Grundsicherung

Weihnachten mit Hartz IV: Muss ich Geldgeschenke anrechnen lassen?

Weihnachtsgeschenke: Geschenke liegen unter einem Tannenbaum.
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Weihnachtsgeschenke: Geschenke liegen unter einem Tannenbaum.

Weihnachten steht vor der Tür. Für viele Hartz-IV-Empfänger sind die Feiertage auch mit einer Frage verbunden: Welche Geschenke darf ich wirklich behalten?

Berlin – Bunte Lichterketten, ein leckeres Festmahl und teure Geschenke – das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Während die meisten Deutschen zur Weihnachtszeit abschalten, bedeutet der letzte Monat im Jahr für Hartz-IV-Empfänger oftmals Stress. Nicht nur, dass sie mit ihrem geringen Einkommen deutlich weniger Spielraum für ein schönes Weihnachtsfest haben – auch der Umgang mit Geschenken verunsichert viele Bezieher der Grundsicherung. 

Grundsicherung:Hartz IV (Arbeitslosengeld II)
Empfänger:Rund 3,8 Millionen Menschen
Regelsatz:446 Euro für Alleinstehende

„Muss ich meine Geldgeschenke anrechnen lassen“, ist eine Frage, die häufig kurz vor den Feiertagen aufkommt. Und die Antwort darauf ist gar nicht mal so eindeutig. Noch vor einigen Jahren hat das Jobcenter konsequent alle Geldgeschenke über 50 Euro auf den Regelsatz angerechnet. Heute werden einmalige Zuwendungen in einem „angemessenen Rahmen“ nicht mehr angerechnet. Angemessen ist in diesem Zusammenhang allerdings ein sehr schwammiger Begriff. 

Als Richtlinie dafür, was angemessen ist und was nicht, gilt: Wenn sich das Vermögen des Hartz-IV-Empfängers durch das Geldgeschenk so stark vermehrt, dass der Bedarf an der Grundsicherung entfällt, dann wird der Betrag in jedem Fall angerechnet. Einige Jobcenter ziehen aber auch heute noch bei 50 Euro die Grenze. In diesem Fall kann der Empfänger allerdings Widerspruch einlegen. 

Weihnachten mit Hartz IV: Diese Geschenke für Kinder werden nicht angerechnet

Bei Kindern von Hartz-IV-Empfängern sind die Regeln für Geschenke etwas klarer. Allgemeine Zuwendungen wie Geld- und Sachgeschenke sind hier eindeutig erlaubt und müssen nicht angerechnet werden. Zur Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe sind sogar Geldgeschenke von bis zu 3100 Euro ohne Anrechnung möglich. Minderjährige Kinder von Hartz-IV-Empfängern können zudem ein monatliches Taschengeld in Höhe von 10 Euro, volljährige Kinder in Höhe von 30 Euro anrechnungsfrei bekommen.

Arbeitnehmer, die ihr monatliches Einkommen lediglich mit Hartz IV aufstocken, müssen hingegen alle Extra-Zuwendungen, die über den Freibetrag von 100 Euro pro Monat hinausgehen, anrechnen. Das trifft auch auf das Weihnachtsgeld zu, das sie vielleicht von ihrem Arbeitgeber bekommen. Möglich ist hier aber, dass das Zusatz-Einkommen auf sechs Monate angerechnet wird und dadurch trotzdem ein kleines Plus in der Weihnachtskasse landet. 

Frohes Weihnachtsfest: Das ist an den Feiertagen wirklich möglich für Hartz IV-Empfänger

Wer als Hartz-IV-Empfänger das Weihnachtsfest vorbereitet, der ist ohnehin dankbar über jeden zusätzlichen Euro. Im Jahr 2021 beträgt der Regelsatz für einen Alleinstehenden 446 Euro. Damit sollen alle Kosten des täglichen Bedarfs gedeckt werden. Die zunehmende Inflation und die damit steigenden Preise werden dabei nicht berücksichtigt. Genauso wenig, wie die Weihnachtszeit. Ein Weihnachtsbaum oder Geschenke sind demnach im Hartz-IV-Regelsatz schlichtweg nicht vorgesehen.

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Während die meisten Deutschen sich also im Dezember auf das Weihnachtsgeld freuen und voller Vorfreude Geschenke shoppen, drehen Hartz-IV-Empfänger in dieser Zeit jeden Cent zweimal um. Zum Vergleich: Ein Alleinstehender Grundsicherungsempfänger hat 446 Euro monatlich zum Leben. Laut Statista planen die Deutschen in diesem Jahr, durchschnittlich rund 522 Euro pro Kopf für Weihnachtsgeschenke auszugeben. 

Weihnachtsbonus für Hartz-IV-Empfänger? Das fordern die Linken seit Jahren

Aus gutem Grund forderte vor allem die Linke bereits vor Jahren, dass auch Hartz-IV-Empfänger einen Weihnachtsbonus erhalten. Die Linke-Politikerin Sabine Zimmermann etwa sagte 2017 in einem Interview: „Es ist beschämend und traurig, dass Millionen Menschen sich ein Weihnachtsfest nicht leisten können.“ 

Vielleicht kommt aber mit dem neuen Bürgergeld der Ampel-Regierung aus SPD, FDP und Grüne auch eine entsprechende Zusatzleistung dazu. Und vielleicht wird dann auch die schwammige Regelung für Geldgeschenke an Hartz-IV-Empfänger klarer – und großzügiger – formuliert. Bis aber Klarheit herrscht, kann es allerdings noch ein paar Monate dauern. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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