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Entlastungspaket 2022: Benzin oder Bahn – so holen Sie sich die Rabatte

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Von: Jens Kiffmeier

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Energiepreispauschale, Tankrabatt oder 9-Euro-Ticket: Das Entlastungspaket 2022 verspricht Rabatte ab Juni. Doch wie und wann kommt man ran? Alles zur Auszahlung.

Berlin – Benzin, Strom, Heizen oder Lebensmittel: Der Ukraine-Krieg treibt die Preise nach oben. Als Ausgleich hat die Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD) bereits das Entlastungspaket 2022 auf den Weg gebracht. Egal ob Tankrabatt, eine Energiepreispauschale von 300 Euro, ein Kinderbonus, ein Zuschuss zu Hartz IV oder das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) – ab Juni können die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher auf zahlreiche Vergünstigungen bauen. Doch wie funktioniert die Auszahlung? Wir liefern alle Antworten.

Entlastungspaket 2022: Ab wann? So funktioniert die Auszahlung zum Ausgleich der Energiekosten

Ursprünglich hatte die Bundesregierung die Umsetzung vom Entlastungspaket 2022 bereits für den Mai angekündigt. Doch die Umsetzung der insgesamt 17 Milliarden Euro teuren Maßnahmen verzögerte sich. Denn zuvor müssen die einzelnen Gesetzesentwürfe noch durch Bundesrat und Bundestag gebracht werden. Angesichts einer hohen Zustimmung in Bund und Ländern zur Energiepreispauschale, zum Tankrabatt, zum Kinderbonus sowie zum 9-Euro-Ticket geht Finanzminister Christian Lindner (FDP) aber fest davon aus, dass die Einführung aller Maßnahmen zum 1. Juni „realistisch“ ist. Ähnlich hatte sich auch schon Verkehrsminister Volker Wissing zuvor geäußert.

Das Entlastungspaket der Regierung soll ab Juni 2022 ausgezahlt werden – zusätzlich zum 9-Euro-Ticket, den Steuersenkungen und der Energiepauschale
Das Entlastungspaket der Regierung soll ab Juni 2022 ausgezahlt werden – zusätzlich zum 9-Euro-Ticket, den Steuersenkungen und der Energiepauschale. (kreiszeitung.de-Montage) © Georg Wendt/dpa/Wolfgang Maria Weber/imago

Der Handlungsdruck ist groß. Nachdem die Preise für Benzin, Diesel, Gas, Öl und Kohle bereits zum Jahresanfang unter Druck geraten waren, befeuerte die Ukraine-Krise erneut deutliche Preissprünge. Neben der Energie verteuerten sich auch die Lebensmittelpreise. Derzeit liegt die Inflation bei 7,3 Prozent, weswegen Experten bereits einen wirtschaftlichen Einbruch im Bruttoinlandsprodukt von 0,3 Prozent befürchten. „Deshalb ist es gut, dass die Ampel das angekündigte Entlastungspaket auf den Weg bringt“, twitterte FDP-Wirtschaftspolitiker Gerald Ulrich. Denn die Zahlen könne man nicht gutheißen.

Insgesamt sollen nun alle Deutschen mehr oder weniger von dem Entlastungspaket profitieren. Gemein ist allen Maßnahmen, dass die Verbraucher kaum etwas tun müssen. Die Entlastungen sollen unbürokratisch und ohne Antrag bei den Deutschen ankommen. Doch was heißt das genau für die Auszahlung? Hier der Überblick:

Energiepreispauschale von 300 Euro: Arbeitnehmer bekommen Energiepauschale direkt auf das Konto

Ein zentraler Baustein ist die Energiepreispauschale. Sie beträgt 300 Euro. Anspruch darauf hat jeder einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige, der in den Steuerklassen 1 bis 5 eingeordnet ist. Das Geld wird automatisch über das Gehalt ausgezahlt, sprich die Arbeitgeber werden die 300 Euro direkt auf das Konto ihrer Angestellten überweisen. Es handelt sich dabei um eine Einmalzahlung. Jedoch ist der Bonus brutto, das heißt es werden noch Einkommenssteuer und Sozialabgaben abgerechnet. Selbstständige sollen die Energiepauschale derweil über eine einmalige Senkung ihrer Einkommenssteuer-Vorauszahlung erhalten. Im Gegensatz zu der werktätigen Bevölkerung gehen die Rentnerinnen und Rentner bei der Energiepauschale aber leer aus. Sie haben keinen Anspruch auf die Vergünstigung.

Tankrabatt: Mit Spritpreisbremse für Benzin und Diesel greift Bundesregierung regulierend in den Markt ein

Menschen im Ruhestand profitieren aber ab Juni zumindest vom Tankrabatt. In erster Linie zielt diese Maßnahme zwar auf die vielen Pendlerinnen und Pendler, die angesichts der gestiegenen Spritpreise starke finanzielle Einbußen auf dem Weg zur Arbeit hinnehmen müssen. Doch am Ende können alle Deutschen billiger tanken. Denn die Ampel-Koalition wird für drei Monate regulierend in den Markt eingreifen und die Energiesteuer auf Kraftstoffe zu senken.

