch, weil der Junge gute Perspektiven hat“, sagt Schilling. Sollte also wieder ein Drittligist mit Ficara flirten, führt der Weg dorthin nur über das Büro des Clubchefs. Oder Rehden geht den Weg nach oben selbst! Ficara jedenfalls hält das nicht für utopisch: „Wir haben einen großen Trainer und eine gute Mannschaft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Meistgelesene Artikel

BSV-Abwehrchef Wessel gegen die Jung-Wölfe rechtzeitig zurück

BSV-Abwehrchef Wessel gegen die Jung-Wölfe rechtzeitig zurück

Bittere Pillen für Rehden

Bittere Pillen für Rehden

Kommentare