Madrid

UN-Klimagipfel: EU-Staaten einigen sich auf Klimaziel für 2050

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Es ist Zeit zu handeln.

Europa will im Kampf gegen die Erderwärmung voranschreiten und sich Klimaneutralität bis 2050 auf die Fahnen schreiben. Doch am Ende machen eben doch noch nicht alle mit.

  • UN-Klimakonferenz in Madrid dauert bis 13. Dezember.
  • Rund 29.000 Teilnehmer sind bei der UN-Klimakonferenz dabei.
  • Riesen-Rummel um Greta Thunberg in Madrid
  • Erderwärmung: UNO rechnet mit dem heißesten Jahrzehnt der Geschichte.
  • Deutschland zählte 2018 zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten.
  • Greta Thunberg ruft zu mehr Tempo auf
  • Tausende demonstrieren in Madrid für mehr Klimaschutz


Update vom Freitag, 13.12.2019, 06.30 Uhr: Im Kampf gegen die Erderwärmung haben sich die EU-Staaten grundsätzlich auf das Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050 geeinigt - allerdings mit einer Ausnahme für Polen. Den komplizierten Formelkompromiss fanden die Staats- und Regierungschefs in der Nacht zum Freitag nach stundenlangem Streit.

EU-Ratspräsident Charles Michel zeigte sich erleichtert über die Einigung und betonte das gemeinsame Ziel: „Wir wollen Europa als ersten klimaneutralen Kontinent.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte jedoch ein, dass Polen sich auf die Umsetzung noch nicht verpflichten wollte. Darüber wolle man im Juni erneut sprechen. Unter den gegebenen Umständen sei sie dennoch zufrieden, sagte Merkel. „Es gibt keine Spaltung Europas in verschiedene Teile, sondern es gibt einen Mitgliedstaat, der noch etwas Zeit braucht.“ 

Klimaneutralität 2050 bedeutet, dass dann alle Treibhausgase vermieden oder gespeichert werden müssen. Erforderlich ist dafür ein kompletter Umbau von Energieversorgung, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft und die Abkehr von Kohle, Öl und Gase. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch in ihrem „Green Deal“ einen Fahrplan vorgestellt, wie dies binnen 30 Jahren möglich sein soll. Ratspräsident Michel wollte nun unbedingt, dass sich die EU-Staaten hinter das Ziel stellen.

Polen holte jedoch für sich eine Sonderregel bei der Klimaneutralität heraus. Das Land bezieht 77 Prozent seines Stroms aus Kohle. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte schon bei seiner Ankunft, beim Erreichen des Ziels sollte ein unterschiedliches Tempo gewährt werden. Im Gipfelbeschluss heißt es nun, ein Land könne sich noch nicht darauf verpflichten, das Ziel umzusetzen.

UN-Klimagipfel in Madrid: Sicherheitskräfte lösen Protest-Kundgebung auf

Update vom Donnerstag, 12.12.2019, 7:30 Uhr: Sicherheitskräfte haben am Mittwoch eine Protestkundgebung direkt vor dem Plenarsaal des UN-Klimagipfels in Madrid aufgelöst und Demonstranten vom Gelände gebracht. An der nicht angemeldeten Demo hatten unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Friends of the Earth teilgenommen. In einer Mitteilung war von einem „unglücklichen sicherheitsrelevanten Zwischenfall“ die Rede.

Ein Sicherheitsbeamter versucht, einen Protest bei der UN-Klimakonferenz aufzulösen.

Am frühen Donnerstagmorgen pochten die Vereinten Nationen als Veranstalter des Klimagipfels auf die Verhaltensregeln. Die Teilnehmer der Demonstration dürften aber wieder auf das Gelände. Beide Seiten hätten sich nach dem Vorfall wieder zusammengesetzt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Update vom Mittwoch, 11.12.2019, 18.44 Uhr: Im Kampf gegen die Klimakrise steht die Weltgemeinschaft nach den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres vor einem entscheidenden Jahr. "2020 müssen wir liefern, was die Wissenschaft als Muss festgeschrieben hat, oder wir und alle folgenden Generationen werden einen unerträglichen Preis zahlen", sagte Guterres am Mittwoch beim UN-Klimagipfel in Madrid

Die Welt werde so schnell heißer und gefährlicher, als es je für möglich gehalten wurde. Die Verschmutzung mit Kohlendioxid müsse von 2020 an abnehmen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens in Reichweite zu behalten. "Wir brauchen mehr Ehrgeiz, mehr Solidarität und mehr Dringlichkeit", forderte der Portugiese. Staaten müssten - um ihre Zusagen im Pariser Klimaabkommen einzuhalten - ihre nationalen Klimaschutzpläne alle fünf Jahre nachschärfen, und das beginne 2020, sagte Guterres. 