Dadurch wird von Juni bis August automatisch das Benzin um 30 Cent pro Liter günstiger, Diesel soll 14 Cent pro Liter billiger werden. Entscheidend für den Erfolg der Spritpreisbremse wird aber sein, dass die Tankstellen den Rabatt auch an die Autofahrer weitergeben. Die Bundesregierung will darauf verstärkt achten, hieß es zuletzt. Doch trotz Tankrabatt sollten die Verbraucher die Augen weiter offenhalten und die Preise an den Zapfsäulen weiterhin vergleichen.

9-Euro-Ticket im Entlastungspaket: Wo kann man die Karte für ÖPNV kaufen?

Dennoch bleibt Autofahren auch in Zukunft teuer. Deshalb will die Politik möglichst viele Menschen in Deutschland zum Umstieg auf Bus und Bahn motivieren. Mit dem 9-Euro-Ticket wird nun ein zusätzlicher Anreiz geschaffen. Ab Juni kann die Monatskarte erworben werden. Das 9-Euro-Ticket berechtigt bundesweit zu Fahrten in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV), dazu zählt auch der Regionalverkehr, nicht aber der Fernverkehr. Der Verkauf des günstigen Tickets läuft die Unternehmen vor Ort – online, an Fahrkartenautomaten, über die Navigator-App der Deutschen Bahn oder am Schalter der Kundenzentren der Verkehrsbetriebe.

Kindergeldbonus: Wer bekommt ihn? Familienkassen zahlen Zuschuss aus Entlastungspaket ohne Antrag aus

Das 9-Euro-Ticket könnte für Familien in Deutschland durchaus interessant sein, können sie doch sogar pünktlich zu den Sommerferien billig kreuz und quer durch das Land fahren. Denn gerade bei vielen Familien reißen die gestiegenen Ausgaben für Heizen, Benzin und Lebensmitteln prozentual gesehen ein großes Loch in die Haushaltskasse. Deshalb gönnt die Scholz-Regierung ihnen zusätzlich zu den anderen Maßnahmen auch noch einen Zuschuss zum Kindergeld. Der sogenannte Kindergeldbonus beträgt 100 Euro und wird direkt über die Familienkassen ausgezahlt – einmalig und ohne Antrag.

Einen Anspruch haben prinzipiell alle Eltern. Jedoch wird der Kinderbonus 2022 auf den Kinderfreibetrag angerechnet. Dadurch profitieren Spitzenverdiener wenig bis gar nicht von der sozialen Wohltat. Familien mit einem geringen Haushaltseinkommen dürfen sich aber erneut über ein wenig Extra-Geld freuen, nachdem bereits 2020 und 2021 zweimal ein Kinderbonus wegen der Folgen der Corona-Pandemie ausgezahlt worden war. Ob das Geld aber bereits im Juni kommt, ist noch fraglich. Experten gehen davon aus, dass die Familienkassen mehr Vorlaufzeit brauchen und der Kindergeldbonus erst im Herbst überwiesen werden kann.

Hartz IV: Zuschuss von 100 Euro im Entlastungspaket muss man nicht beantragen – alles automatisch

Auf Sozialleistungen wie etwa Hartz IV soll der Kinderbonus 2022 aber nicht angerechnet werden. Dadurch können sich die Empfänger der Grundsicherung über einen weiteren Zuschuss freuen. Denn Hartz-IV-Bezieher erhalten im Rahmen des Entlastungspaketes 2022 einen weiteren Einmalbonus in Höhe von 100 Euro. Auch dieser soll irgendwann zusammen mit dem Regelsatz automatisch und ohne Antrag überwiesen werden. Jedoch hat sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) noch nicht zu einem konkreten Starttermin geäußert.

Entlastungspaket 2022: Rentnerinnen und Rentner gehen leer aus – Forderung nach Nachbesserung

Inwiefern das Entlastungspaket 2022 insgesamt den Teuerschock abmildern kann, bleibt aber abzuwarten. Grundsätzlich hatten in den vergangenen Wochen viele Wirtschaftsexperten das Maßnahmenbündel begrüßt, unter anderem auch, weil insbesondere Geringverdiener davon profitieren können. Jedoch rechnen die Ökonomen nicht damit, dass die Preise für Energie und Lebensmittel allzu rasch wieder sinken werden.

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Vor diesem Hintergrund regt sich bereits auch schon Kritik. So forderte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Bundesregierung auf, bei einzelnen Vorhaben noch einmal nachzusteuern. Vor allem die Energiekostenpauschale sei zu gering, sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher jetzt der Rheinischen Post. Mit einmalig 300 Euro ließe sich die Kostensteigerung nicht auffangen. Außerdem, so der Experte weiter, müsse das Instrument allen Menschen in Deutschland zugutekommen. Sprich: Auch Rentnerinnen und Rentner brauchen die Hilfe.

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