Eine Frage der Ehre

Muzzicato nach Rehdens 1:2: „Einige nicht mehr hundertprozentig bei der Sache“

Auch diesen Ball bringt er herein: Viktor Pekrul (links, gegen St. Paulis Christian Viet) hauchte dem BSV Rehden nach seiner Einwechslung wieder Leben ein. Der Rechtsaußen bereitete das 1:2 vor. - Foto: ck
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Auch diesen Ball bringt er herein: Viktor Pekrul (links, gegen St. Paulis Christian Viet) hauchte dem BSV Rehden nach seiner Einwechslung wieder Leben ein. Der Rechtsaußen bereitete das 1:2 vor.

Rehden - Von Cord Krüger. Da war er wieder! Nach einer desolaten ersten Halbzeit seiner Teamkollegen gegen den FC St. Pauli II durfte Viktor Pekrul zur zweiten Hälfte endlich ran.

Eigentlich wollte Trainer Benedetto Muzzicato den immerhin schon 35-Jährigen schonen – nach seinen zuvor acht Regionalliga-Spielen für den BSV Rehden in nur einem Monat. „Aber da müssen wir erst Viktor bringen, der Flanken schlagen kann, weil sich andere das nicht trauen oder es nicht können“, meinte Muzzicato kopfschüttelnd. 

Tatsächlich lieferte „Rehdens Ikone“, wie Muzzicato Pekrul adelte, den Querpass zu Fabian Lokajs 1:2 (73.). Doch der Ausgleich blieb den Schwarz-Weißen verwehrt, und „er wäre auch absolut unverdient gewesen“, unterstrich der BSV-Coach nach der 1:2 (0:2)-Niederlage.

Die Rehdener schweben dadurch weiter in akuter Abstiegsgefahr, ihr aktuell viertletzter Platz würde nach jetzigem Stand den Gang in die Oberliga bedeuten – wenn Fast-Meister Weiche Flensburg 08 seine Relegation gegen Energie Cottbus verliert und nicht aufsteigt. „Aber ich habe keine Lust, bis Ende Mai auf diese Ergebnisse zu warten“, grantelte Muzzicato.

Pekrul stemmt sich gegen Niederlage

Und Pekrul in seinem 217. BSV-Auftritt anscheinend noch weniger. Der am Samstag beste BSV-Akteur stemmte sich als Rechtsaußen gegen das Unheil, zielte mit dem ersten echten Rehdener Torschuss der Partie in Minute 55 knapp daneben, setzte eine scharfe Flanke auf den Querbalken (66.) – und bereitete den Anschlusstreffer vor: Einen langen Ball erlief er Zentimeter vor der Grundlinie, spielte an den ersten Pfosten, Francky Sembolo schirmte den Ball vor St. Paulis Keeper Svend Brodersen ab – und Fabian Lokaj schoss aus dem Rückraum ins leere Tor. „Los, Leute, wir haben noch Zeit“, feuerte Pekrul seine Mitspieler an.

„Vicky ist eben ein Mentalitätsmensch, der die Mannschaft mitreißt“, zog Kapitän Kai Bastian Evers den Hut vor seinem Oldie: „Er hat ein Super-Spiel gemacht, aber trotzdem stehen wir wieder ohne Punkte da.“ Daran war Evers an seinem 28. Geburtstag nicht ganz unbeteiligt. Denn schon nach 160 Sekunden unterlief er einen langen Ball von Brodersen, Fynn Rocktäschel nahm die Kugel an, legte ab auf Marcell Sobotta – und der markierte das 1:0. „Ein Kommunikationsproblem, ein Stellungsfehler – auch von mir“, gestand Evers.

Eigentlich harmloser Freistoß

Es sollte noch schlimmer für den diesmal als Innenverteidiger eingesetzten Capitano kommen. Sein Foul im Mittelfeld verursachte einen Freistoß aus eigentlich harmloser Distanz, doch Seungwon Lee trat ihn weit und präzise in den Lauf von Alessandro Otte, der setzte sich gegen Evers durch und bediente Finn Schütt zu dessen 2:0 aus der dritten Reihe (35.). Damit war Rehden zur Pause noch gut bedient, denn BSV-Schlusssmann Philip Faderl glänzte gegen Sobotta (30.) und Sirlord Conteh (44.).

„Die erste Halbzeit war eine Katastrophe – vom Einsatz her, von der Einstellung, der Intensität“, wetterte Muzzicato – und stellte die Gewissensfrage: „Man merkt beim einen oder anderen, dass er nicht mehr hundertprozentig bei der Sache ist. Da kann man noch so sehr an Stolz und Ehre appellieren – wenn jemand abgeschaltet hat, weil er nächstes Jahr nicht mehr in Rehden spielt, wird es schwierig.“ Namen wollte der A-Lizenz-Inhaber nicht nennen, aber „es sind viele, die aus verschiedensten Gründen etwas Neues machen wollen“.

Keine Gefahr von Rehden

So viele wie seine komplette erste Elf dann aber hoffentlich nicht. Von der war allerdings St. Paulis Trainer Joachim Philipkowski überrascht: „In der ersten Halbzeit ging von Rehden überhaupt keine Gefahr aus.“ Nach dem Wechsel „hatten wir Glück“, gestand der Gäste-Coach in Erinnerung an Sembolos Chance: Bei einer Linksflanke von Mirhad Mehanovic stieg der Stürmer gefühlte drei Meter hoch, köpfte druckvoll – doch Brodersen lenkte die Kugel stark über den Querbalken (82.). „Eigentlich war alles richtig – gegen die Laufrichtung vom Keeper“, ärgerte sich Sembolo, „aber den hält er stark.“

Schade für den Angreifer, der nun auch am Mittwoch in Flensburg nicht zum Knipsen kommt – denn er sah seine fünfte Gelbe Karte und ist gesperrt. „So ist das bei mir: Wenn ich einen Ball verliere, will ich ihn zurück“, erklärte er sein rustikales Einsteigen, das zur Verwarnung führte. Mangelnde Einstellung kann ihm Muzzicato diesbezüglich nicht vorwerfen.

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