UN-Klimagipfel: Greta Thunberg und Luisa Neubauer geben Aktivisten eine Plattform

"Die nächsten zwölf Monate sind entscheidend." Ziel müsse dabei sein, bis 2030 den Treibhausgas-Ausstoß um 45 Prozent gegenüber 2010 zu senken und 2050 unterm Strich klimaneutral zu werden, also keine zusätzlichen Treibhausgase mehr auszustoßen. Rest-Emissionen müssten dann ausgeglichen werden. Guterres mahnte eindringlich, es handele sich "um einen Kampf um unser Leben". Guterres hatte im September bereits Staats- und Regierungschefs nach New York geladen mit dem Ziel, Zusagen für höhere Klimaziele von ihnen zu bekommen. Damals hatte sich unter Führung Chiles die "Climate Ambition Alliance" (Allianz für Klima-Ehrgeiz) gegründet. 

Am Mittwoch teilte die chilenische Regierung mit, dass inzwischen 73 Staaten zugesagt haben, im kommenden Jahr ehrgeizigere Pläne bis 2030 vorzulegen. Deutschland und zehn weitere Staaten - fast alle EU-Länder - haben offiziell angegeben, daran zu arbeiten.

UN-Klimagipfel: Greta Thunberg wird zur „Person des Jahres“

Update, 11.12.2019, 14.45 Uhr: Hohe Ehren für Greta Thunberg: Die schwedische Klimaaktivistin wurde vom US-Magazin „Time“ zur Person des Jahres ernannt. Das Time-Magazin widmet Thunberg deshalb eine Titelgeschichte.

Greta Thunberg vom "Time Magazine" zur Person des Jahres gekürt

Update, 9.12.2019, 11.50 Uhr: Greta Thunberg lässt nicht locker. Gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer und weiteren jungen Umweltaktivisten aus aller Welt hat die 16-Jährige beim UN-Klimagipfel in Madrid zu dringendem Handeln aufgerufen. „Die Klimakrise wird uns nicht nur in der Zukunft treffen, sie betrifft schon heute unzählige Menschen, die schon jetzt leiden und sterben.“ 

„Wir haben bemerkt, dass wir einige Medienaufmerksamkeit bekommen, deshalb ist es unsere moralische Pflicht, unsere Stimmen denen zu leihen, die ihre Geschichte erzählen müssen“, erklärte Thunberg vor Hunderten Journalisten aus aller Welt. Junge Aktivisten, unter anderem von den Marshallinseln, den Filippinen, aus Russland und Chile berichteten eindringlich von dramatischen Überschwemmungen, Dürren, Überfischung und Krankheiten in ihrer Heimat. 

„Wir bezahlen für etwas, das wir nicht verursacht haben. Wir tragen so gut wie nichts zu den CO2-Emissioen bei", betonte ein Umweltschützer von den Marshallinseln, einem der kleinsten Staaten der Erde. "Unsere Leben sind nicht verhandelbar!“, sagte eine Aktivistin aus Chile.

Carola Rackete beim People’s Summit in Chile

Update, 9.12.2019, 09.55 Uhr: Während des Klimagipfels in Madrid wird in Chile, dem ursprünglich vorgesehenen Veranstaltungsland, der „People’s Summit“ ausgerichtet. Flüchtlingshelferin und Umweltaktivistin Carola Rackete weist auf fr.de* darauf hin, dass die Stimmen des Südens in Madrid ungehört bleiben. darüber hinaus spricht sie mit Eduardo Giesen, dem Organisator des „People’s Summit“ in Chile.

Update, 9.12.2019, 7.00 Uhr: Es wird ernst beim UN-Klimagipfel: Für die zweite Verhandlungswoche reisen die Regierungsvertreter an. Auch Greta Thunberg hat sich gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer auf dem Messegelände angekündigt.

