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Tag der Wahrheit: Wie teuer wird die Gasumlage? Beschluss über Höhe gefallen

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Von: Yannick Hanke

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Die Gasumlage ab Oktober 2022 ist beschlossene Sache. Doch was bedeutet sie für Verbraucher? Wie teuer fällt sie aus und wie viel Mehrkosten kommen?

Update vom 15. August 2022 um 12:08 Uhr: Die staatliche Gasumlage ist beschlossene Sache. Am Montag, 15. August 2022, wurde die Höhe auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. Damit kommen ab Oktober erhebliche Mehrkosten auf zahlreiche Gas-Verbraucher in Deutschland zu. Die genaue Höhe der Gasumlage wurde von dem Marktgebietsverantwortlichen „Trading Hub Europe“ (THE), einem Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber in Deutschland, berechnet.

Wie teuer wird die Gasumlage? Beschluss über Höhe fällt heute

Erstmeldung vom 14. August um 17:00 Uhr: Berlin – Am Montag, 15. August 2022, steht die Gasumlage im bundesweiten Mittelpunkt. Schließlich soll dann ihre Höhe zur Rettung systemrelevanter Gasimporteure bekannt gegeben werden. Schon vorher ist klar, dass Millionen Verbraucher mit erheblichen Mehrkosten rechnen müssen. Bevor die Gasumlage ab Oktober 2022 greift, gilt es aber noch einige offene Fragen zu klären. kreiszeitung.de hält die Antworten bereit.

Gasumlage im Oktober 2022: Wie teuer wird die Gasumlage und in welcher Höhe fällt sie aus?

Wie eingangs skizziert, soll die konkrete Höhe der Gasumlage am Montag, 15. August, mitgeteilt werden. Berechnet wird sie vom Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber. Zuletzt ging das Wirtschaftsministerium von einer Spanne von 1,5 bis fünf Cent je Kilowattstunde aus. Alle Gasverbraucher, also Firmen wie Privathaushalte in Deutschland, müssen die Gasumlage zahlen.

Im kleinen Bild werden 100-Euro-Banknoten in die Kamera gehalten. Im großen Bild brennt eine Gasflamme auf einem Küchenherd.
Ab Oktober 2022 greift die staatliche Gasumlage. Doch was müssen Verbraucher vorab darüber wissen? © Hauke-Christian Dittrich/dpa/imago/Montage

Erste Rechnungen zur Höhe der Gasumlage gibt es bereits durch das Vergleichsportal Verivox. Für einen Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden wurden Mehrkosten zwischen 89 und 298 Euro errechnet. Ein typischer Pärchenhaushalt würde demnach mit 214 bis 714 Euro belastet, eine Familie im Einfamilienhaus (20 000 Kilowattstunden Verbrauch) mit 357 bis 1190 Euro. Bei den Rechnungen zur Gasumlage ist auch die Mehrwertsteuer enthalten. Hinzukommen aber auch noch marktgetriebene, teilweise drastische Preissteigerungen, die peu à peu bei den Kunden ankommen.

Wann kommt die Gasumlage bei den Verbrauchern an?

Die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) forcierte Gasumlage gilt ab Anfang Oktober 2022. Doch werde sie laut dem Ministerium nicht unmittelbar auf den Rechnungen der Verbraucher sichtbar werden, sondern erst mit etwas Zeitverzug. Schließlich gebe es aus Verbraucherschutzgründen Ankündigungsfristen im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) von vier bis sechs Wochen, die eingehalten werden müssten. Die Gasumlage werde wahrscheinlich erst im November oder Dezember auf Rechnungen ausgewiesen werden.

Doch rechnet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) damit, dass manche Versorger die Gasumlage ihren Kunden schon ab dem 1. Oktober in Rechnung stellen werden. Die Umlage wird laut Ministerium monatlich abgerechnet und kann alle drei Monate angepasst werden. Grundsätzlich hängt die Höhe der Gasumlage von Umfang und Preis des als Ersatz beschafften Gases sowie von der Nachfrage ab. Es gilt: Je höher der Ausgleich für die Importeure, desto höher auch die Umlage.

Wofür braucht es die Gasumlage überhaupt?

Die Gasumlage kommt wie folgt zustande: Gasimporteure haben Lieferpflichten gegenüber ihren Kunden, vor allem gegenüber Stadtwerken. Die Importeure können diesen Lieferpflichten aber nur gerecht werden, indem sie die ausgefallenen Mengen aus Russland durch den Kauf deutlich teurerer Mengen am Kurzfristmarkt ersetzen. Bisher können diese Mehrkosten nicht weitergegeben werden. Die Existenz von Unternehmen steht auf dem Spiel, erhebliche Verluste sind die Realität.

Mit dem Versorger Uniper hatte der Bund deswegen bereits ein milliardenschweres Rettungspaket vereinbart. Da dies allein jedoch nicht reicht, beschloss die Politik, die Gasumlage auf alle Gaskunden anzuwenden. Alternativ hätte der finanzielle Ausgleich für die Gasimporteure über den Staatshaushalt finanziert werden müssen. Doch wäre das laut Verordnung mit „erheblichen Belastungen“ des Etats verbunden gewesen.

