Online-Schwitzen mit Michele

Athletikcoach Lapenna trainiert Rehdens Fußballer in seinem Arbeitszimmer via Video-Chat

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So sieht ein Online-Home-Training beim BSV Rehden aus: Die Spieler haben sich per Video-Chat zusammengefunden, Trainer Maarten Schops und sein „Co“ Michael Hohnstedt (Micha) schauen zu. Athletikcoach Michele Lapenna benutzt meistens sein Tablet, auf dem er hin und her wischt, um alle sehen zu können. Für den Hausbesuch der Kreiszeitung hat er zur besseren Übersicht auch seinen Laptop eingeschaltet.

Die Schweißtropfen rinnen die Wangen hinunter, die dunklen Haare sind klitschnass. Aber Michele Lapenna (47) wirkt nicht sonderlich erschöpft. Er holt kurz Luft, richtet den Blick auf das Tablet, das vor ihm auf einer Halterung klemmt. Auf dem Bildschirm sieht er, in kleinen Ausschnitten, mehrere Fußballer des Regionalligisten BSV Rehden.

Rönnebeck/Rehden - Alle genauso durchgeschwitzt wie er – mindestens. Und dann spricht Lapenna lobende Worte: „Gut, Jungs. Super mitgemacht. Wir sehen uns morgen Abend beim Bauchtraining.“ Die Online-Einheit des Viertligisten über die Video-Plattform „Zoom“ ist damit beendet. Die Spieler wirken ausgepowert und auch erleichtert, fangen gleich nach den Schlussworten ihres Athletikcoaches an zu flachsen – vor allem über ihre Haare, die in Corona-Zeiten und wegen der Zwangspause der Friseure hier und da ordentlich gesprossen sind. Lapenna lässt „die Jungs“ noch ein bisschen weiterschnacken und loggt sich nun aus dem Home-Teammeeting aus: „Ich werde gleich noch ein bisschen dehnen – und dann freue ich mich auf eine Dusche.“ Etwa anderthalb Stunden zuvor: Lapenna, ein nach eigener Aussage „waschechter Bremer“, öffnet die Tür seines Hauses in Rönnebeck, einem Ortsteil von Blumenthal im Norden der Hansestadt – und bittet darum, schnell einzutreten. 

Vollgas: Michele Lapenna im Arbeitszimmer in Aktion

Die beiden Britisch-Kurzhaar-Katzen Linus und Levi sollen, auch wegen der größeren Straße in der Nähe, lieber nicht rausschlüpfen. In der Küche sind Ehefrau Steffi (41/seit 16 Jahren verheiratet) und der gemeinsame Sohn Luca (12), der gerade Schoko-Muffins backt. Rüber ins Wohnzimmer, auf die Couch: Dort erzählt Lapenna, der aktuell auch noch die Handballer des künftigen Drittligisten ATSV Habenhausen betreut, über seine Vita (siehe Text unten), wie er im Januar 2018 nach Rehden kam – und wie er mit Sportlern arbeitet. Eine Praxis-Kostprobe gibt es dann wenig später im ersten Stock. Lapenna öffnet das Fenster in seinem Arbeitszimmer, denn gleich wird es heiß. Der durchtrainierte Athletikcoach, dessen Familie aus dem südostitalienischen Andria stammt, legt sich ein blaues Handtuch zurecht und räumt noch schnell ein paar Fitnessgeräte beiseite. Die werden nicht gebraucht. „Die Schwerpunkte liegen auf Kraft und Ausdauer, alles mit dem eigenen Körpergewicht“, erklärt er. 

Seit Beginn der Corona-Pandemie und dem verhängten Mannschaftstrainings-Verbot bietet Lapenna, der als Sozialpädagoge an einer Oberschule in Vegesack arbeitet, mehrere Einheiten pro Woche an – auch mal nicht so heftige für Brust und Bauch. Doch heute ist Mittwoch, da steht das „HIT“ (High Intensity Training) auf dem Programm. Um den Ablaufplan bei der auch für ihn noch recht neuen Online-Trainingsform stets im Blick zu haben, hat sich Lapenna mehrere Zettel an ein Regal über dem Tablet geheftet. Um kurz vor 18.30 Uhr betreten immer mehr Spieler den Chat-Raum. Tobias Esche, bis Winter beim BSV und dann in die USA ausgewandert, oder der italienische Handball-Nationaltorwart Domenico Ebner von der TSV Hannover-Burgdorf, den Lapenna gut kennt, sind diesmal nicht dabei. Dafür haben sich Rehdens Trainer Maarten Schops und sein „Co“ Michael Hohnstedt bereits zugeschaltet und schauen sich das Ganze genau an. Auch Lapenna ist inzwischen drin und gibt eine kurze Übersicht, was er sich für heute ausgedacht hat. 

Alles im Blick: Michele Lapenna beobachtet während einer Übung auf dem Tablet, was die Rehdener Spieler machen. Im Hintergrund hängen die Zettel, auf die er sich den Trainingsablauf geschrieben hat.


