Prof. Dr. Veronika Grimm zu Gaspreisen

„Da gibt es Asymmetrien“: Der Gaspreis wird sinken – Frage ist wie schnell

Die Ankündigung von Gasversorgern, ihre Preise teils drastisch zu erhöhen, trifft Verbraucher hart. Viele von ihnen fragen sich jetzt nach der Perspektive beim Gaspreis und den Gründen für den Anstieg.

Berlin – Es dürfte keinem Verbraucher verborgen geblieben sein: Der Gaspreis steigt, bei den meisten Anbietern deutlich. Für Endkunden nahen harte Zeiten, doch wie lange? Die Wirtschaftsexpertin Veronika Grimm erklärt gegenüber kreiszeitung.de, woher der Preisanstieg bei Gas kommt und wie sich die Lage in nächster Zeit entwickeln könnte. Zumindest auf kurze Sicht bleibt es ungemütlich für Verbraucher.

Name:Veronika Grimm
Profession:Wirtschaftswissenschaftlerin
Lehrstuhl:Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen

Wirtschaftsexpertin: Die Gaspreise werden sinken – doch das könnte noch dauern

Prof. Dr. Veronika Grimm ist Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen. Sie ist in verschiedenen Gremien als Expertin vertreten, unter anderem im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Die „Wirtschaftsweisen“) und dem Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (BMJV). Was die Großhandelspreise für Gas angeht, zeigt sich Grimm zuversichtlich – auf lange Sicht. Das ist die gute Nachricht.

Gaspreise steigen: Die Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm vermutet einen Rückgang der Preise – nur wann ist noch unklar.

Gaspreis 2022: Kurzfristig ist kein Preisfall zu erwarten

Die schlechte Nachricht hingegen ist, dass der Preisfall zeitlich nicht seriös vorhergesagt werden kann, kurzfristig ist allerdings wohl kaum mit dem Abfall der Gaspreise zu rechnen. Zunächst hatten kürzlich viele Anbieter die Gaspreise für Endkunden deutlich angehoben. Wann die Preise wieder sinken bleibt fraglich. Das hat verschiedene Gründe und hängt auch damit zusammen, wie Großhandelspreise durch Versorger an Endkunden weitergegeben werden.

Grimm stellt hierzu gegenüber kreiszeitung.de fest „Preissenkungen werden oft nicht so schnell an Endkunden weitergegeben wie Preissteigerungen, da gibt es Asymmetrien“. Angaben zu einem genauen Zeitpunkt von Preisrückgängen hält sie in der aktuellen Situation für „reine Spekulation“.

Preisanstieg: Gründe für hohe Gaspreise sind laut der Wirtschaftsexpertin Veronika Grimm vielfältig

Der Blick in die Zukunft ist nur möglich, wenn man die Hintergründe des Preisanstiegs bei Gas untersucht. Das ist gar nicht so einfach – denn sie sind vielfältiger Natur, wie Grimm erklärt. Die eine einfache Antwort gibt es nicht. Ein Grund für den hohen Gaspreis ist, dass im Verlauf der Corona-Pandemie die anfangs zurückgegangene Nachfrage nach Erdgas mit wieder anlaufender industrieller Produktion stieg. Mit dieser Entwicklung kann das Angebot nicht mithalten, zumal die Reserven ohnehin gering und die Erdgasspeicher niedrig gefüllt* sind.

Ursächlich hierfür sind unter anderem extreme Wetterereignisse wie ein kalter Winter, der zu Jahresbeginn einen erhöhten Erdgasbedarf erzeugt hatte. Auch die geplante Emissionsreduktion Chinas führt dort zu einer Verlagerung in der Nutzung von Kohle zu Erdgas. China importiert größere Mengen Flüssiggas.

Gaspreise: Auseinandersetzung mit Russland – Inbetriebnahme der Gaspipeline Nordstream 2 steht zur Disposition

Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit Russland um Nordstream 2 – möglicherweise wurde auch seitens deutscher Anbieter auf die Inbetriebnahme der Pipeline spekuliert. Diese steht im Zuge politischer Konflikte nun wieder zur Disposition. Auch die Bundesnetzagentur hatte die Zertifizierung zuletzt ausgesetzt.

Es ist ein Teufelskreis: Die Gaspreise sind hoch, weshalb leere Speicher nicht mit Erdgas befüllt werden. Durch den Mangel entsteht weiterer Preisdruck, als Resultat wurde Heizen zuletzt deutlich teurer. Der zweite Geschäftsführer des Verbraucherdienstes VBD, Markus Wolf, hatte im Hinblick auf Rückzahlungen bei Gas nicht zu Unrecht gewarnt, „die Bombe wird platzen“. Perspektivisch wird sich die Lage beruhigen, da ist sich die Wirtschaftsexpertin Grimm sicher – die Frage ist wann.

Gas- und Strompreise: Energiepreiskrise fällt mit CO₂-Bepreisung zusammen

Und es gibt noch einen weiteren Faktor, der sich ungünstig für Verbraucher auswirkt: Die aktuelle Energiekrise fällt zusammen mit einer Periode, in der die CO₂-Bepreisung anfängt, Fuß zu fassen. In den Bereichen Wärme und Verkehr war sie 2021 eingeführt worden, um fossile Brennstoffe unattraktiver und klimafreundliche Lösungen interessanter zu machen. Der Kreiszeitung sagt Grimm „das ist auch richtig so“. Der CO₂-Preis wird von 25 Euro pro Tonne CO₂ in diesem Jahr, auf dreißig Euro 2022 ansteigen, bis er 2025 bei mindestens 55 und maximal 65 Euro liegt. Ein Preisanstieg, der sich auch auf den Gaspreis 2022 auswirkt.

Gestiegene Gaspreise über Strompreis ausgleichen? EEG-Umlage soll abgeschafft werden „je früher, desto besser“

Gegenüber der Kreiszeitung befürwortet Veronika Grimm hohe CO₂-Preise, sie sieht darin einen Anreiz für Unternehmen und Verbraucher, klimafreundliche Investitionen zu tätigen. Sie sollen dafür aber ihrer Meinung nach an anderer Stelle deutlich entlastet werden, dabei gibt es laut der Wirtschaftsexpertin verschiedene Möglichkeiten – beispielsweise über die EEG-Umlage: Sie soll 2023 abgeschafft werden, wodurch der Strompreis deutlich sinken würde. So sieht es auch der Koalitionsvertrag der Regierung unter Kanzler Olaf Scholz vor.

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Ein Durchschnittshaushalt zahlt durch die gestiegenen Gaspreise jährlich im Schnitt 350 Euro mehr, eine enorme Mehrbelastung für Verbraucher. Die Abschaffung der EEG-Umlage, die aktuell einen Anteil des Strompreises ausmacht, würde bei der finanziellen Mehrbelastung gewisse Abhilfe schaffen. Auch Veronika Grimm befindet im Gespräch mit der Kreiszeitung beim Blick auf die geplante Abschaffung der Umlage „je eher, desto besser“.

Die Streichung, also Entlastung über den Strompreis, könnte ein Mechanismus sein, um bei Kosten für Verbraucher gegenzusteuern. Eine Erkenntnis bleibt dennoch unausweichlich: Auch der Jahreswechsel bringt vorerst keine Erleichterung.*kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand / dpa

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