BSV-Vereinsboss spricht über das Rehdener Konzept, Probleme und die Zukunft

Schilling: „Unser Modell wird sich durchsetzen“

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„Die Liga tickt in diesem Jahr anders“, sagt Rehdens Vereinsboss Friedrich Schilling.

Rehden - Von Arne Flügge. Der Saisonstart in der Fußball-Regionalliga war für den BSV Rehden holprig. Beim 5:1 gegen Neumünster folgte aber der Befreiungsschlag. Im Interview spricht BSV-Boss Friedrich Schilling (63) über die anfänglichen Probleme, warum er glaubt, dass das Rehdener Modell „Fußball und Arbeit“ konkurrenzfähig bleiben wird und warum er sicher ist, dass der Club auch erfolgreich bleiben wird, wenn er sich einmal als Mäzen und Macher zurückziehen wird.

Herr Schilling, zehn Punkte aus neun Spielen – eine Ausbeute, mit der Sie zufrieden sind?

Friedrich Schilling: Nein, natürlich hatten wir uns das etwas anders erhofft, ganz klar. Aber wir müssen auch sehen, dass wir mit einigen Problemen zu kämpfen hatten und noch zu kämpfen haben. Für die Neuzugänge mussten wir Arbeitsplätze finden, dazu die Organisation des DFB-Pokalspiels und das nachgeholte Endspiel um den Niedersachsenpokal. Das hat sicherlich auch alles etwas gestört. Hinzu kommt, dass uns Kevin Artmann seit Wochen fehlt, Danny Arend ist nach seinem Sehnenanriss erst spät wieder zurückgekommen, jetzt wird uns Stefan Heyken lange ausfallen. Dennoch: Wir haben mehr erwartet.

Ist die Liga stärker geworden?

Schilling: Ich denke, die Liga tickt in diesem Jahr anders. Die zweiten Mannschaften sind wesentlich stärker geworden. Das sieht man jetzt schon an der Tabelle. Andere Vereine können weniger mithalten, weil sie auch weniger finanzielle Mittel haben.

Wie der BSV Rehden?

Schilling: Natürlich. Wir machen nur das, was wir uns erlauben können – mit dem Zusatz: Fußball und Arbeit.

Und das führt zu Problemen?

Schilling: Ja. Erstens ist es schwieriger, gute Spieler zu bekommen, denn nicht jeder will nebenbei noch arbeiten. Die es dann machen, haben – gerade in diesem Jahr – erhebliche Eingewöhnungsprobleme. Die Jungs, die sich für unser Modell entschieden haben, sind wesentlich jünger als noch vor zwei Jahren. Da sind einige dabei, die haben in ihrem Leben vorher noch nie gearbeitet.

Also holen Sie manchmal auch die Katze im Sack?

Schilling: Das ist klar, aber bei unserem Modell „Fußball und Arbeit“ ist das Risiko für den Verein nicht ganz so groß.

Ist das Modell „Fußball und Arbeit“ denn auf die Dauer überhaupt konkurrenzfähig?

Schilling: Ich denke ja. Andere Vereine übernehmen das ja bereits. Auf Dauer werden nur ganz wenige Clubs in der vierten Liga unter Profibedingungen arbeiten.

Aber es erschwert die Spielersuche...

Schilling: Nun ja, Angebote sind genug da. Die Schwierigkeit ist, die richtigen Leute herauszusuchen. Wir haben unsere jungen Spieler fast alle jetzt mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet, weil wir an sie glauben und weil wir im kommenden Jahr nicht wieder einen so großen Umbruch haben wollen. Wir würden auch gern mit einem Trainer langfristig zusammenarbeiten, weil wir hier etwas aufbauen wollen.

Und der Trainer heißt Andreas Petersen?

Schilling: Am liebsten ja. Der Trainer macht hervorragende Arbeit. Und wir werden jetzt sicher nicht nervös, nur weil wir ein paar Punkte zu wenig haben. Wir haben mit dem Trainer besprochen, dass wir uns eine längere Zusammenarbeit wünschen, wenn alles passt. Und es passt. Von daher denke und hoffe ich, dass er weitermachen wird.

Wie erklären Sie sich die jährlich hohe Spieler-Fluktuation in der Regionalliga?

Schilling: Es liegt an der dünnen Finanzdecke. Die Clubs sind bei teuren Spielern vorsichtig und machen nur Jahresverträge. Und Spieler, die sich zu Höherem berufen fühlen, kannst du ohnehin nicht halten.

Sie stecken seit Jahren ihr ganzes Herzblut in den Club, aber auch sehr viel Geld. Was passiert mit dem BSV Rehden, wenn Sie eines Tages kürzertreten oder sich ganz zurückziehen?

Schilling: Die Frage ist jetzt so einfach nicht zu beantworten. Es hängt davon ab, wann dieser Zeitpunkt mal sein wird. Wir sind bereits jetzt dabei, den Verein in allen Bereichen auf breitere Schultern zu stellen. Und es gibt noch viel zu tun.

Was zum Beispiel?

Schilling: Wir wollen den Stadionendausbau mit dem neuen Flutlicht vorantreiben, damit wir auch mal Abendspiele im Fernsehen bekommen. Generell sind wir besser aufgestellt als vor drei Jahren. Damals hat doch noch keiner an Fanartikel gedacht. Alle im Verein haben sich wesentlich weiterentwickelt, viel gelernt. Wir sind schon jetzt richtig gut aufgestellt, auch was das Organisatorische betrifft. Nicht umsonst haben wir ja gerade vom DFB ein dickes Lob für die Ausrichtung des U 16-Länderspiels gegen Belgien bekommen. Von daher bin ich sehr zuversichtlich, dass der BSV Rehden in ein paar Jahren von anderen Leuten erfolgreich weitergeführt werden kann.

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