„Alle Spieler haben dasselbe Motiv“

Interview: Rehdens Cheftrainer Backhaus über die erfolgreiche Hinrunde

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Klare Vorstellungen, klare Ansprachen: Mit Coach Heiner Backhaus beendete Rehden die Hinrunde als Fünfter. Nie war der Club zur Regionalliga-Halbzeit besser.

Rehden - Der BSV Rehden hat die Regionalliga-Hinrunde auf Platz fünf abgeschlossen. Nie stand der Club zur Saisonhalbzeit besser da. Vor dem Rückrundenauftakt bei Holstein Kiel II (Sonntag, 14.00 Uhr) spricht Fußball-Trainer Heiner Backhaus (37) unter anderem über das besondere Wir-Gefühl im Club und wie er möglichen Neuzugängen auf den Zahn fühlt.

Herr Backhaus, egal, mit welchem Spieler man spricht: Jeder betont den einzigartigen Teamgeist. Alle leben das Musketier-Motto: Einer für alle, alle für einen. Wie haben Sie das hinbekommen?

Der größte Faktor ist immer die Selektion am Anfang der Saison. Das Gute war in diesem Sommer, dass ich früh wusste, dass ich hier Trainer werde. So konnte ich selbst frühzeitig alle möglichen Neuzugänge begutachten. Rhami Ghandour, Kamer Krasniqi, Dino Bajric – nur um mal drei Neue zu nennen – habe ich vorher getroffen.

Worauf haben Sie in den Gesprächen geachtet?

Ich habe ihnen natürlich auf den Zahn gefühlt, habe alle gefragt: Was ist überhaupt deine Motivation, Fußball zu spielen? Warum spielst du eigentlich Fußball? Weil für mich als Trainer ist Fußball einfach alles. Fußball war immer mein Leben. Daher habe ich es natürlich einfacher mit Spielern, die auch so ticken.

Und dieses Gefühl hatten Sie bei den Neuzugängen direkt?

Ja, wenn wir zum Beispiel einen Kamer Krasniqi nehmen: Der kriegt ja Kulleraugen, wenn er über Fußball spricht! Genauso Rhami Ghandour oder Marco Kaffenberger. Das sind alles schon vorher hoch talentierte Jungs gewesen, die aber natürlich auch schon den einen oder anderen Rückschlag hatten, als ewige Talente galten. Und daher hatten alle so richtig Feuer, um diese vorherrschenden Meinungen zu revidieren. Wir haben also Spieler geholt, die alle ein und dasselbe Motiv haben.

Bringen die Spieler dadurch eine gewisse Eigenmotivation mit?

Wirklich alle Spieler, die wir haben, haben noch nie einen Schritt weniger im Training gemacht. Es sind Spieler, die immer mehr wollen. Und damit passen sie natürlich auch zum Trainerteam. Auch wir sind noch jung, auch wir wollen immer noch mehr erreichen. Das macht dann dieses Wir-Gefühl aus. Klar ist aber auch, dass sich nicht unbedingt alle noch in zehn Jahren beim BSV Rehden sehen. Individuelle Ziele sind absolut legitim, aber diese erreicht man nur zusammen.

Auffällig ist auch, dass Spieler wie Tobias Esche oder Jakob Lewald in ihrem zweiten Rehden-Jahr noch mal einen Entwicklungssprung gemacht haben.

Wir haben vor der Saison natürlich mit jedem Spieler gesprochen, nicht nur mit den Neuen. Jeder Spieler, der vielleicht noch in der Entscheidungsphase war, ob er hier bleiben möchte, wusste, dass wir Mehraufwand betreiben wollen. Das haben wir in Einzelgesprächen klipp und klar gesagt. Und sie haben es alle beherzigt.

Zur Gemeinschaft im Club zählt auch die Führungsetage.

Hier muss ich Michael Weinberg ein großes Lob aussprechen. Er hat ein sehr großes Netzwerk, hat alle neuen Spieler – bis auf Bocar Djumo und Dino Bajric, die ich direkt auf dem Zettel hatte – vorgeschlagen. Da merkt man, dass Michael Weinberg direkt gewusst und verstanden hatte, wie wir spielen wollen. Junge, schnelle, hungrige Spieler waren wichtig für uns. Der Plan, wie wir Fußball spielen wollen, stand von Anfang an über der ganzen Transferperiode.

Neben den jungen Wilden überzeugen auch die Routiniers. Addy-Waku Menga hat die meisten Tore erzielt. Dabei spielte er anfangs kaum von Beginn an. Wie ging er damit um?

Er hat sich immer super professionell verhalten, hat sich nie hängen lassen. Wir hatten aber auch von Beginn an eine klare Absprache: Ich habe ihm gesagt: ,Addy, sobald du in einem Spiel Strafraumbezug hast, bist du Gold wert.‘ Aber das ist eben auch nicht in jedem Spiel direkt der Fall. In bestimmten Partien – gerade gegen pressing-resistente Teams – mussten und müssen wir erst mal auf schnelle Umschaltspieler setzen. Es geht immer darum, die passenden Spieler für den jeweiligen Matchplan aufzustellen.

Kollektivismus schlägt Individualismus?

Es kommt nie auf einzelne Personen an. Ich hasse Personenkult. Das Wir muss über allem stehen.

Gerade im Spiel gegen den Ball funktionierte die Gemeinschaftsarbeit schnell, die Defensive steht seit dem ersten Spieltag.

Die steht eigentlich nie (lacht). Eine Defensive, die steht, ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen aktiv nach vorne verteidigen. Die Defensive, aber auch die Offensive betrifft immer alle Spieler. Ein Leitspruch von mir ist: Wer gut verteidigt, greift auch gut an. Das trifft einfach zu. Denn alles hat miteinander zu tun.

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