1. Startseite
  2. Politik

Zuspitzung im Partygate, Boris Johnson laut Keir Starmer „Mann ohne Scham“

Erstellt:

Von: Alexander Eser-Ruperti

Kommentare

Das Partygate spitzt sich für Boris Johnson doch noch einmal zu. Die Opposition hält ihn für einen „Mann ohne Scham“, auch Parteikollegen kehren sich ab.

London – Boris Johnson sorgt weiter für aufgeregte Zeiten in der Politik Großbritanniens. Auch in Deutschland verfolgen viele aufmerksam die nahezu täglichen Schlagzeilen zu einem britischen Premierminister, der sich über mangelnde mediale Aufmerksamkeit kaum beklagen kann. Einmal mehr äußert die Opposition um Labour-Chef Keir Starmer ihr Entsetzen über den Regierungschef, das musste sie zuletzt öfter tun. Für Starmer ist Johnson ein „Mann ohne Scham“. Die Gefahr für den Party-Premier ist noch nicht gebannt. Das Partygate geht in die nächste Runde.

Labour gegen Boris Johnson im Partygate: Oppositionschef Keir Starmer nennt Johnson „Mann ohne Scham“

Die Opposition in Großbritannien kommt kaum hinterher, so oft musste sie sich in letzter Zeit zu den Verfehlungen den britischen Regierungschefs äußern. Nachdem sie sich zuletzt entsetzt gezeigt hatte über Boris Johnsons Pläne in der Asylpolitik, Flüchtende nach Ruanda zu schicken, geht es nun wieder ums Partygate. In einer hitzigen Debatte im Parlament darüber, ob gegen Johnson wegen Lügen im Partygate ermittelt werden sollte, fand Labour-Chef und Oppositionsführer Keir Starmer dieses Mal besonders klare Worte.

Boris Johnson gibt im Unterhaus eine Erklärung vor den Abgeordneten ab. Für den britischen Premierminister spitzt sich die Partygate-Affäre doch noch einmal zu.
Boris Johnson gibt im Unterhaus eine Erklärung vor den Abgeordneten ab. Für den britischen Premierminister spitzt sich die Partygate-Affäre doch noch einmal zu. © Jessica Taylor/dpa/Uk Parliament/PA Media

Starmer erklärte, Johnson sei „ein Mann ohne Scham“. Er forderte die Tory-Abgeordneten auf, sich des skandalträchtigen Premiers zu entledigen und „Anstand, Ehrlichkeit und Integrität“ in die Politik zurückzubringen. Die Einschätzung des Oppositionschefs teilt indes offenbar auch ein großer Teil der britischen Gesellschaft weiterhin: Über die Hälfte der Wähler wollen Boris Johnsons Rücktritt immer noch, das hatte eine Studie erst kürzlich gezeigt.

Der Premierminister von Großbritannien Boris Johnson entschuldigt sich im Partygate doch noch

Der britische Premierminister verfolgt im Partygate einen Schlingerkurs. Nachdem Boris Johnson sich erst kürzlich geweigert hatte, den Bruch von Corona-Regeln im Partygate eindeutig zuzugeben, äußert er sich nun erneut. Die Schlinge zieht sich für ihn zu, eine Entschuldigung wurde zuletzt unausweichlich. Johnson beharrt trotzdem weiterhin darauf, die Corona-Regeln unwissentlich gebrochen zu haben. Er erklärte im Parlament: „Weder damals noch später kam mir in den Sinn, dass eine Zusammenkunft im Kabinettssaal kurz vor einer wichtigen Sitzung über die Covid-Strategie einen Verstoß gegen die Regeln darstellen könnte. Das war mein Fehler, für den ich mich vorbehaltlos entschuldige“.

Erst vor kurzem waren zudem Berichte aufgetaucht, denen zufolge Boris Johnson eine Versammlung im Partygate selbst erst zur Party gemacht haben soll. Besonders brisant an den Vermutungen ist, dass Johnson stets behauptet hatte, an der Veranstaltung gar nicht teilgenommen zu haben. Einmal mehr kommen Fragen zu seiner Glaubwürdigkeit auf, nach dem Brexit zeigt nun auch das Partygate, dass Johnson es mit der Wahrheit flexibel hält.

Rücktrittsforderungen gegen Boris Johnson werden wieder lauter – Das Partygate als Zerreißprobe

Es ist die große Sorge der Gegner des britischen Regierungschefs: Er könnte das Partygate politisch überstehen. Tatsächlich ist das ein durchaus realistisches Szenario, bedenkt man, dass der Ukraine-Krieg Boris Johnsons Absturz zuletzt gebremst hatte – zumindest vorübergehend. Mit den aktuellen Entwicklungen rückt der Partygate-Skandal nun wieder stärker ins Zentrum der britischen Öffentlichkeit. Es ist der nächste Abschnitt einer innenpolitischen Zerreißprobe für den britischen Premierminister.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden

Sollte er diese Probe innenpolitisch tatsächlich erneut überstehen, hat er geschafft, was noch vor einiger Zeit fast keiner mehr für möglich hielt. Für die Opposition wäre das eine schwere Niederlage. Auch aus Reihen der eigenen Partei mehren sich derzeit jedoch wieder die Stimmen, die den Rücktritt des britischen Regierungschefs fordern. Der Tory-Abgeordnete Mark Harper erklärte jüngst „Ich denke, dass er des großen Amtes, das er bekleidet, nicht mehr würdig ist“. Johnson selbst denkt indes auch weiter nicht an Rücktritt.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare