Explodierende Energiepreise

Heizkostenzuschuss zum Wohngeld: 135 Euro extra – für Experten zu wenig

Heizkostenzuschuss wegen Energiekosten: Ministerin Klara Geywitz (SPD) spendiert Wohngeld-Empfängern 135 Euro extra. Doch Verbraucherschützern ist das zu wenig.

Update von Donnerstag, 13. Januar 2022, um 17:47 Uhr: Berlin – Deutliche Kritik am Ampel-Plan: Wegen der enormen Preise für Strom, Öl und Gas fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen in Deutschland einen höheren Heizkostenzuschuss als geplant. Statt der 135 Euro solle die Bundesregierung jedem Empfänger von Wohngeld mindestens 500 Euro bezahlen, teilte der Verband der Nachrichtenagentur dpa mit. Außerdem müsse die Koalition dafür sorgen, dass Strom- und Gassperren für private Haushalte mit geringen Einkommen bis Ende April ausgesetzt werden würden.

Die Verbraucherschützer reagierten damit auf die Ankündigung von Bauministerin Klara Geywitz (SPD). Nach ihren Plänen sollen Wohngeldempfänger, die alleine leben, im Sommer einen Zuschuss von 135 Euro bekommen. Für Zwei-Personen-Haushalte sind 175 Euro vorgesehen. Damit soll der enorme Anstieg bei den Energiekosten abgefedert werden, die neben den Wohngeld-Beziehern auch viele Hartz-IV-Bezieher unter Druck setzen*.

Heizkostenzuschuss: Mit 135 Euro extra will Bauministerin Klara Geywitz (SPD) Empfängern von Wohngeld helfen

Erstmeldung von Mittwoch, 12. Januar 2022, um 14:52 Uhr: Berlin – Höhere Gaspreise und Strompreise: Seit Monaten kennt die Preisentwicklung bei Energiekosten nur eine Richtung – steil nach oben. Dabei führt der teilweise sprunghafte Anstieg beim Gas auch dazu, dass Versorger nicht mitziehen können und pleitegehen. Betroffen sind aber auch immer mehr Haushalte, die die Kosten kaum noch stemmen können. Wer über wenig Geld verfügt, leidet besonders – mitunter sind auch Existenzen bedroht. Um Haushalten mit wenig Geld zu helfen, plant die Bundesregierung und das Wohnungsministerium von Klara Geywitz (SPD) nun einen Heizkostenzuschuss. Dabei sollen die Einmalzahlungen für Wohngeld-Empfänger mindestens 135 Euro betragen.

Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen:Klara Geywitz
Geboren:18. Februar 1976 (Alter 45 Jahre), Potsdam
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Partner: Ulrich Deupmann

Wie das Statistische Bundesamt in Anbetracht der gegenwärtigen Preisentwicklung bei Gas, Strom und Öl ermittelt hat, treffen die Energiekosten Haushalte mit wenig Einkommen besonders hart. Sie würden anteilig am meisten für Strom, Heizung und Warmwasser ausgeben. Bereits im Jahr 2020 mussten Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1300 Euro im Schnitt 95 Euro für Wohnenergie aufwenden. Das entsprach einem Anteil von 9,5 Prozent an ihren gesamten Konsumausgaben.

Explodierenden Gaspreise und Strompreise: Wohnenergie so teuer wie nie

Obwohl Haushalte der höchsten Einkommensklasse mit monatlich mindestens 5000 Euro netto deutlich mehr für Wohnenergie ausgeben (im Schnitt 206 Euro pro Monat), würde der Anteil an den privaten Konsumausgaben hingegen deutlich niedriger ausfallen. Wie die Wiesbadener Behörde mitteilt, lag der Anteil bei 4,7 Prozent im Jahr 2020 und damit knapp halb zu hoch wie bei Haushalten der niedrigsten Einkommensklasse. Durch die explodierenden Gaspreise und Strompreise 2021 wird diese Entwicklung noch deutlich gravierender geworden sein.

Ärmere Haushalte geben anteilig deutlich mehr für Strom und Wärme aus

So errechnete das Vergleichsportal Verivox eine Verteuerung der Energiepreise um etwa 35 Prozent innerhalb eines Jahres. Damit wurde ein neuer Höchststand bei den Heizkosten und Stromkosten erreicht. Um Haushalte mit niedrigen Einkommen in dieser Situation etwas zu entlasten, plant die Politik, Bezieher von Wohngeld mit einem einmaligen Zuschuss zu unterstützen. Nach einem Gesetzentwurf des neuen Wohnungsministeriums von Klara Geywitz (SPD) sollen Alleinlebende 135 Euro bekommen, ein Zwei-Personen-Haushalt 175 Euro. Für jeden weiteren Mitbewohner sind weitere 35 Euro vorgesehen.

Heizkostenzuschuss: Einmalzahlung an Wohngeld-Empfänger soll Wohnen und Heizen bezahlbar machen

Wie es in einem Eckpapier des Ministeriums heißt, sollen durch den Heizkostenzuschuss Wohnen und Heizen bezahlbar bleiben und die Mehrkosten aus den kalten Wintermonaten aufgefangen werden. Die Pauschale ist Teil des Wohngelds, das an Haushalte mit niedrigem Einkommen ausgezahlt wird. Insgesamt sollen rund 710.000 Haushalte von dem einmaligen Zuschuss profitieren.

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Aber nicht nur Haushalte mit geringen Einkommen sind von den steigenden Heizkosten und Stromkosten betroffen: Besonders schwierig ist die Lage den Vergleichsportalen nach für Bezieher von Hartz IV. Zwar sind die Regelsätze leicht gestiegen, dennoch würde das Geld der Betroffenen immer weniger ausreichen, um die steigenden Energiekosten 2022 zu decken. Demnach muss ein Single-Hartz-IV-Haushalt jährlich derzeit 139 Euro beziehungsweise knapp 32 Prozent mehr für Energie zahlen, als der Stromkostenanteil im Regelsatz abdeckt.

Union kritisiert Pläne zum Heizzuschuss und fordert Unterstützung für mehr Menschen

Nach Einschätzung der Union reichen die Pläne zum Heizkostenzuschuss allerdings nicht aus. Demnach müssten auch Menschen mit mittleren Einkommen und Familien angesichts der explodierenden Energiepreise entlastet werden. „Die galoppierenden Energiepreise treffen alle Haushalte“, betonte der Wohnungspolitiker Jan-Marco Luczak (CDU). „Langfristig dürfen Energiepreise nicht zu einer sozialen Frage werden.“ (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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