Darüber hinaus will sie nach dpa-Informationen voraussichtlich am Mittwoch eine Ansprache auf der Konferenz halten. Anders als bei den Vereinten Nationen im September werde es keine emotionale Rede, sondern eine, die sich vor allem auf Fakten zur Klimakrise stützen werde, kündigte die 16-Jährige in einem am Sonntagabend veröffentlichten Interview der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ an. „Ich denke, ich werde nicht mit emotionalen Sachen kommen. Diesmal werden sie stattdessen etwas bekommen, das wirklich Inhalt hat“, sagte Thunberg demnach. „Mein langfristiges Ziel ist, dass die Lücke zwischen dem, was die Forschung sagt, und dem, was tatsächlich getan wird, so deutlich wird, dass sie nicht länger ignoriert werden kann.“ Ihre Hoffnungen für die Konferenz seien nicht allzu groß. „Die Politiker werden vermutlich sehr stolz sein, wenn es vorbei ist, sie werden sagen, dass sie Meisterwerke verbracht hätten. Dann wird das zu nichts führen.“

UN-Klimagipfel: Zehntausende demonstrieren in Madrid für mehr Klimaschutz

Update, 7.12.2019, 14:35 Uhr: Am Freitagabend haben zehntausende Menschen in Madrid für mehr Klimaschutz demonstriert. Zu der Demonstration in der Madrider Stadtmitte hatten mehr als 850 Organisationen aufgerufen, darunter die weltweite Initiative "Fridays for Future". Die Organisatoren gaben die Zahl der Teilnehmer mit 500.000 an, die Sicherheitsbehörden hingegen mit 15.000. 

Greta Thunberg musste ihre Teilnahme an der Kundgebung in Madrid abbrechen, da die Aufmerksamkeit von Journalisten und Schaulustigen so groß war, dass die Demonstration nicht in Gang kam. Auf Anraten der Polizei zog sie sich zurück und erschien erst wieder zum Abschluss auf der Bühne. Sie warf den Regierungen vor: „Sie verraten uns“.

Der 25. Klimagipfel der Vereinten Nationen hatte am vergangenen Montag begonnen. Vertreter von mehr als 190 Staaten beraten in Madrid über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die Vereinbarung setzt das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad und wenn möglich sogar auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Update, 6.12.2019, 20:15 Uhr: In Madrid sind tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. 

Der Demonstrationszug setzte sich am Madrider Bahnhof Atocha in Bewegung, von wo aus er fünf Kilometer durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt führen soll. Aktivisten hielten Plakate mit Aufschriften wie „Ohne einen Planeten gibt es keine Zukunft“ und „Politiker, die Erde stirbt“ in die Höhe. 

Kurz vor Beginn des Protests hatte die schwedische Aktivistin Thunberg die Regierungen weltweit zu mehr Tempo beim Klimaschutz aufgerufen. „Wir können es uns nicht leisten, länger zu warten“, sagte die 16-Jährige bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit anderen jungen Klimaschutz-Aktivisten. „Menschen leiden oder sterben wegen der Klima-Krise“, fügte Thunberg hinzu.

Update, 6.12.2019, 15:50 Uhr: Mit jungen Aktivisten nahm Greta Thunberg an einem Sit-in teil. Die Teilnehmer verharrten dabei in schweigen. 

Am Abend werden Hunderttausende Demonstranten zu einer Großkundgebung im Zentrum Madrids für mehr Klimaschutz erwartet. Von einer Bühne aus sollen am Ende neben Thunberg auch der spanische Schauspieler Javier Bardem („Eat Pray Love“) und die brasilianische Umweltaktivistin Sônia Guajajara sprechen. Mit Brasiliens Staatspräsident hat die Klimaaktivistin unterdessen eine Fehde laufen.

Update, 6.12.2019, 10:05 Uhr: Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg ist vor einem großen Klimaprotest anlässlich der Weltklimakonferenz in Madrid eingetroffen. Dutzende Medienvertreter empfingen die 16-Jährige am Freitagmorgen an Gleis 15 des Bahnhofs Chamartín im Norden der spanischen Hauptstadt. 

Wegen des hohen Andrangs musste Thunberg eine knappe Viertelstunde in dem Zug ausharren, ehe sie begleitet von spanischen Sicherheitskräften aussteigen konnte. Unter einer schwarzen Jacke trug sie einen rosafarbenen Pulli, dessen Kapuze sie weit über den Kopf gezogen hatte. Unter dem Arm hatte die junge Schwedin wie immer ihr Protestschild mit der schwedischen Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik fürs Klima). 

Sie sagte beim Ausstieg nichts. Thunberg war am Vorabend in Lissabon in den Nachtzug gestiegen. Dort war sie am Dienstag nach einer dreiwöchigen Segelreise über den Atlantik angekommen. Die Klimaaktivistin verzichtet wegen der hohen CO2-Emissionen von Flugzeugen aufs Fliegen. 

