Rehdens Neu-Coach legt entspannt, kommunikativ und mit klaren Ideen los

Backhaus bläst zur Balljagd

Als Trainer müsse er sich immer mit dem identifizieren können, was sein Team auf den Platz bringt, betont Heiner Backhaus. Foto: wiechert

Rehden - Erst ein bisschen Balljonglieren, dann dort ein Plausch auf Englisch, hier ein Schnack auf Spanisch, bevor es an die schweißtreibende Arbeit geht. Der neue Chefcoach Heiner Backhaus präsentierte sich zum Trainingsauftakt des BSV Rehden locker und kommunikativ, aber auch durchaus streng in der Sache. Der 37-Jährige scheint auf Anhieb angekommen zu sein beim Fußball-Regionalligisten. Aber mit dem Eingewöhnen kennt sich Backhaus eh aus. In seiner Karriere spielte er für knapp 20 Teams, unter anderem auf Zypern, auf Malta, in Hongkong, in Australien oder in Saudi-Arabien. Er spricht sieben Sprachen. Ein Kosmopolit in Rehden.

„Ich wollte mich immer durch Fußball weiterbilden“, erzählt Backhaus: „Nur rumzukicken reichte mir nicht. Ich wollte Sprachen lernen, Kulturen kennenlernen, Zusammenhänge versuchen zu verstehen. Das hat mich immer sehr angetrieben.“

Das war der Spieler Backhaus. Der Trainer Backhaus tickt anders. Sesshafter. Die vergangenen sechs Jahre trainierte er den Oberligisten FC International Leipzig. „Die Aufgabe in Leipzig hat mir ganz, ganz viel Spaß gemacht“, betont der Ex-Profi: „Ich habe eigentlich nie an die Zeit gedacht, die sechs Jahre sind an mir vorbeigerutscht. Sobald du als Trainer in dem Ding drin bist, hast du ein ganz anderes Zeitgefühl als als Spieler; weil du viel mehr Verantwortung hast.“

Diese trägt er nun gemeinsam mit seinem Trainerteam in Rehden. Bevor es am Mittwoch mit der Vorbereitung losging, hatte er sich schon intensiv auf seine neue Aufgabe vorbereitet. „Wir haben im Trainerstab fast jedes Spiel aus der Vorsaison noch mal angeschaut, die Spieler typisiert und waren sehr angetan von der Mannschaft, weil wir sie fast in jedem Spiel als dominant erkannt haben; fast immer ein Stück weit besser als der Gegner“, sagt Backhaus: „Wir wollen natürlich das beibehalten, was gut war. Aber gerade im Bereich des Gegenpressings müssen wir den nächsten Schritt machen.“

Als Trainer müsse er sich immer mit dem identifizieren können, was sein Team auf den Platz bringt, betont Backhaus. Es gehe darum, „die eigene Identität“ in den Vordergrund zu stellen: „Du musst immer Herr der Lage sein; ob du den Ball hast oder nicht. Alle Spieler müssen einen klaren Plan haben, was sie in der jeweiligen Zone zu machen haben – von wo aus sie den Spieler anlaufen, wo sie ihn hinlenken wollen. So ein bisschen die Richtung ,Kloppo‘.“

Jürgen Klopp also. Der Übervater des Vollgasfußballs. „Ja“, sagt Backhaus, „ich würde mich schon als Umschalttrainer bezeichnen.“ Bei Ballgewinn müsse es schnell gehen: „Denn das ist genau diese Sekunde im Spiel, in der der Gegner seine Organisation verliert. Dann ergeben sich Schnittstellen, die du sonst in dieser Form im Ballbesitz nie hast.“

Die Spielausrichtung sei aber nur ein Baustein im großen Ganzen. „Aber am Ende entscheidet die Mentalität über Erfolg und Misserfolg“, stellt Backhaus klar: „Und da müssen wir den nächsten Schritt gehen: Dass wir uns selbst keine Alibis gönnen. Dass wir uns gegenseitig ziehen. Dass wir die Leistungslatte noch weiter nach oben legen.“

Wenn der vollbärtige und breitschultrige 37-Jährige ins Plaudern gerät, ist sein ganzer Körper in Bewegung. Er untermalt das Gesagte mit Gesten, beugt sich nach vorne, wenn er etwas unterstreichen möchte. So auch, wenn er über die Ziele mit dem BSV spricht: „Wir sollten nicht in Punkten denken. Wir müssen dem Verein eine Struktur geben, die schlussendlich jeden ersetzbar macht.“ Das gehe nicht von heute auf morgen: „Ich habe der Mannschaft auch gesagt. ,Ich habe vom Präsidenten (Friedrich Schilling, d. Red.) Zeit bekommen, und die kann ich an euch weitergeben.‘“

In Rehden wird sich erst mal wieder eine neue Achse herauskristallisieren müssen. Yannis Becker ist schon weg, mit Shinji Yamada und Santiago Aloi stehen weitere Leistungsträger aus der Vorsaison vor dem Abschied. Auch der Verbleib von Torwart Rico Sygo scheint nicht gesichert. Für Backhaus, der in der Jugend lange beim FC Schalke 04 und kurz bei Werder Bremen ausgebildet wurde, ist das keine ungewohnte Situation. „In Leipzig war es immer so, dass wir im Sommer innerhalb von drei Tagen eine neue Mannschaft zusammentrommeln mussten, weil wir unsere ganzen Spieler immer nach oben abgeben mussten beziehungsweise durften“, erinnert er sich: „Das ist doch die beste Referenz für einen Verein! Genau da muss man die Marktlücke finden.“

Mentalitätsmonster und Rhythmusspieler

Die Vorbereitung beim Fußball-Regionalligisten BSV Rehden läuft seit Mittwoch. Und auch die Personalplanungen laufen auf Hochtouren. Sportvorstand Michael Weinberg meldete jetzt bei drei Neuzugängen Vollzug. Kamer Krasniqi (23 Jahre/zuletzt VfL Osnabrück): „Er bringt eine hohe Spielintelligenz mit“, sagt Weinberg über den Mittelfeldakteur. Trainer Heiner Backhaus beschreibt Krasniqi als „Rhythmusspieler“. Marco Kaffenberger (22/Werder II): Ein Verteidiger, der laut Weinberg „trotz seines jungen Alters schon ein gewisses Maß an Erfahrung mitbringt“. Backhaus sieht Kaffenberger als „Mentalitätsmonster. Er marschiert immer, er will immer.“ Bocartelli (24/FCO Neugersdorf): Der Portugiese ist ein Mann für die vorderste Reihe. Backhaus hat mit ihm bereits in Leipzig zusammengearbeitet. „Er bringt alle Fähigkeiten mit, die ein moderner Stürmer haben muss“, sagt der Coach: „Ballsicher, gutes Eins-gegen-Eins, schnell und torgefährlich.“

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