Jetzt geht’s los – zunächst noch recht locker, dann immer knackiger. Mit motivierender Musik, die ein Freund für Lapenna zusammengeschnitten hat. „Wir treiben den Puls hoch, machen kleine Pausen und geben dann wieder Gas“, kündigt er an. Der 47-Jährige keucht ein wenig, als er zwischendurch immer mal wieder Ansagen macht („Wer früher fertig ist, hat länger Pause“) oder Kommandos gibt („Knie hoch, noch höher“). Die Spieler können ihn hören, er sie aber nicht, weil sie die Mikrofone an ihren Handys oder Tablets ausgeschaltet haben – damit nicht zu viel durcheinandergeredet wird. Die Präsentation in dem recht kleinen Raum mit Schreibtisch, Schrank und Gästebett sieht bei Lapenna ziemlich leichtfüßig aus. Doch das täuscht: Die Intervall-Übungen sind – in Intensität und Koordination – enorm anstrengend und anspruchsvoll. Hier mal 40 Sprünge davon, dann ein schneller Wechsel auf den Boden und weiter in der nächsten Pose. Da muss man aufpassen und schnell antizipieren. Wer das nicht kennt, wäre ganz sicher heillos überfordert. „Aber die Jungs haben das ja schon ein paar Mal gemacht“, meint der Coach lapidar. 

Die Spieler quälen sich in ihrem Wohnzimmer oder an der frischen Luft, einige haben sich ihrer Oberbekleidung entledigt. Kurz vor dem Ende des Power-Trainings kündigt Lapenna an: „Jetzt kommt sie wieder, eure neue beste Freundin Sally.“ Er meint die abschließende Liegestütz-Session, die noch mal richtig weh tut und allen die letzten Kräfte raubt. Nach 44 Minuten und 23 Minuten, das verrät seine Fitnessuhr, die er sich auch für alle Rehdener Spieler wünschen würde, ist das „HIT“ vorbei. Lapenna hat 451 Kalorien verbraucht und trotz des harten Programms keinen allzu hohen Puls. Seine einfache Erklärung: „Ich bin halt trainiert.“

Fast immer mit Strichmännchen 

Die Übungen, die Michele Lapenna ausführen lässt, tragen Namen wie Alligator Pushup oder Samstagabend-Disco-Move. Er hat sie sich auf Zettel geschrieben – und mit Strichmännchen illustriert. „Ich würde gerne besser zeichnen können, aber es muss auch so gehen“, sagt er und schmunzelt. mr

Zur Person

Trainer Maarten Schops lobt: „Ich bin froh, so einen Mann dabei zu haben“

Etwa anderthalb Stunden braucht Michele Lapenna von Bremen-Nord bis nach Rehden – wenn kein Stau ist. Normalerweise leitet der 47-Jährige beim Fußball-Regionalligisten immer montags die Athletik-Einheiten. Im Januar 2018 hat ihn der damalige Trainer Benedetto Muzzicato dorthin geholt. „Nito und ich haben uns durch Zufall mal auf einem Fußballplatz getroffen. Ich habe ihm erzählt, dass ich Athletiktrainer werden möchte – er hat einen gesucht“, erinnert sich Lapenna, der mit Muzzicato vor Rehden schon beim FC Oberneuland und dem TB Uphusen zusammenarbeitete. Er selbst war – wie sein Sohn Luca jetzt – Torwart (unter anderem in Blumenthal und Vegesack) und dann auch Cheftrainer (in der U 16 des Blumenthaler SV). Da habe er aber gemerkt, dass ihm der athletische Bereich im Fußball mehr liege als der technische oder taktische. Entsprechend gestaltete er seine weitere sportliche Karriere. 

Der Bremer, auch Fitnesscoach in einem Studio in Bremen-Nord, habe diverse Diplome und Scheine erworben. Unter anderem ist er, wie er aufzählt, ausgebildeter Fitness-, Personal-, Athletik- und Ernährungstrainer, war 15 Jahre lang für den Sportbereich in der Bremer Jacobs-University verantwortlich. In Rehden wertet der Espresso- und USA-Fan die Fitnessdaten der Spieler aus und übermittelt sie an Trainer Maarten Schops. Der Belgier ist hörbar zufrieden mit ihm: „In den Einheiten ist Feuer, er macht seine Sache sehr gut. Ich bin froh, so einen Mann dabei zu haben.“ Auch Muzzicato (jetzt Viktoria Berlin) schwärmt von der gemeinsamen Zeit: „Michele ist als Coach sehr akribisch, fast nervig. Er will immer das Maximum. Die Spieler werden einen Athletiktrainer respektieren, aber auch immer ein Stück weit hassen.“ „Wenn das so ist, habe ich vieles richtig gemacht“, meint Lapenna und grinst. Wie es nach der Saison für ihn in Rehden weitergeht, sei noch nicht detailliert besprochen worden. mr

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