Update, 6.12.2019, 7:15 Uhr: Der spanische Fußball-Rekordmeister Real Madrid wird beim Heimspiel am Samstag gegen Espanyol Barcelona (13.00 Uhr/DAZN) ein Zeichen gegen den Klimawandel setzten. Aufgrund des Klimagipfels, der zurzeit in der spanischen Haupstadt stattfindet, werden die „Königlichen“ in ihren grünen Ausweichtrikots auflaufen. Das teilte der Verein am Donnerstag mit. Im heimischen Santiago Bernabeu spielt die Mannschaft Reals in der Regel in ihren traditionell gehaltenen weißen Trikots.

Die „Königlichen“ ganz in grün: Um auf die Weltklimakonferenz aufmerksam zu machen, wird Real Madrid am Wochenende in den Ausweichtrikots spielen.

Zusätzlich wurde ein riesiges Öko-Banner, das 35,77 Meter breit und 19,60 Meter hoch ist, an der Außenfassade des Stadions angebracht. Dieses soll bis zum Ende der Weltklimakonferenz hängen bleiben.

Klimagipfel in Madrid: Verein bietet Greta Thunberg einen Esel an

Update vom Donnerstag, 05.12.2019, 11.20 Uhr: Ein spanischer Verein hat der Klimaaktivistin Greta Thunberg einen Esel zur Weiterreise von Lissabon nach Madrid angeboten. Dort will Thunberg am UN-Klimagipfel teilnehmen.

„Dieser Nachbarschaftsverein schließt sich deinem Kampf an und wird dich unterstützen“, schreibt die Vereinigung „Asociación Fray Hernando de Talavera“ auf ihrer Facebook-Seite. Der religiöse Nachbarschaftsverein hat seinen Sitz in der spanischen Gemeinde Talavera de la Reina, etwa 130 Kilometer von Madrid entfernt.

Klimagipfel: Kommt Greta Thunberg auf einem Esel?

Der Vorstand will Greta Thunberg einen Esel zur Verfügung stellen, der in der Gegend um Talavera de la Reina gezüchtet wurde. „Das ist das Transportmittel, das unsere Vorfahren genutzt haben. Es war das Fortbewegungsmittel für Menschen, das am respektvollsten mit der Umwelt umgegangen ist.“

UN-Klimagipfel: Ein spanischer Verein bietet Greta Thunberg einen Esel zur Reise nach Madrid an.

Die 16 Jahre alte Greta Thunberg war am Dienstag nach ihrer dreiwöchigen Segelreise über den Atlantik in Lissabon eingetroffen. Sie will von dort mit dem Zug nach Madrid weiterreisen. Am Freitag (06.12.2019) findet dort ein Klimamarsch statt, zu dem hunderttausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden.

Klimagipfel der UN: Deutschland mit am stärksten von Klimawandel betroffen

Update vom Mittwoch, 04.12.2019, 10.45 Uhr: Deutschland hat Germanwatch zufolge im vergangenen Jahr erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten gezählt. Wegen der Hitzewellen, Stürme und Dürren des Jahres 2018 landete Deutschland hinter Japan und den Philippinen auf Platz drei im neuen Klima-Risiko-Index, den die Entwicklungsorganisation auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorstellte. Das gab es in der 14-jährigen Geschichte des Ländervergleichs noch nie. Im Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 auswertet, sind Puerto Rico, Myanmar und Haiti die Länder, die am stärksten von Stürmen, Überflutungen und Dürren betroffen waren.

Der jährlich veröffentlichte Klima-Risiko-Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden nach Kaufkraftparitäten, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

In den vergangenen 20 Jahren hätten insgesamt mehr als 12 000 extreme Wetterereignisse knapp eine halbe Million Menschen das Leben gekostet und kaufkraftbereinigt rund 3,5 Billionen US-Dollar Schäden verursacht, teilte Germanwatch mit. Im Langfrist-Index sind sieben der zehn am stärksten betroffenen Staaten ärmere Länder. Wie die teils verheerenden Schäden in diesen Ländern finanziell bewältigt werden können, ist eines der Themen auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Madrid.

UNO: 168 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe wegen Kriegen und Klimawandel

Update vom Mittwoch, 04.12.2019, 10.00 Uhr: Aufgrund von Kriegen und wegen des Klimawandels wird nach Einschätzung der UNO im nächsten Jahr eine Rekordzahl an Menschen weltweit humanitäre Hilfe benötigen. Rund 168 Millionen Menschen bräuchten 2020 dringend Nothilfe, erwartete die UNO in ihrem am Mittwoch vorgelegten Bericht "Weltweiter Humanitärer Überblick". Das sei die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärte der Vize-Generaldirektor für humanitäre Fragen, Mark Lowcock.