Wie genau funktioniert die Gasumlage eigentlich?

Kern der Gasumlage sind Ausgleichszahlungen an die Gasimporteure. Sie sollen ausreichen, um Insolvenzen zu verhindern. Und: Mit der Gasumlage sollen „weitere massive Preissteigerungen durch den insolvenzbedingten Ausfall für den Markt wichtiger Gasimporteure“ verhindert werden. Doch ist der finanzielle Ausgleich für betroffene Gasimporteure zeitlich beschränkt. Und zwar auf die Erfüllung von vertraglichen Lieferverpflichtungen vom 1. Oktober 2022 bis zum 1. April 2024.

Um die Gasumlage zu berechnen, gibt es eine komplexe Formel. Sie berücksichtigt unter anderem den Unterschied zwischen dem vertraglich vereinbarten und dem aktuellen Einkaufspreis. Doch muss die Höhe der Mehrkosten durch die Gasumlage von Wirtschaftsprüfern testiert werden. Laut Bundeswirtschaftsministerium erfolgt der Ausgleich über die Gaslieferanten, die die Kosten für gewöhnlich an ihre Kunden weitergeben werden.

Welche offenen Fragen hinsichtlich der Gasumlage gibt es denn noch?

Ein Problem bei der Gasumlage ist, wie mit Kunden umgegangen wird, die Festverträge besitzen. Aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums hieß es bislang nur, dass die geprüft werde. In einem Brief an Robert Habeck hatten der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bereits gewarnt, dass eine Preisanpassung gegenüber Kunden mit Verträgen ohne Anpassungsmöglichkeit bis zum 1. Oktober nicht durchgesetzt werden könne. Und das würde im Schnitt rund 25 Prozent der Haushaltskunden und des Kleingewerbes betreffen.

Die Folge wäre, dass die Unternehmen zwar die Umlage an den Marktgebietsverantwortlichen zahlen müssen, diese aber nicht sofort von den Letztverbrauchern erstattet bekommt.

Der BDEW und der VKU in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Bei Festpreisverträgen und in der aus Gas erzeugten Strom- und Fernwärmeversorgung drohe ein Totalausfall, wenn die Gasumlage vertraglich nicht weitergegeben werden könne. Denn „dadurch entstehen erhebliche Liquiditätsprobleme bei den Energieversorgern, die wegen der ohnehin angespannten Finanzsituation auch zur Insolvenz führen können“.

Wie verhält es sich mit der Mehrwertsteuer in Bezug auf die Gasumlage?

Nach aktuellem Stand wird auf die staatliche Gasumlage auch die Mehrwertsteuer fällig. Heißt: Während die Verbraucher zum Teil ordentlich zahlen müssen, verdient der Staat mit. Die Politik würde die Gasumlage gern von der Mehrwertsteuer befreien – nach europäischem Recht ist das bislang aber nicht vorgesehen. Doch hat Finanzminister Christian Lindner auf EU-Ebene bereits um eine Ausnahme gebeten.

So bittet Lindner in einem Brief an EU-Finanzkommissar Paolo Gentiloni, dass dieser von seinem Initiativrecht Gebrauch machen möge und so den EU-Staaten die Möglichkeit zu geben, auf staatliche Abgaben im Energiebereich für eine Weile keine Mehrwertsteuer zu erheben. Unabhängig davon werde Deutschland nach Artikel 395 der Mehrwertsteuerrichtlinie aber ebenfalls eine Ausnahme beantragen. Zudem hatte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) vorgeschlagen, Mehrwertsteuereinnahmen aus der Gasumlage an ärmere Haushalte weiterzugeben.

Außer der Gasumlage: Welche staatliche Umlage kommt noch?

Neben der Beschaffungsumlage steht im Herbst 2022 noch eine Gasspeicherumlage an. Diese soll der Trading Hub Europe die Kosten ersetzen, die ihr zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit entstehen, also für den Einkauf von Gas. Das Wirtschaftsministerium geht aber nicht davon aus, dass diese Umlage eine „relevante Größe“ erreichen wird.

Auch wegen der Gasumlage: Welche zusätzlichen Entlastungen plant die Bundesregierung?

Erst am Donnerstag, 11. August 2022, hatte Kanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigt, dass die Bundesregierung die Bürger nicht allein lassen werden. Anfang 2023 soll es deswegen zu einer deutlichen Ausweitung des Wohngelds kommen. Geplant ist aber auch ein dauerhafter Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte.

Darüber hinaus plant Finanzminister Christian Lindner steuerliche Entlastungen. Doch ist sein Konzept innerhalb der Koalition mehr als umstritten. Teile der Grünen und der SPD bezeichnen sein Vorhaben hinsichtlich steuerlicher Entlastungen als „sozial unausgewogen“. (Stand der Daten: 14. August 2022, 21:00 Uhr)

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