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Kein Geld auf Konto: Wohngeld 2023 könnte vor Kollaps stehen

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Von: Jens Kiffmeier

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Muss die Reform vom Wohngeld 2023 durchsetzen: Bauministerin Klara Geywitz (SPD).
Muss die Reform vom Wohngeld 2023 durchsetzen: Bauministerin Klara Geywitz (SPD). © Kosecki/Swen Pförtner/imago/dpa/Montage

Rettungsanker in der Energiekrise: Millionen können ab 2023 das Wohngeld beantragen. Doch die Auszahlung macht Probleme. Verbände warnen vor dem Kollaps.

Berlin – Böses Erwachen zum Jahreswechsel: Bei der Auszahlung vom neuen Wohngeld könnte ab 2023 ein Ausfall drohen. Angesichts einer erwarteten Antragsflut warnt die Bundeszentrale für Verbraucherschutz vor großen Problemen bei der Umsetzung der Reform. „Da droht ein Ämter-Chaos, sodass Menschen wochenlang auf die Bearbeitung und Auszahlung warten müssen“, sagte Verbandschefin Ramona Pop der Welt. Während auch der Städtetag vor dem „Kollaps“ warnte, versucht die Bundesregierung abzuwiegeln.

Wohngeld 2023: Trotz Anspruch – Auszahlung könnte sich für die Empfänger verzögern

Das Wohngeld in Deutschland soll ab Januar 2023 massiv ausgeweitet werden. Zusammen mit der Auszahlung des Heizkostenzuschusses will die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dadurch Millionen Deutsche in der Energiekrise entlasten. So sollen dank der Reform mehr Menschen die Unterstützung beantragen können. Im Vergleich zum Vorjahr sollen dann rund zwei Millionen Haushalte Anspruch auf den Zuschuss haben, 1,4 Millionen mehr als bislang. Bereits am vergangenen Donnerstag gab der Bundestag grünes Licht für das Vorhaben.

Was ist Wohngeld und wer kann den Zuschuss beantragen?

Das Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur Miete. Grundsätzlich kann jede Bürgerin oder jeder Bürger in Deutschland die Förderung beantragen, der zwar über genügend Einkommen für die eigenen Lebenshaltungskosten verfügt – aber nicht ausreichend Einkommen erwirtschaftet, um auch seine Wohnkosten zu decken. Die Höhe ist unterschiedlich und kann beim Bundesministerium in einem Rechner ausgerechnet werden. Der Anspruch auf Wohngeld muss beantragt werden. Ebenso der Heizkostenzuschuss, der ebenfalls bezogen werden kann.

Durchschnittlich erhalten die Bezieher von Wohngeld dann 190 Euro mehr im Monat. Mit dem Geld können die gestiegenen Preise bei Strom, Gas und Öl aufgefangen werden, so die Theorie. Doch auf die Ausweitung des Empfängerkreises sind die zuständigen Behörden in der Praxis nur schlecht vorbereitet.

Wohngeld: Ab wann? Verbände warnen vor Kollaps noch vor dem Start im Januar

Gerade mit Blick auf die erforderliche Bearbeitung der Anträge und der Umstellung der IT-Kapazitäten sieht der Deutsche Städtetag die Ämter schlecht ausgestattet. In einem Schreiben, das der Bild vorlag, schloss der Verband ein großes Chaos und den Kollaps zum Jahreswechsel nicht aus. Sowohl Neuanträge als auch Folgeanträge könnten womöglich im schlimmsten Fall zum Jahreswechsel nicht rechtzeitig bearbeitet werden, hieß es. Sprich: Die Auszahlung des Geldes könnte sich in vielen Fällen verzögern – und zwar um Wochen oder sogar Monate.

In der Politik ist man sich des ambitionierten Zeitplans und der drohenden Probleme bewusst. So wollte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) die Berichte auch nicht vollständig dementieren. „Diese Reform, das ist klar, stellt die Länder und Kommunen vor eine Mehrbelastung in den Wohngeldbehörden“, räumte die Sozialdemokratin auf Anfrage der Bild ein. Zugleich betonte sie aber, dass die Länder und Kommunen für die Umsetzung zuständig sei – und nicht der Bund. Doch das nützt den Beziehern auch nicht weiter.

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