96-Keeper Radlinger verhindert gegen Kargbo den Ausgleich – im Gegenzug kassiert Rehden das entscheidende 0:2

Das rechte Knie des Teufelskerls

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Die entscheidende Szene aus Rehdener Sicht: Abu Bakarr Kargbo scheiterte mit einem Drehschuss an Hannovers Keeper Samuel Radlinger.

Aus Hannover Berichtet - Arne FlüggeAbu Bakarr Kargbo hatte nicht viel Zeit zum Überlegen. Am Fünfmeterraum nahm Rehdens Stürmer in der 51. Minute bedrängt einen Pass von Wal Fall mit dem Rücken zum Tor an. Eine kurze Drehung – Rechtsschuss. Ausgleich, Erlösung, Jubel? Nein! Samuel Radlinger, der Teufelskerl im Tor von Hannover 96 II, hatte am Sonnabend irgendwie noch sein rechtes Knie zum Ball gedreht und damit den Einschlag verhindert. Es wäre das 1:1 gewesen. So aber kassierte der BSV Rehden fast im Gegenzug das 0:2 – und damit die nächste Niederlage in der Fußball-Regionalliga.

Wieder einmal haben ein paar Millimeter gefehlt, zwei oder drei Szenen in der gesamten Partie ein Spiel entschieden, das der BSV Rehden nicht hätte verlieren müssen oder dürfen. Doch wenn ein Team in der sportlichen Ergebniskrise steckt, „dann passieren Dinge, die dir vorher nicht passiert sind“, klagte Rehdens Trainer Franz Gerber. Aber gerade diese Nuancen entscheiden nach 90 Minuten schlussendlich über Sieg und Niederlage, volle oder leere Hände.

„Wir haben zurzeit einfach nicht das nötige Glück“, seufzte auch Rehdens Vizekapitän Viktor Pekrul, „und wir treffen das Tor nicht.“ Gerber räumte zwar ein, dass Kargbo „den machen muss“, nahm seinen Spieler aber gleichzeitig in Schutz: „Abu ist derzeit der Einzige, von dem Gefahr ausgeht. Wir haben sonst einfach keine torgefährlichen Spieler. Und wer, bitteschön, soll dann die Tore schießen und die klaren Pässe spielen? Ein Kevin Artmann fehlt uns an allen Ecken und Enden.“ Doch bis der Kapitän, der seit Wochen an Leistenproblemen leidet, zurück ist, wird es noch lange dauern.

Was den Rehdenern aber zudem fehlt, ist die richtige Konsequenz in Offensive und Defensive. Einsatz, Wille und Moral stimmen, keine Frage. Doch vorn gelingt der Abschluss nicht, hinten kassiert die Mannschaft ständig unnötige Gegentore – nach individuellen oder auch kollektiven Fehlern.

So auch in Hannover. Beim 1:0 der Gastgeber vor rund 300 Zuschauern im Ricklinger Beekestadion durch Noah-Joel Sarenren-Bazee (38.) durfte Passgeber Sebastian Ernst 30 Meter durchs Mittelfeld marschieren, ohne angegriffen zu werden. „Wir hatten Zeit genug, den einen zu stören und den anderen am Torschuss zu hindern“, ärgerte sich Gerber. Und Pekrul fügte hinzu: „Da hatten wir überhaupt keinen Zugriff.“

Wie auch kurz nach Kargbos vergebener Großchance. Die Rehdener verloren den Ball im Spielaufbau, und 96-Kapitän Roman Prokoph bedankte sich mit dem Tor zum 2:0 (52.) – die Vorentscheidung?

Am Freitag motiviert

nach Havelse

Mehr noch! Für Rehdens Coach Gerber war es „der Genickbruch. So etwas darf einfach nicht passieren!“ Denn beim Stande von 1:0 hätte man noch weiter „Zeit und Hoffnung haben können – so aber nicht mehr“.

Dass diese Fehler immer wieder passieren, ist den großen Selbstzweifeln geschuldet, von denen die Mannschaft mittlerweile wie von einer dicken Eisdecke erdrückt wird. „Die Verunsicherung hat man deutlich gespürt“, räumte Gerber ein. So war über weite Strecken auch kein Spiel ohne Ball erkennbar. „Keiner wollte ihn haben, um bloß keine Fehler zu machen“, bestätigte der 61-Jährige – und bezog sich dabei vor allem auf die erste Halbzeit: „Fußball ist manchmal so einfach und doch so kompliziert…“

Immerhin haben sich die Rehdener trotz der Krise noch längst nicht aufgegeben. Vor Wochen noch in einem fast schon erbärmlichen Fitnesszustand, „haben wir gezeigt, dass wir jetzt wieder körperlich mithalten können“, meinte Gerber. Und ergänzte: „Ich kann der Mannschaft nicht den Vorwurf machen, dass sie hier nicht gewollt hat.“ Tatsächlich rackerte und ackerte der BSV Rehden trotz des 0:2-Rückstandes, schmiss bis zum Abpfiff alles nach vorn, war nach dem Wechsel dominierend. Doch das allein reicht eben nicht, solange Defensive und Offensive weiter tief im Keller der Effizienz „Mensch, ärgere Dich nicht“ spielen ­- sprich, sich regelmäßig aus der Partie kegeln lassen. „Wir müssen einfach noch viel intensiver in die Zweikämpfe gehen“, forderte Pekrul, „damit wir dann unser Tor mit aller Macht verteidigen und selbst Tore erzwingen können.“ Ein paar Sechsen würfeln eben.

Bereits am Freitag haben die Rehdener Gelegenheit, es besser zu machen. Dann geht’s zum TSV Havelse. Havelse? Da war doch was? Richtig! Das Team wird jetzt von Alexander Kiene trainiert, der die Rehden vor einigen Wochen als Trainer Hals über Kopf verlassen hatte. Und BSV-Rechtsverteidiger Pekrul, der Kienes Kündigung über Nacht schon damals scharf kritisiert hatte („Er hat uns im Stich gelassen!“), kündigte einen heißen Kampf an: „Jeder von uns Spielern weiß, was am Freitag Sache ist.“

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