Die UNO forderte aufgrund der dramatischen Lage fast 26 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe weltweit, darunter für Lebensmittel, Medikamente oder Unterkünfte. Lowcock führte die hohe Zahl an Hilfsbedürftigen einerseits darauf zurück, dass "die Konflikte länger und intensiver werden". Andererseits wirke sich auch der Klimawandel mit seinen Überschwemmungen und Dürren aus. "Die brutale Wahrheit ist, dass 2020 für Millionen Menschen schwierig sein wird."

Greta Thunberg wird in Lissabon empfangen

Update vom Dienstag, 03.12.2019, 17.05 Uhr: Nach ihrer Ankunft in Lissabon hat Bürgermeister Fernando Medina die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunbger mit überschwänglichen Worten empfangen. „Es ist für die ganze Stadt ein Privileg, dass du hier bist. Du bist eine der bemerkenswertesten Stimmen zum Klimawandel in dieser Zeit“, sagte Medina.

Thunberg selbst bedankte sich für den warmen Empfang, den ihr die Leute in der portugisieschen Hafenstadt bereitet hatten: „Ich schulde euch so viel.“

Das nicht alle so begeistert vom Engagement des schwedischen Teenagers sind, beweist die viele Kritik an Greta Thunberg*.

Update vom Dienstag, 03.12.2019, 15.05 Uhr: Greta Thunberg hat wieder das europäische Festland erreicht. Der Katamaran „La Vagabonde“, mit dem die 16-Jährige den Atlantik überquerte, lief bei strahlendem Sonnenschein in einem Hafen in Lissabon ein, ehe Thunberg nach knapp drei Wochen auf See mit ihrem Protestschild mit der Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ unter dem Arm an Land ging. Empfangen wurde sie im Hafen von Dutzenden jubelnden Anhängern, einigen Trommlern sowie dem Lissaboner Bürgermeister Fernando Medina. Ihre Ankunft hatte sich wegen lauer Winde vor Ort um mehrere Stunden verzögert.

Greta Thunberg: „Wir werden den Kampf fortsetzen“

In Europa will Greta Thunberg weiter unbeirrt und mit neuer Kraft gegen die Klimakrise kämpfen. „Auf der COP25 werden wir den Kampf fortsetzen“, sagte die schwedische Klimaaktivistin nach ihrer Ankunft. „Ich fühle mich gut. Ich möchte jetzt weitermachen, ich fühle mich voller Energie.“ Sie sei sehr dankbar für die Möglichkeit der erneuten Reise über die Atlantik sowie die damit verbundenen Erfahrungen. Nach drei Wochen auf See sei es aber auch ein überwältigendes Gefühl, wieder Land zu sehen. „Es fühlt sich großartig an, zurück in Europa zu sein.“

Nun geht es für die Schwedin weiter zum Klima-Gipfel in Madrid. Doch anders als zunächst geplant, lässt sie sich für die Weiterfahrt noch ein wenig Zeit. „Ich werde jetzt für ein paar Tage in Lissabon bleiben, um alles zu regeln“, sagte sie. Wenn sie sich bereit fühle, werde sie zum großen Klimaprotest am Freitag in Madrid weiterreisen. Einen konkreten Plan für die Klimakonferenz habe sie bislang noch nicht - ganz anders dagegen für die Zeit danach: „Nach Madrid werde ich für Weihnachten nach Hause fahren“, sagte die 16-Jährige.

Zweiter Transatlantik-Törn von Greta Thunberg

Vor ihrer Ankunft sagte Thunberg am Morgen der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“, es fühle sich sehr unwirklich an, bald wieder an Land zu sein. „Das ist ein ziemlich spezielles Gefühl, Land und Menschen zu sehen. Es ist eine große Erleichterung, aber auch ein bisschen traurig. Es ist schwer zu erklären.“ Am frühen Morgen hatte sie in den sozialen Netzwerken ein Foto der noch in Dunkelheit getauchten portugiesischen Küste gepostet. „Land ahoi! Lissabon voraus“, schrieb sie dazu auf Facebook.

Viele hatten stundenlang in der Sonne von Lissabon ausgeharrt, da sich die Ankunft wegen lauer Winde vor Ort um mehrere Stunden verzögert hatte. Für Thunberg war es bereits der zweite Transatlantik-Törn innerhalb von vier Monaten. Die junge Schwedin war im August unter anderem für die in Chile geplante Weltklimakonferenz nach Amerika gesegelt, die dann wegen der dortigen Unruhen aber nach Madrid verlegt wurde. Die junge Schwedin verzichtet wegen der hohen CO2-Emissionen* von Flugreisen aufs Fliegen.

