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Protest gegen Putins Teilmobilmachung: „Soldaten werden in Fleischwolf geworfen“

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Von: Jens Kiffmeier

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Erstaunlicher Protest: Die Teilmobilmachung stößt in Russland offen auf Widerstand. Für Präsident Wladimir Putin kein gutes Zeichen. Kommt doch sein Sturz?

Moskau – Der Widerstand gegen Wladimir Putin wächst – auch in Russland: Nach der Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Ukraine-Krieg steht der Kremlchef plötzlich im eigenen Land in der Kritik. So rief die Oppositionsgruppe Wesna mit deutlichen Worten zu öffentlichen Protesten gegen das Vorhaben auf. „Tausende russische Männer – unsere Väter, Brüder und Ehemänner – werden in den Fleischwolf des Kriegs geworfen“, hieß es in dem veröffentlichten Aufruf. Für den russischen Präsidenten wird es damit immer ungemütlicher.

Denn die Rufe nach einem Sturz Putins werden immer lauter.

Sturz von Wladimir Putin: Opposition ruft zu Protesten gegen Russlands Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg auf

Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Teilmobilmachung für den Kampf im Ukraine-Krieg angeordnet. Eigenen Angaben zufolge unterschrieb er ein entsprechendes Dekret. Dadurch sollen 300.000 Reservisten gegen die Ukraine mobilisiert werden. Eingesetzt werden sollten vor allem Reservisten mit Kampferfahrung, stellte Verteidigungsminister Sergej Schoigu klar. Russland reagiert damit auf die massiven Rückschläge bei der geplanten Besetzung der ostukrainischen Gebiete. In den vergangenen Wochen hatte die Ukraine die Angreifer in weiten Teilen des Donbass zurückgeschlagen.

Wie lange kann er den Protest noch unterdrücken? Russlands Präsident Wladimir Putin muss zunehmend seinen Sturz fürchten.
Wie lange kann er den Protest noch unterdrücken? Russlands Präsident Wladimir Putin muss zunehmend seinen Sturz fürchten. © Russian Presidential Press Service/AP/Uncredited/dpa/Montage

Sturz wegen Ukraine-Krieg? Niederlage von Putins Armee im Donbass setzen Kremlchef an Heimatfront unter Druck

Wegen der militärischen Niederlagen seiner Armee steht Putin auch an der Heimatfront zunehmend unter Druck. Bislang unterdrückten die staaatlichen Behörden jeglichen Protest und Widerspruch gegen die Linie des Kremls. Erst Anfang der Woche erhöhte die Duma per Gesetz die Strafen für potenzielle Aufwiegler. Dennoch trauten sich zuletzt immer mehr Politiker, den Kremlchef infrage zu stellen. Bereits mehr als 40 Lokalpolitiker riefen offen zu einem Sturz von Putin auf. Zuletzt stellte auch ein Top-General im russischen TV den Präsidenten wegen seiner Fehler im Ukraine-Krieg unverhohlen bloß.

Putsch gegen Putin: Der Widerstand gegen den Präsidenten wächst im FSB und auf der Straße

Vor diesem Hintergrund fragen sich immer mehr Beobachter in der westlichen Politik: Bröckelt jetzt doch die Macht von Putin? Seit Wochen und Monaten halten sich immer wieder Spekulationen, wonach hinter den Kulissen des Kreml ein Putsch gegen den Langzeitherrscher vorbereitet werden könnte. Doch bislang sahen Oppositionelle wie Fachleute weniger die Gefahr eines offenen Massenprotests von der Straße auf Putin zukommen. Realistischer erschien ein Putsch aus der herrschenden Elite-Klasse heraus, vielleicht auch aus dem FSB-Geheimdienst, wo es schon länger ein Murren gegen den Präsidenten gegeben haben soll.

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Doch vielleicht war das eine Fehleinschätzung. Zumindest brodelt es auf russischen Straßen jetzt zunehmend. Unklar ist aber noch, wie viele Unterzeichner der aktuelle Protestaufruf der Oppositionsbewegung Wesna hat.

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