Kampf um das Kanzleramt

Wahlumfragen zur Bundestagswahl: Voll daneben oder besser als ihr Ruf?

Scholz oder Laschet? Vor der Bundestagswahl wird über die Aussagekraft der Umfragen gestritten. Doch die Demoskopen irren kaum – von kleinen Ausnahmen abgesehen.

Berlin – Sie sahen den Brexit nicht kommen. Und auch nicht US-Präsident Donald Trump. Und dann ist da noch die Sache mit der AfD. Sie lieferte sich im Sommer dieses Jahres kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU. Laut Insa-Umfrage lagen beide Parteien nur ein Prozent auseinander. Doch dann kam das Wahlergebnis: Die Union schaffte 37,1 Prozent, die Rechtspopulisten 20,8 Prozent. Satte 16,3 Punkte Unterschied. Ups. Für Kritiker ein weiterer Beleg dafür, dass man Umfragen vor einer Wahl in der Pfeife rauchen kann.

Bundestagswahl 2021: Wahl zur 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages
Wahltermin:26. September 2021
Art der Wahl:geheim
Kanzlerkandidaten:Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock

Bundestagswahl 2021: Bei Wahlumfragen treffen Meinungsforscher oftmals ins Schwarze

Doch stimmt das? Wie sind solche Abweichungen zu erklären? Fragen, die sich insbesondere vor der anstehenden Bundestagswahl wieder in den Vordergrund drängen. Der Verdacht liegt nahe, dass die Stimmungsschwankungen in der Wählerschaft mittlerweile so groß sind, dass die Demoskopen gar keine Chance auf eine konkrete Prognose haben.

Doch dabei handelt es sich offensichtlich um einen weitläufigen Irrtum.

Schauen derzeit sehr genau auf die Wahlumfragen: die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). (Montage von kreiszeitung.de)

Umfragen zur Bundestagswahl 2021: „Wesentlich besser als ihr Ruf“

Grundsätzlich seien Umfragen „wesentlich besser als ihr Ruf“, sagt Politikexperte Frank Brettschneider zu kreiszeitung.de. Als Beleg führt der Professor von der Universität Hohenheim eine Studie von Jennings und Wlezien aus dem Jahr 2018 an. Die beiden Forscher berechneten dabei, wie stark die Wahlumfragen vom tatsächlichen Wahlergebnis abwichen. Ihre Analyse war sehr umfangreich. So legten sie mehr als 30.000 Umfragen zu 352 landesweiten Wahlen in 45 Staaten zugrunde – und zwar zwischen den Jahren von 1942 bis 2017.

Die Ergebnisse sind verblüffend: Laut Brettschneider wichen die zuletzt veröffentlichten Wahlumfragen im Schnitt weniger als zwei Prozentpunkte von den tatsächlichen Wahlergebnissen ab. Bei Parlamentswahlen seien die Abweichungen geringer als bei Präsidentschaftswahlen gewesen. Und je näher eine Wahl rückte, umso kleiner wurden die Abweichungen.

Bundestagswahl: Studie belegt – Prognosen in Umfragen weichen kaum von Wahlergebnissen ab

Eine Stichprobe des Hamburger Abendblattes bestätigt das. Angesichts des aktuellen Höhenflugs der SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz wollte die Redaktion wissen, wie verlässlich die Umfragen für den Vizekanzler sind. Deswegen wurde der Deutschlandtrend fünf Wochen vor den Bundestagswahlen von 2009, 2013 und 2017 mit den tatsächlichen Wahlergebnissen abgeglichen. Und siehe da: Bei den Genossen trafen die Forscher von Infratest Dimap fast dreimal ins Schwarze.

2009 wurden der SPD 23 Prozent vorausgesagt. Ergebnis am Wahlabend: 23 Prozent. Vier Jahre später war die Situation ähnlich. Aus den prophezeiten 25 Prozent wurden am Ende: 25,7 Prozent der Stimmen. Nur 2017 mussten die Demoskopen eine größere Abweichung hinnehmen. Aus den vorausgesagten 22 Prozent blieben am Ende nur 20,5 Prozent übrig. Aber dennoch eine große Treffsicherheit.

Bundestagswahl 2021: SPD in Umfragen vor CDU – doch Union macht sich noch Hoffnung

Doch was bedeutet das jetzt für die CDU? Nachdem Kanzlerkandidat Armin Laschet in den vergangenen Wochen einen fulminanten Umfrageabsturz hinlegte und die SPD als stärkste Kraft an sich vorbeiziehen lassen musste, rechnet sich die Partei weiterhin große Wahlchancen aus. Trotz eines Rückstands von vier bis sechs Prozent wollte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Wahl noch nicht verloren geben. Es gebe durchaus Anzeichen für eine Trendwende, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Das Rennen sei viel knapper, als manch einer wegen der Umfrage glaube.

Kann Armin Laschet den Stimmungstrend noch drehen? Unser kostenlose Newsletter hält Sie umfassend auf dem Laufenden.

Das mag sogar sein. So sind derzeit noch fast 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler unentschlossen. Dieses Potenzial kann die Union noch heben – und in den Umfragen bis zum Wahltag aufholen. Aber das hat dann nichts mit falschen Erhebungen zu tun.

Zwar kann es auch mal zu Abweichungen kommen, wie Wahlforscher Brettschneider einräumt. Als Ausnahmen nennt er die Umfragen vor dem Brexit oder aus der Zeit, als die AfD neu aufgetreten sei und es einfach an Vergleichswerten gefehlt habe. Aber das schmälere insgesamt nicht die Aussagekraft von Umfragen. Brettschneider: „Im Großen und Ganzen sind die Umfragen der seriösen Institute recht genau.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/Bernd Weisbrod/dpa

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