Forderung nach Meldesystem

Zentralrat der Juden beklagt Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland

Er wollte Muslime nicht generell verurteilen, sagte der Vorsitzendes des Zentralrats der Juden. Doch der Judenhass breite sich unter Muslimen in Deutschland aus.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat einen unter Muslimen in Deutschland verbreiteten Antisemitismus beklagt. Es liege ihm fern, Muslime generell zu verurteilen, sagte Schuster am Sonntag bei der Gedenkfeier zum 73. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau laut Redemanuskript. "Es nützt aber nichts, die Augen davor zu verschließen, dass es bei einigen Muslimen ausgeprägten Antisemitismus gibt."

Dieser Antisemitismus werde von Eltern und zum Teil auch von Imamen so weitergegeben, sagte Schuster. Arabische Fernsehsender und das Internet täten ihr Übriges.

Lesen Sie auch: CDU fordert genauere Informationen über Motive antisemitischer Taten

Schuster fordert Meldesystem 

Schuster bekräftigte bei der Gedenkfeier seinen Vorschlag, ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Vorfälle zu schaffen. Die polizeiliche Kriminalstatistik sei bislang unzulänglich. Wenn bei einer antisemitischen Straftat kein Täter ermittelt werde, werde die Tat automatisch dem rechten Spektrum zugeschrieben - so entstehe eine Zahl von 90 Prozent aller Straftaten, für die angeblich Rechtsextreme verantwortlich seien.

"Mit den Erfahrungen von Juden stimmt dies jedoch nicht überein," sagte Schuster. Deshalb könne ein niedrigschwelliges Meldesystem, das auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeit umfasse, ein Gesamtbild der Situation von Juden in Deutschland liefern. Es seien valide Daten nötig, damit die Mehrheitsgesellschaft das Problem überhaupt ernst nehme.

Auch interessant: Israelischer Spitzenpolitiker rät Juden in Deutschland: „Tragt große Knüppel“

afp

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Naupold

Das könnte Sie auch interessieren

Abstiegskandidaten Stuttgart und Hannover verlieren

Abstiegskandidaten Stuttgart und Hannover verlieren

Fotostrecke: Irre! Pizarro kontert Selke spät

Fotostrecke: Irre! Pizarro kontert Selke spät

Bücherfest in der Bücherei Bruchhausen-Vilsen

Bücherfest in der Bücherei Bruchhausen-Vilsen

Ehrenbürger-Auszeichnung in Hassel

Ehrenbürger-Auszeichnung in Hassel

Meistgelesene Artikel

Donald Trump: Gericht sicher, dass sein Ex-Wahlkampfchef das FBI belog

Donald Trump: Gericht sicher, dass sein Ex-Wahlkampfchef das FBI belog

Streit über Dieselfahrverbote in Wiesbaden ist beigelegt

Streit über Dieselfahrverbote in Wiesbaden ist beigelegt

„Meinungsfreiheit“: Rosenheimer AfD-Abgeordneter beleidigte Ausländer - fürchten muss er nichts

„Meinungsfreiheit“: Rosenheimer AfD-Abgeordneter beleidigte Ausländer - fürchten muss er nichts

Abrüstungsvertrag von Trump gekündigt - Stoltenberg appelliert an Putin 

Abrüstungsvertrag von Trump gekündigt - Stoltenberg appelliert an Putin 

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion