Disziplinierte Rehdener regen Aalen auf / Mandic heimst Kraftausdrücke ein – aber auch ein Trikot

Diese kleinen, feinen Unterschiede

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Schlichter gefragt: Aalens Oliver Barth (l.) will auf Rehdens Jeffrey Obst (2.v.r.) los. BSV-Keeper Milos Mandic (r.) und Abwehr-Ass Michael Wessel (2.v.l.) gehen dazwischen.

Und Arne Flügge - Von Cord Krüger. CLOPPENBURGEs war der unrühmliche Höhepunkt nach 120 packenden DFB-Pokal-Minuten plus insgesamt neun Minuten Verlängerung: Dominick Drexler, zweiter Schütze des VfR Aalen im Elfmeterschießen, ging nach seinem Treffer noch ein paar Schritte auf Milos Mandic zu und brüllte dem Torwart des BSV Rehden ein paar Kraftausdrücke entgegen. „Das war nicht jugendfrei, sondern gehörte in die Kategorie ,Freigegeben ab 18‘“, erklärte Mandic, verriet aber: „Immerhin weiß ich jetzt, dass er meine Mutter anscheinend ziemlich hübsch findet…“

Hinterher konnte der Schlussmann darüber schon wieder schmunzeln, stellte aber klar: „Bestimmte Sachen gehören einfach nicht zum Sport – wie eben solche Wörter. Drexler muss so richtig zufrieden mit seiner Leistung gewesen sein, wenn er so etwas sagt.“

Nicht nur wegen dieses Ausrasters stellte Rehden den feineren Unterschied zwischen den zwei Klassen höher geführten Profis dar. Auch andere kleine Unterschiede prägten das Spiel.

So ging es bei Rehdens erster Ecke um Zentimeter: messerscharf hereingegeben von Viktor Pekrul, in Kniehöhe per Kopf (!) verlängert von Alessando Ficara und Zentimeter dahinter unhaltbar ins eigene Netz bugsiert von Nejmeddin Daghfous (20.). „Ich habe nach der Ecke den Ball berührt, mich umgedreht – und das Ding war drin“, schilderte „Vorbereiter“ Ficara hinterher: „Wer es gemacht hat, wusste ich nicht, aber das war ja auch egal. Auf jeden Fall hat uns das Tor viel mehr Sicherheit gegeben.“

Und Aalen brachte es Nervosität ein. Anders ist der Nacken-Check von VfR-Rechtsverteidiger Oliver Barth gegen BSV-Stürmer Kiala Kifuta in Minute 27 nicht zu erklären. „Kifu“ ging zu Boden, Barth durfte nach diesem nächsten unfeinen Unterschied froh sein, noch weiter spielen zu dürfen.

Rehdens Abwehr hingegen hatte derartige Scharmützel nicht nötig – auch, weil Michael Wessel und Stefan Heyken das Zentrum klasse zustellten und die uneingeschränkte Lufthoheit besaßen. „Ich habe einfach versucht, jeden Ball zu bekommen – egal gegen wen“, spielte der bärenstarke Wessel seine Leistung gegen drei Aalener Spitzen herunter. Völlig ausgepumpt sei er jedenfalls nicht – „daran sieht man, dass wir wohl ziemlich fit sind.“

Nur über diesen einen Gegentreffer in Minute 57 ärgerte sich der 27-Jährige. Nicht Teamkollege Pekrul, der den Fehlpass gegeben hatte, gab er die Schuld, sondern sich – obwohl er am Schuss von Michael Klauß immerhin noch dran war. „Aber wenn ich den nicht abfälsche, geht der auch nicht rein.“ Mandic stimmte zu: „Normalerweise hätte ich das per Fußabwehr klären können.“

Also alles wieder offen – bis zum Elfmeterschießen. Den Weg dorthin hielt auch Mandic frei, weil er zwölf Minuten nach dem 1:1 super gegen Maximilian Oesterhelweg parierte. „Dicker, das Ding hast du gut gehalten“, lobte Oesterhelweg den Keeper nach dem Abpfiff, während der Ex-Wiedenbrücker seinem einstigen Kontrahenten vom SC Verl aus der Regionalliga West sein Trikot schenkte.

Derart versöhnliche Szenen gab es mit VfR-Verteidiger Barth nicht – wohl auch, weil sich der Defensivmann noch mal am Ende der regulären Spielzeit unrühmlich in Szene gesetzt hatte, als er auf Rehdens Jeffrey Obst los wollte – und wieder ungestraft davon kam, weil Wessel und Mandic cool dazwischen gingen.

Mandic und Wessel behielten auch im Elfmeterschießen die Nerven: Wessel hämmerte die Kugel zum 1:0 unter die Latte, und Mandic hätte gleich den ersten Schuss pariert, wenn nicht ein kleines Hügelchen im Strafraum den Ball von Manuel Junglas über „Milos“ Handschuhe ins Netz bugsiert hätte. „Ich war in der richtigen Ecke und hatte ihn schon fast“, seufzte der BSV-Torhüter. Es waren eben diese kleinen, feinen Unterschiede, die einem Happy End des BSV im Weg standen.

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