UNO: 2010 bis 2019 das wohl heißeste Jahrzehnt der Geschichte

Update vom Dienstag, 03.12.2019, 13.35 Uhr: Hitzewellen, Dürreperioden, Waldbrände: Die Jahre 2010 bis 2019 gehen wohl als das heißeste Jahrzehnt in die Geschichte ein. Dies teilte die Uno bei der Weltklimakonferenz in Madrid mit. Das zurückliegende Jahrzehnt sei von „außerordentlicher Hitze, Gletscherschmelze und einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels“ geprägt gewesen, erklärte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Grund dafür seien die durch menschliches Handeln verursachten, klimaschädlichen Treibhausgase. 

Allein im Jahr 2019 habe die Temperatur nach Auswertung der bisher vorliegenden Daten um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen, erklärte die WMO. Die Organisation verwies auf zahlreiche Waldbrände, Hitzeperioden und Wirbelstürme. Nach dem Pariser Klimaabkommen soll die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. 

2019 ist damit wohl das zweit- oder drittheißeste Jahr überhaupt. 2016 bleibt laut WMO in jedem Fall das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, unter anderem wegen des damals besonders starken Klimaphänomens El Niño.

Die UN-Organisation stützt sich bei ihrer vorläufigen Einschätzung für 2019 auf Daten zu den Temperaturen zwischen Januar und Oktober. Im März 2020 ist die Auswertung des Gesamtjahres abgeschlossen.

Klima-Gipfel in Madrid: Eine Hälfte der Welt bleibt außen vor

Update vom Dienstag, 03.12.2019, 10.30 Uhr: Der Klima-Gipfel ist zweimal umgezogen, erst von Brasilien nach Chile, dann nach Spanien. Es sei sehr gut, dass die COP 25 überhaupt stattfinden könne, sagt Sabine Minninger von Brot für die Welt*, „aber der Umzug von Santiago de Chile nach Madrid ist leider auch mit hohen Umzugskosten verbunden“. Gerade kleine Organisationen aus dem globalen Süden schafften es kaum, die Mehrkosten zu bewältigen. Eine äußerst unglückliche, da es diesmal in der Tagesordnung explizit um Schäden und Verluste geht - was gerade für die Südhalbkugel wichtig ist.

Letztlich geht es darum, wie die Welt damit umgeht, dass durch die Klimakrise Existenzen, Lebensräume, Naturschätze und Kulturgüter vernichtet werden – und zwar vor allem im Süden. „Dort fehlt es an Geld für einen Wiederaufbau, wenn zum Beispiel ein Sturm ganze Landstriche verwüstet hat – dabei haben die am stärksten betroffenen Länder am wenigsten zum Problem beigetragen“, erläutert Minninger. „Es wäre nur fair, wenn Geld aus dem Norden in den Süden fließt, und zwar spezifisch für diese Fälle, nicht nur im Rahmen sonstiger Zahlungen oder Spenden.“

Klima-Gipfel in Madrid: Auftakt mit drastischen Worten

Update vom Montag, 2.12, 19.41 Uhr: Mit eindringlichen Rufen nach mehr Klimaschutz hat die 25. UN-Klimakonferenz in Madrid begonnen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, sprach am Montag in Madrid von einem „Krieg gegen die Natur“, der beendet werden müsse. „Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich.“ 196 Staaten und die EU verhandeln in den kommenden zwei Wochen darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erderhitzung eingedämmt werden kann.

Die Aktivisten von Fridays for Future und anderen Klimaschutzbewegungen dürften ihnen genau auf die Finger schauen. Die Schwedin Greta Thunberg, das Gesicht der weltweiten Jugend-Proteste, dürfte nach ihrer Atlantik-Überquerung diese Woche in Portugal ankommen, am Freitag will sie in Madrid mit Schülern demonstrieren. Die Bundesregierung war am Montag noch nicht in Madrid vertreten, Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist erst in der zweiten Verhandlungswoche dabei.

Klima-Gipfel in Madrid: Ursula von der Leyen mit klarer Ansage

„Die Welt nimmt Anlauf für mehr Klimaschutz“, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. „Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird es.“ Europa solle vorangehen*. Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versicherte in Madrid: „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“ Von der Leyen will die Ziele der EU zum Einsparen von Treibhausgasen für 2030 verschärfen - 2050 soll die europäische Wirtschaft unterm Strich sogar klimaneutral sein. Bis 2020 sollen alle Staaten ehrgeizigere Pläne zur Reduzierung ihres Treibhausgas-Ausstoßes vorlegen, dafür sollen in Madrid die notwendige Unterstützung und auch Druck aufgebaut werden.

Zudem geht es um Regeln, nach denen Staaten und Unternehmen Klimaschutz in anderen Ländern finanzieren können - dabei kommt es aus Sicht der Bundesregierung darauf an, dass nichts doppelt angerechnet wird. Ein weiteres Thema soll die Finanzierung von Schäden durch Extremwetter in ärmeren Ländern sein, die mit dem Klimawandel zunehmen. Zurzeit zerstöre die Menschheit wissentlich die Ökosysteme, die sie am Leben erhalten, beklagte Guterres. Vor allem die Länder mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß müssten mehr tun.

Update vom 02.12.2019, 13:40 Uhr: Auch die EU will gegen die Erderwärmung vorgehen. Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz kündigte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen an, Europa werde seine Anstrengungen verstärken.

Die EU hat sich selbst das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Wenn das erreicht werden wolle, müsse jetzt gehandelt werden, sagte von der Leyen in einer Gesprächsrunde mit mehreren Staats- und Regierungschefs.

Klimakonferenz: Ursula von der Leyen kündigt „Green Deal“ für Europa an

Außerdem kündigte von der Leyen einen „Green Deal“ für Europa an. Der Plan soll in zehn Tagen vorgestellt werden. Ziel sei es, Emissionen zu senken, Jobs zu schaffen und die Lebensqualität zu erhöhen.

Erstmeldung

Madrid - Unter den kritischen Blicken der „Fridays for Future“-Bewegung startet am heutigen Montag (2.12.) die 25. UN-Klimakonferenz in Madrid. Zum Auftakt wählte UN-Generalsekretär Antonio Guterres drastische Worte, um das Ausmaß der Klimakrise deutlich zu machen und ein rasches Umsteuern einzufordern. Die Menschheit müsse wählen zwischen dem Weg der Hoffnung und dem der Kapitulation beim Klimaschutz. „Wollen wir wirklich als die Generation in Erinnerung bleiben, die den Kopf in den Sand steckte, die herumbummelte, während die Erde in Flammen stand?“, fragte er.

Vor Beginn der Klimakonferenz hatten bereits eine Reihe von Hilfsorganisationen erneut Alarm geschlagen und unter anderem vor Millionen Flüchtlingen durch klimabedingte Katastrophen gewarnt. außerdem haben sich in den USA zahlreiche Politiker, Prominente und Militärs in einem Bündnis gegen den Klimawandel zusammengeschlossen*. Die Erderwärmung sei eine „Frage der internationalen Sicherheit“, begründete Initiator John Kerry den Namen der Initiative „World War Zero“. Nach Angaben des ehemaligen US-Außenministers hoffen die Gründungsmitglieder, die US-Bürger „wie im Krieg“ für den Kampf gegen die Treibhausgase zu mobilisieren.

Greta Thunberg will beim großen Klima-Marsch am Freitag teilnehmen

Bei der 25. Weltklimakonferenz in Madrid werden rund 29.000 Teilnehmer aus fast 200 Ländern erwartet, darunter neben Ministern, Staats- und Regierungschefs auch Greta Thunberg. Die schwedische Klima-Aktivistin rechnet damit, es noch rechtzeitig zum großen Klima-Marsch am Freitag nach Madrid zu schaffen. Nach ihrer Atlantik-Überfahrt auf dem Katamaran „La Vagabonde“ werde sie voraussichtlich am Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon anlanden, twitterte die 16-Jährige. Von dort sind es noch 600 Kilometer bis nach Madrid.

Klima-Konferenz in Madrid: Rund 50 Staats- und Regierungschefs haben ihr Kommen angekündigt

Insgesamt haben sich rund 50 Staats- und Regierungschefs bei der UN-Klimakonferenz angekündigt. Auf Ministerebene wird aber erst in der zweiten Konferenzwoche verhandelt. Allerdings gibt es große Zweifel, ob der Gipfel einen echten Durchbruch bringen kann.

Das ist auch der Grund, weshalb das Jubiläum keine Feierlaune versprüht. Wetterextreme haben in diesem Jahr drastisch vor Augen geführt, was der Menschheit blüht, wenn die Erderwärmung nicht eingedämmt wird: Mehr gigantische Wirbelstürme wie über Ostafrika, verheerende Waldbrände wie in den USA und Australien und weiter dramatisch schwindende Eismassen an den Polen und in den Gletschergebieten. 

