Kommentar

Warum die Bundestagswahl keine Personenwahl sein sollte

Die drei Kanzlerkandidaten sind kurz vor der Bundestagswahl omnipräsent. Dabei sollte es nicht um Personen, sondern um Inhalte gehen. Ein Kommentar.

Berlin – Ein Zyniker würde den Bundestagswahlkampf wohl am ehesten mit einer mittelmäßigen Castingshow vergleichen. Im Mittelpunkt stehen die drei Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Sie treten in TV-Shows gegeneinander an – und in der Öffentlichkeit in jede Menge Fettnäpfchen. Es wirkt beinahe so, als könnten wir am 26. September in der Wahlkabine unseren neuen Lieblingskanzler direkt wählen. Zum Glück sieht das in der Realität anders aus – denn bei der Bundestagswahl sollte es nicht um Personen, sondern um Inhalte gehen. 

WasBundestagswahl
Wann26. September 2021
KanzlerkandidatenAnnalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD)
Wer60,4 Millionen Wahlberechtigte

Zugegeben, die Forderung ist nicht wirklich neu. Nur leider hat sie bisher niemand so richtig durchsetzen können. Denn am Ende – das ist Konsens in der Wahlforschung – entscheiden Emotionen über den Wahlausgang. Und bei genauer Betrachtung des diesjährigen Wahlkampfes ist das auch kein Wunder. Denn die mediale Omnipräsenz der Kanzlerkandidaten lässt die Inhalte ihrer Parteien schnell in den Hintergrund rücken. 

Emotionen oder Inhalte – was sollte die Bundestagswahl wirklich entscheiden?

Statt konkreten Zukunftsplänen und Lösungsansätzen lesen wir Schlagzeilen, die uns emotional ergreifen. Wir reagieren empört, wenn Annalena Baerbock das N-Wort benutzt, echauffieren uns darüber, dass Laschet im Hochwassergebiet schmunzelt* und amüsieren uns über das schlumpfige Grinsen von Olaf Scholz. Und auf der menschlichen Ebene ist das ganz normal. Aber sollten wir auf Basis von Sympathie entscheiden, wer unser Land regiert?

Einer kann nur gewinnen: Die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock und Armin Laschet (CDU) vor der Bundestagswahl.

Wer möchte, dass Deutschland sich in den kommenden Jahren in seinem Sinne entwickelt, der kann diese Frage eigentlich nur mit einem klaren „Nein“ beantworten. Denn bei der Bundestagswahl geht es nicht darum, eine Person an die Regierungsspitze zu wählen – was wir übrigens ohnehin nicht selbst machen. Es geht vielmehr darum, wie wir in Zukunft unser Leben gestalten wollen, welche Werte unser Leben prägen und welche Themen uns wirklich bewegen.

Mit insgesamt 47 Parteien, die zur Bundestagswahl antreten, gibt es mit Sicherheit für jeden von uns mindestens eine Möglichkeit, die richtige Entscheidung zu treffen. Denn Politik wird für uns Menschen gemacht – und Politiker sind dafür da, unsere Interessen durchzusetzen. Und das können sie im Zweifel auch, wenn sie mal Fehler machen. Will sagen: Sympathie sagt nichts über die politische Kompetenz aus. Statt den Superhelden auf dem Wahlzettel zu suchen, sollten wir also vielleicht eine pragmatische Wahl treffen. Und zwar für die Partei, deren Inhalte unsere ganz persönlichen Anliegen am besten widerspiegeln.

Bundestagswahl 2021: Für diese Inhalte stehen Grüne, CDU und SPD

Der wichtigste Schritt zum besten ganz persönlichen Wahlerlebnis ist ganz einfach: Information. Wer sich mit den Inhalten der Parteien auseinandersetzt, der wird schnell merken, dass der persönliche Eindruck der Kandidaten nicht ansatzweise alles über sie verrät. 

So stehen die Grünen zum Beispiel für den Neuanfang in der Politik und setzen sich für einen strikten Klimaschutz ein – aber sind auch in sozialen Themen engagiert. Die SPD will mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland erreichen und das am besten noch mit Klimaschutz und Wirtschaft in Einklang bringen. Und die CDU hat sich Stabilität in der Krise auf die Fahne geschrieben – kann aber eben auch das kompromissbereite Gesicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben. 

Bundestagswahk 2021: Kann eine Strategie-Wahl gegen eine Partei gelingen?

Richtig oder falsch gibt es bei der Entscheidung am Ende nicht. Jeder Wähler entscheidet individuell, wem er seine Stimme gibt. Viele Wähler liebäugeln in diesem Jahr wieder mit einer Strategie-Wahl. Da die Regierung diesmal wahrscheinlich aus drei Parteien gebildet werden muss, fällt die Wahlentscheidung dabei manchmal für eine Partei aus, die am ehesten eine andere verhindern kann. Dass die Taktik gelingt, ist allerdings fraglich. In diesem Jahr gibt es viele mögliche Kombinationen und der Wahlausgang ist so offen, wie schon lange nicht mehr.

Das Einfachste ist natürlich, die Wahlentscheidung aufgrund von Sympathie zu treffen. Und am Ende entscheidet jeder selbst, warum er sein Kreuz wohin setzt. Aber das geringste Risiko einer Enttäuschung birgt nun mal die Wahlentscheidung, die auf einer tiefen Überzeugung beruht. Und die kann man treffen, wenn man auch mal hinter die Fassade der einzelnen Kandidaten und auf die Inhalte der Partei blickt. Um eben das zu entdecken, worum es wirklich geht: die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Wenn wir es schaffen, diese gemeinsam zu finden, dann sind wir am Ende alle Sieger der ungewöhnlichen Castingshow. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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