Ex-Rehden-Coach gewährt Einblicke

Muzzicatos Viktoria Berlin: Ständig im Standby-Modus

Benedetto Muzzicato
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Vollgas am Spielfeldrand: Das ist momentan nicht möglich für Benedetto Muzzicato. Doch es könnte bald wieder losgehen für ihn und seine Viktoria.

Elf Spiele, elf Siege: Fußballtrainer Benedetto Muzzicato stürmte mit Viktoria Berlin durch die Regionalliga Nordost, ehe der Lockdown light den Höhenflug stoppte. Doch Rehdens Ex-Coach geht besonnen mit all den Unwägbarkeiten um.

  • Nach der Lockdown-Ankündigung herrschte eine „schwierige Situation“.
  • Seit der zweiten Novemberwoche darf Viktoria wieder trainieren.
  • Es gibt Zweifel am geplanten Re-Start am 6. Dezember.

Berlin/Bremen – Diese derzeit oft besungene neue Normalität ist bei Benedetto Muzzicato noch nicht angekommen. „Ich glaube, dass die jetzige Lage einem erst richtig bewusst wird, wenn ein bisschen Zeit vergangen ist“, sagt der Fußballtrainer. Erst mit etwas Abstand werde man begreifen, „was das für ein Jahr 2020 war beziehungsweise aktuell auch noch ist. Das ist alles schon krass.“

Sportler leben gern in festen Rhythmen: Training, Wettkampf, Training, Wettkampf. Am Ende dieses Tunnels steht immer ein Ziel, darauf wird professionell durchgeplant hingearbeitet. Aber 2020 schmeißt alle Langzeit-Projekte über den Haufen. Auch bei Muzzicatos Club. Lockdown im Frühjahr, erneuter Lockdown Anfang November. Vollbremsung. Und das ausgerechnet bei Höchstgeschwindigkeit. Muzzicatos FC Viktoria 1889 Berlin eilte in der Regionalliga Nordost von Erfolg zu Erfolg. „Elf Spiele, elf Siege – das ist natürlich sensationell“, betont Muzzicato, der von 2017 bis 2019 den BSV Rehden trainierte. Für viele Spieler sei es kurz nach der erneuten Lockdown-Ankündigung „eine schwierige Situation“ gewesen, verrät der 42-Jährige, „weil sie einfach aus ihrem Flow gerissen wurden“. Da sei durchaus Gesprächsbedarf gewesen. „Aber wir als Trainerteam haben ganz klar kommuniziert: Diese Situation ist jetzt da – und wir können diese Situation nicht ändern. Es gibt nun mal Wichtigeres als Regionalliga-Fußball. Das muss jeder akzeptieren.“

Muzzicato musste „viel telefonieren, viel konferieren“

Zumal hinzukam, dass Muzzicato auf die Erfahrungswerte des Frühlings zurückgreifen konnte. „Wir hatten ja auch schon bei der ersten Unterbrechung gezeigt, dass wir viel arbeiten können, auch wenn wir nicht auf dem Platz stehen.“ Muzzicatos Tagesablauf Anfang November ist schnell beschrieben: „Viel telefonieren, viel konferieren. Man muss mit jedem in Kontakt bleiben.“

Der komplette Fußballstopp dauerte für Viktoria sowieso nur einige Tage. Bereits seit der zweiten Novemberwoche darf der Spitzenreiter wieder trainieren. Deshalb habe sich der „Substanzverlust“ in Grenzen gehalten, unterstreicht Muzzicato. Seine Spieler hätten gar nicht die intensivsten Pläne gebraucht: „Wichtig war, dass sie auf Spannung bleiben.“

Berlins nächster Gegner heißt Carl Zeiss Jena

Diese darf wahrscheinlich bald entladen werden. Denn wenn der Nikolaus kommt, soll Viktoria wieder ran; mit dem Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena. Dass die Regionalliga wieder zum Leben erwachen soll, obwohl sonst viele Sportarten im Winterschlaf verharren, ist für Muzzicato vertretbar. „Wir sind Vollprofis, wir haben ein Hygienekonzept, machen regelmäßig Tests. Ich glaube, dass man unter diesen Voraussetzungen auch nichts dagegen sagen kann, wenn wir unserem Job nachgehen“, erklärt der Coach: „Wir versuchen dafür zu sorgen, dass sich die Jungs ihrer Verantwortung bewusst sind, und eben nicht durch ganz Berlin spazieren.“

In der Liga mehren sich aber auch die Stimmen, die einen Re-Start skeptisch betrachten. So hatte sich der 1. FC Lok Leipzig für eine vorzeitige Winterpause und die Fortsetzung des Spielbetriebs im Januar stark gemacht. Auch Vertreter des FC Carl Zeiss Jena und des ZFC Meuselwitz äußerten angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen Zweifel ob einer zeitnahen Wiederaufnahme. Schließlich ist die Regionalliga Nordost keine reine Profi-Liga. An diesem Freitag steht eine Sitzung des NOFV an. Muzzicato wartet ab. „Es kann ja sein, dass es heißt, es geht dieses Jahr nicht mehr, sondern wir starten im Februar neu, dann ist es eben so. Wir haben es nicht in der Hand. Wir können nur damit arbeiten, was gerade angesagt ist.“ Das ist Stand heute der Re-Start am 6. Dezember: „Auf dieses Datum konzentrieren und fokussieren wir uns. Damit die Jungs dann ready to play sind.“

Leistungsträger Lewald: „Wir haben sehr, sehr gut performt“

Als Jakob Lewald im Sommer vom BSV Rehden zu Viktoria Berlin wechselte, stand der 21-Jährige direkt in der Verantwortung. Es galt, den abgewanderten Kapitän und Abwehrchef Marcus Hoffmann (33) zu ersetzen. „Stand jetzt hat er es sensationell gemacht“, lobt Trainer Benedetto Muzzicato: „Er hat noch mal einen Schritt nach vorn gemacht.“ Lewald sei schon jetzt „ein sehr wichtiger Spieler. Er macht den Mund auf, übernimmt Verantwortung.“ Lewald ist fester Bestandteil der besten Defensive in der Regionalliga Nordost. Erst neun Gegentore kassierte das Muzzicato-Team in elf Liga-Spielen. „Wir haben sehr, sehr gut performt in den vergangenen Monaten“, betont Lewald: „Wir waren robust, haben stabil unsere Ergebnisse eingefahren – da war es natürlich mega-enttäuschend, dass wir dann ausgebremst worden sind.“ Ein Grund für die Siegesserie sei ausgerechnet eine Niederlage gewesen: Das 0:6 gegen Altglienicke im August im Berliner Landespokal-Finale. Durch dieses Negativ-Erlebnis sei das Team „noch mal enger zusammengewachsen“. Seit einigen Monaten ist Lewald nun also Berliner – das Big City Life hat er jedoch noch nicht wirklich auskosten können. „Ich wohne in der Nähe des Trainingszentrums in Lichterfelde, hier ist nicht so unbedingt Großstadt-Feeling.“ Auch die Corona-Pandemie hält vom Hauptstadttrubel ab: „Ich versuche mich ein bisschen zurückzunehmen, um einfach aufzupassen.“ Im Club fühlte er sich jedenfalls direkt wohl, auch weil er mit Shinji Yamada (26) und Yannis Becker (29) bereits in Rehden zusammengespielt hatte. Das habe die Eingewöhnung erleichert. Nun hofft Lewald, bald wieder auf dem Platz Gas geben zu können: „Wichtig ist, dass wir einfach weiter konzentriert arbeiten, um das große Ziel, den Aufstieg in die 3. Liga, vor Augen zu behalten.“

Direkt eine feste Größe: Verteidiger Jakob Lewald gehört zu den Leistungsträgern bei Viktoria Berlin.

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