Worum geht es bei der Klimakonferenz in Madrid?

Seit die Staaten sich 2015 im historischen Abkommen von Paris vorgenommen haben, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, dienen die UN-Gipfel der Umsetzung des Paktes. Dieses Mal soll vor allem das Ziel vorangetrieben werden, 2020 ehrgeizigere nationale Klimaschutz-Pläne vorzulegen. Zudem wird diskutiert, nach welchen Regeln ein internationaler Markt im Klimaschutz funktionieren kann. Auch die Frage, wer die Behebung der durch den Klimawandel verursachten Schäden speziell in armen Ländern bezahlen soll, steht auf der Agenda.

Klimakrise: Ist die Lage wirklich so düster?

Ja, denn trotz aller Anstrengungen beschleunigt sich die Erderwärmung zurzeit sogar noch. Schon jetzt hat sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um ein Grad aufgeheizt, die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Und das könnte erst der Anfang sein: Wie das UN-Umweltprogramm Unep vorgerechnet hat, dürfte der Temperaturanstieg bei einem unveränderten Anstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad liegen. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen.

Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass bei einem ungebremsten Klimawandel die Meeresspiegel schon bis Ende des Jahrhunderts um mehr als einen Meter steigen könnten. Schon kurzfristig drohen vielerorts Wasserknappheit und Ernteausfälle, mit Konsequenzen wie Hungersnöten und massiven Fluchtbewegungen. Schon vor Jahresfrist hatte die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg gesagt, Erwachsene sollten nun in Panik geraten angesichts der existenzbedrohenden Klimakrise.

Klima: Wie sieht es in Deutschland aus?

Ein im November veröffentlichter Bericht der Bundesregierung weist nach, dass sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht hat. Das hat zur Folge, dass das Wetter auch in Deutschland zusehends extremer wird. Je nach Region kann das mehr Hitze, mehr Starkregen oder auch mehr Hochwasser bedeuten. 

So haben etwa die Menschen im Nordosten dieses Jahres unter dem zweiten heißen Dürresommer in Folge geächzt, es loderten Waldbrände ungekannten Ausmaßes. Auch in den kommenden Jahren steigen in weiten Teilen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts die durchschnittlichen Temperaturen, während die Niederschläge abnehmen. Gleiches gilt auch für Südwestdeutschland, während etwa in Teilen Hessens mit mehr Regen zu rechnen ist. 

Was tut die Welt gegen die drohende Klimakatastrophe?

Das 2015 geschlossene Klimaabkommen von Paris wurde als historischer Durchbruch gefeiert. Mehr als 190 Staaten setzen sich darin zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad bis maximal 2 Grad zu begrenzen. Aktuell herrscht aber Katerstimmung, denn nach einer neuen Untersuchung sind zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten staatlichen Aktionspläne ungeeignet, die Erderhitzung auch nur zu bremsen. 

Auch in diesem Jahr dürfte der weltweite CO2-Ausstoß erneut steigen. Und die Internationale Energie-Agentur  erwartet, dass er auch bis 2040 nicht etwa sinkt, sondern noch um zehn Prozent steigen dürfte. Eigentlich nötig wäre nach dem Pariser Abkommen aber eine Minderung um fast 50 Prozent. Ein Beispiel für das Schneckentempo: Zwar haben einige Industriestaaten einen Ausstieg aus der Kohle angekündigt, doch beziehen die Staaten der G20 noch immer über 80 Prozent ihrer Energie aus Kohle, Öl und Gas. Weltweit sind trotz des Ausbaus der Erneuerbaren immer noch Zehntausende Kohlekraftwerke in Betrieb, und 1400 neue sind in der Planung oder im Bau.

Was tut die Bundesregierung in Sachen Klimaschutz?

In Deutschland hat die große Koalition nach langem Gezerre zwar einen Klimaschutzplan vorgelegt. Er ist aber aus Expertensicht „bestenfalls die Andeutung einer Richtungsänderung“, wie es der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, formuliert. So wird die umweltschädlichste Art der Fortbewegung, das Fliegen, weiter kräftig subventioniert. Allein 2017 verzichtete der Staat laut Umweltbundesamt auf 8,1 Milliarden Euro, weil Kerosin nicht besteuert wird, und auf 4,2 Milliarden Euro, weil grenzüberschreitende Flüge von der Mehrwertsteuer befreit sind. (cs/kke/dpa/afp/epd)

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