Erst rassistisch beleidigt, dann trifft der Stürmer zum Rehdener 2:1-Erfolg

Kargbos späte Genugtuung

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Rehdens Mittelfeldspieler Marcel Stutter (links) warf sich gegen Hannover 96 II in jedes Kopfballduell.

Rehden - Von Arne Flügge. Die 44. Minute. Eckball für den BSV Rehden. Das übliche Getümmel und Geschubse im Strafraum. Rehdens Abu Bakarr Kargbo gerät mit Philipp Blume aneinander. Hannovers Manndecker entgleist. „Ey, du Affe“ schnauzt er den dunkelhäutigen Stürmer an. Eine fiese rassistische Beleidigung.

Kargbo ist sauer, würde Blume am liebsten an die Gurgel springen. Doch er hatte elf Minuten zuvor Gelb gesehen, hält sich zurück, will nichts riskieren.

Zeitsprung: 84. Minute. Rehdens Danny Arend zieht nach maßgeschneidertem Pass von Kevin Artmann ab, 96-Keeper Marco Pinkernelie pariert, doch beim Abpraller ist Kargbo schneller als Blume – und staubt zum 2:1 (0:1)-Siegtreffer des Fußball-Regionalligisten gegen Hannover 96 II ab. Eine späte, aber für den Rehdener Angreifer sicher wohltuende Genugtuung.

Lob gab es später von höchster Stelle. „Ich bin froh, dass sich Abu nicht hat provozieren lassen“, sagte Rehdens Sportvorstand Markus Kompp, der die Szene direkt hinter dem Tor beobachtet und dem Schiedsrichtergespann um Referee Adrian Höhns (Hamburg) nach dem Pausenpfiff noch ein paar passende Worte mit in die Kabine gegeben hatte. Alexander Kiene, der die Beleidigung gegen seinen Spieler von der Bank aus nicht mitbekommen hatte, beschränkte sich später auf die sportliche Leistung seines Matchwinners. „Es freut mich riesig, dass Abu sich mit diesem Tor belohnt hat. Er hatte sehr gut gearbeitet, trainiert und sich seinen Platz in der Startelf verdient“, lobte der BSV-Coach seinen Angreifer: „Er ist ein sehr guter Junge. Sportlich, menschlich und charakterlich. Und er stand in der entscheidenden Sekunde da, wo ein Stürmer stehen muss.“

Immerhin hätte Kargbo die Partie schon frühzeitig entscheiden können. Doch seinen Schlenzer mit links (3.) entschärfte 96-Keeper Pinkernelie glänzend, in der elften Minute bekam Kargbo bei seinem Kopfball nicht genügend Druck hinter den Ball und in der 54. Minute drosch der Rehdener Winterneuzugang die Kugel aus elf Metern freistehend neben das Tor.

Vergebene Chancen, die BSV-Trainer Kiene seinem Angreifer – freilich angesichts der drei Punkte – verzeiht. „Es zeichnet einen Stürmer aus, dass er nach vergebenen Möglichkeiten weitermacht. Abu hat nie aufgegeben, immer weiter Gas gegeben.“ Und sich schließlich mit dem Siegtreffer belohnt.

Doch im Abstiegskampf war es für den BSV Rehden ein hartes Stück Arbeit gewesen. „Wir haben nicht ins Spiel gefunden“, räumte Kiene ein. Und beim 0:1 durch 96-Profi-Leihgabe Kenan Karaman (14.) mit einem Schuss von der Strafraumgrenze stand Rehden nur Spalier. „Wir hätten das besser verteidigen müssen. Zunächst von außen, dann aus der Mitte“, monierte Kiene.

Doch wären die Rehdener vor Monaten nach einem Rückstand noch eingebrochen, so stemmten sie sich am Samstag mit Gewalt gegen eine drohende Niederlage. Mehr noch: Sie wollten gewinnen, mit aller Macht: Nach dem Wechsel waren die Hausherren auch die klar bessere Mannschaft und belohnten sich in der 65. Minute, als Kevin Artmann einen direkten Freistoß aus 18 Metern in die Maschen zirkelte.

Nur 60 Sekunden später vergab Artmann freistehend die 2:1-Führung. „Das tut mir leid für die Mannschaft. Den muss ich machen. So mussten die Jungs noch einen hohen Aufwand betreiben. Zum Glück haben wir dann ja noch durch Abu das 2:1 gemacht“, sagte ein glücklicher und erleichterter BSV-Kapitän.

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