Vize-Bundestagspräsidentin

Yvonne Magwas (CDU): „Ich lehne die Abschaffung des Paragrafen 219a klar ab“

Yvonne Magwas (CDU) ist jetzt Vize-Bundestagspräsidentin.
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Yvonne Magwas (CDU) ist jetzt Vize-Bundestagspräsidentin.

Frauen haben in der Politik oft nichts zu lachen: Sie sind unterrepräsentiert und unterschätzt. Yvonne Magwas (CDU) zeigt, dass es auch anders geht. Ein Interview.

Berlin – Die CDU hat ein Frauenproblem. Was bereits bei der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden auffiel, wurde jüngst bei dem Postengerangel um die Fraktionssitze im Bundestag wieder deutlich: Frauen bekommen in der Union nur selten eine Chance, sich in verantwortungsvollen Positionen zu behaupten. Von insgesamt elf Fraktionsvizeposten gehen lediglich vier an Frauen, außerdem sind nur sechs der insgesamt 26 Sprecherposten in weiblicher Hand. 

Name: Yvonne Magwas
Geburtstag: 28. November 1979
Position: Vize-Bundestagspräsidentin (CDU)

Der neue CDU-Chef Friedrich Merz hat zwar auch eine Frauenquote als Lösung für die mangelnde Gleichberechtigung innerhalb seiner Partei ins Gespräch gebracht, ob die allerdings wirklich kommen wird, ist fraglich. Zudem will Friedrich Merz mit Christina Stumpp eine Frau in sein engstes Team integrieren – allerdings auf den extra für sie geschaffenen Posten der Vize-Generalsekretärin. 

Politikwissenschaftlerin: „Wahl von Friedrich Merz nicht gerade ein Sieg für Frauen in der CDU“

Politikwissenschaftlerin Barbara Holland-Cunz beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Rolle von Frauen in der Politik und äußerte sich im Interview mit www.kreiszeitung.de kürzlich skeptisch: „Die Wahl von Friedrich Merz ist nicht gerade ein Sieg für die Frauen in der Partei“, sagte die Expertin. Auch wenn die Wahl von Friedrich Merz zum Parteivorsitzenden, die CDU eher per Schleudersitz ins vergangene Jahrhundert zurückkatapultiert. Es gebe aber mittlerweile viele starke Frauen in der CDU, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen ließen, so die Politikwissenschaftlerin weiter. 

Eine dieser starken Frauen ist Yvonne Magwas. Die 42-Jährige sitzt seit 2013 für die CDU im Bundestag, war zuletzt Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Union sowie stellvertretende Bundesvorsitzende der Frauenunion. Seit 2021 ist die Vize-Bundestagspräsidentin. Im Kurz-Interview mit www.kreiszeitung.de verrät sie, wie sie die Rolle von Frauen in der CDU sieht und was sie von den Gleichstellungs-Maßnahmen der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält.

Vize-Bundestagspräsidentin Yvonne Magwas (CDU) im Interview über Frauen in der Politik

Frau Magwas, seit kurzem haben Sie mit Friedrich Merz einen neuen Bundesparteivorsitzenden, der bislang nicht unbedingt für sein Engagement für Gleichberechtigung bekannt war. Was erwarten Sie von Ihrem neuen Parteichef hinsichtlich der Rolle von Frauen in der CDU?
Dass die CDU unter seinem Vorsitz die guten Ergebnisse der Struktur- und Satzungskommission zügig umsetzt und lebt. Ich bin da optimistisch.
Allerdings sind Politikerinnen in Deutschland trotz aller Bemühungen nach wie vor deutlich in der Unterzahl. Wie sehen Sie die Lage der Frauen in ihrer Partei?
Die Minderrepräsentanz von Frauen in der Politik und gerade auch in meiner Partei ist ein großes Problem. Wenn die politischen Entscheidungsträgerinnen und –träger die Gesellschaft besser abbilden sollen, dann gehören dazu nun mal zu 50 Prozent Frauen. Davon würde die Akzeptanz unserer parlamentarischen Demokratie profitieren, und – dessen bin ich sicher – die politischen Entscheidungen würden besser werden.
Und wie kann die Politik die Rolle von Frauen nachhaltig stärken?
Dafür müssen wir Familie und politische Arbeit leichter miteinander vereinbar machen. Nur ein Beispiel: An abendlichen Sitzungen können junge Mütter oftmals kaum teilnehmen, wenn ein kleines Kind zu Hause versorgt werden muss. Hier gilt es die enormen Potenziale der Digitalisierung zu heben. 
Haben Sie dafür vielleicht konkrete Beispiele?
Warum kann ich beispielsweise im Deutschen Bundestag nicht digital abstimmen? Außerdem müssen sich die Parteien allesamt noch stärker von der Hinterzimmerkultur lösen und sich in die breite Gesellschaft öffnen. Hinterzimmer schrecken Frauen eher ab. Und schließlich sollten wir im Wahlrecht ein paar Schrauben drehen, um den Frauenanteil im Deutschen Bundestag zu erhöhen. Dazu erwarte ich mir von der noch in der letzten Legislaturperiode einberufenen Wahlrechtskommission schnell konkrete Vorschläge.
Was würden Sie jungen Frauen sagen, die sich politisch engagieren wollen, aber noch skeptisch sind?
Ich möchte junge Frauen ausdrücklich ermutigen: Bringt Euch ein, macht mit – und kandidiert, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Eure Chancen sind bereits so viel größer als die Eurer Mütter und Großmütter. Ich bin eines von vielen Beispielen, dass Frauen alles genauso gut können wie Männer. Das Umdenken hat in der Theorie mittlerweile auf breiter Front Platz gegriffen.

Yvonne Magwas (CDU): Vertrauensvorsprung für die Ampel-Regierung und Kritik an geplanter Maßnahme

Was werden Sie ganz konkret in den nächsten vier Jahren tun, um die Stellung von Frauen in der CDU zu stärken? 
Ich werde mich dafür einsetzen, dass in der CDU zügig die vielen guten Ergebnisse der Struktur- und Satzungskommission für bessere Frauenförderung umgesetzt werden.
Die CDU ist natürlich nicht die einzige Partei, die deutlich weniger Frauen als Männer verzeichnet. Gleichstellung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Wie beurteilen Sie die Pläne der neuen Ampel-Regierung insbesondere für Frauen, Familien und Kinder?
Die Ampelparteien haben für ihre Familien- und Frauenpolitik eine faire Chance verdient. Wir müssen unsere Gesellschaft gerade auf diesen Feldern weiter modernisieren. Ich finde beispielsweise den Vorschlag gut, dass Väter zwei Wochen nach der Geburt bei vollem Gehalt bei ihrer Familie bleiben können. Gerade die Zeit nach der Geburt ist besonders wichtig. 
Und wie stehen Sie zur Abschaffung es Paragrafen 219a? Das ist ja ein Thema, das im Bundestag in den letzten Jahren immer wieder für Diskussionen geführt hat…
Ich lehne die geplante Abschaffung des Paragrafen 219a sehr klar ab. In der letzten Wahlperiode haben wir eine gute Lösung gefunden: Schwangere Frauen können sich gut über Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs informieren, es darf aber nicht aktiv dafür geworben werden. Information und Werbung sind zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe! Daran darf nicht gerüttelt werden. Eine gute Familien-, Sozial- und Gesellschaftspolitik nimmt den Menschen vom Beginn des ungeborenen Lebens bis zum Ende des Lebens auf Erden in den Blick.

*kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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