Bundestagswahl 2021

Wahlkampfthema Bildung: Brauchen wir einen sozialen Systemwandel?

Einschulung in Niedersachsen
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Bildung gehört zu den wichtigsten Themen im Bundestagswahlkampf

Bildung gehört zu den wichtigsten Themen im Bundestagswahlkampf. Und das aus gutem Grund: Das Bildungssystem in Deutschland steht kurz vor einem Update.

Hannover – Deutschland ist ein Land der Ungleichheit. Hierzulande herrscht es eine große soziale Ungleichheit mit vielen unterschiedlichen kulturellen, finanziellen und geografischen Lebensräumen. Und laut einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wirkt sich das auch maßgeblich auf unser Bildungssystem aus.

Was:Bundestagswahl
Wann:26. September 2021
Kanzlerkandidaten:Annalena Baerbock (Bündnis90/ Die Grünen), Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD)

Die Studie vergleicht Bildungsdaten aus 40 Ländern weltweit miteinander – und kommt zu dem Ergebnis, dass die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit geringem Einkommen deutlich schlechter sind, als in anderen Ländern. Außerdem hätte die Coronavirus-Pandemie zusätzlich negative Auswirkungen auf die Bildungsgerechtigkeit gehabt.

Marcel Helbig, Bildungsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, sagt dem WDR dazu: „Das gesamte System ist nicht auf sozialen Ausgleich ausgerichtet, sondern verstärkt unter dem Deckmantel der Leistungsgerechtigkeit soziale Ungleichheiten.“

Bundestagswahl 2021: Viele Parteien fordern mehr Chancengleichheit im Bildungssystem

Die Alarmglocken in Deutschlands Bildungssystem schrillen damit immer lauter. Und das Thema ist längst auch in der Politik angekommen. Und damit auch im Wahlprogramm der meisten Parteien für die Bundestagswahl am 26. September. Viele Bundestagskandidaten fordern darin einen regelrechten Systemwandel in der Bildung – oder zumindest ein Update. 

Einer von ihnen ist Adis Ahmetovic. Der 28-Jährige ist SPD-Vorsitzender in Hannover und setzt sich vor allem für Chancengleichheit ein. „Viele Jugendliche, gerade aus einkommensschwächeren Familien, stehen nach ihrem Schulabschluss vor der Frage, ob sie es sich leisten können, fünf bis sechs Jahre kein richtiges Einkommen zu haben. Und wer dann kein finanzielles Backup von den Eltern hat, der überlegt sich das Ganze zweimal“, sagt er im Gespräch mit www.kreiszeitung.de

Hannovers SPD-Chef will leichteren Zugang zu Bafög und Ausbildungsgarantie

Und Ahmetovic weiß sehr gut, wovon er spricht. Im Jahr 1992 sind seine Eltern als Kriegsflüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina in Deutschland angekommen – und standen zunächst vor dem Nichts. „Sie haben hart gearbeitet, um sich hier ein Leben aufzubauen, um meinem älteren Bruder und mir eine gute Zukunft zu ermöglichen“, schreibt der SPD-Chef auf seiner Webseite. Das sei aber auch nur mit weiter Unterstützung notwendig gewesen. 

Unterstützung, die Ahmetovic jetzt auch anderen Kindern und Jugendlichen ermöglichen möchte: „Wir müssen den Jugendlichen die Ängste und Sorgen nehmen und das soziale Netz um sie herum enger spannen.“ Dafür setzt der Sozialdemokrat auf einen leichteren Zugang zu Bafög, eine Ausbildungsgarantie sowie eine Übernahmegarantie für Auszubildende sowie Förderungen für schulische Ausbildungen.

FDP und CDU fordern mehr Unterstützung von der Kita bis zur Universität

Der leichtere Zugang zu Bafög ist auch ein Herzensthema von Hannovers FDP-Spitzenkandidatin Katharina Wieking. Im Interview mit www.kreiszeitung.de verrät sie, warum ihr das Thema so wichtig ist: „Ich bin die erste in meiner Familie, die an der Universität war. Und ich habe leider kein Bafög bekommen. Also musste ich während meines gesamten Studiums nebenbei arbeiten. Ich finde, das sollte nicht notwendig sein.“ Stattdessen solle jedes Kind individuell auf dem Weg unterstützt werden, für das es sich entscheidet – und zwar unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Eine Fürsprecherin findet Wieking dafür in der CDU. „Im Endeffekt wollen wir doch alle einfach nur eine bessere Zukunft haben“, sagt CDU-Bundestagskandidatin Diana Rieck-Vogt. Deshalb plädiert die Hannoveranerin für Chancengleichheit von der Kita bis zur Universität. Dafür müsse allerdings noch einiges getan werden. 

Das fange schon bei der Ausstattung von Bildungsräumen an. „Wir vergessen leider oft, dass es noch sehr viele Menschen in Deutschland gibt, die eben kein Smartphone oder Internetanschluss Zuhause haben“, sagt Rieck-Vogt der Kreiszeitung. Und diese Kinder gelte es mit schulischen Angeboten und Förderungen abzuholen.

Bundestagswahl 2021: SPD und CDU wollen mehr digitale und Umweltbildung

Aber nicht nur die Rahmenbedingungen an Deutschlands Schulen stehen immer wieder in der Kritik, auch die Lehrinhalte weisen teilweise noch Lücken auf. Das findet jedenfalls Meeresforscher Dr. Balasubramanian Ramani (SPD). 

Er ist neues Ratsmitglied der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und setzt sich für mehr Umweltbildung ein. „Denn ganz egal, was wir als Politiker entscheiden, wir brauchen auch das Bewusstsein in der Gesellschaft“, sagt er im Interview mit www.kreiszeitung.de. Und das beginne bereits in der Schule.

Auch Diana Rieck-Vogt möchte eine Bildungslücke in Deutschland schließen: Digitale Bildung. Sie fordert: „Das Ziel dabei sollte sein, dass die Kinder sich der Gefahren und Chancen des Internets bewusst werden und lernen, damit verantwortungsvoll umzugehen.“

Grünen-Bundestagskandidatin erhebt Vorwürfe gegen Bildungspolitik der Regierung

Aber warum ist das eigentlich nicht alles schon längst passiert? Im Jahr 2020 sind beispielsweise 500 Millionen Euro des Bundeshaushaltes in den Ausbau der Ganztagsbetreuung geflossen, der gesamte Etat für Bildung und Forschung lag bei 18,3 Milliarden Euro. 

Hannovers Grünen-Bundestagskandidatin Swantje Michaelsen sieht eine klare Ursache für den schleichenden Fortschritt in der Bildung: „Vor allem die Pandemie hat gezeigt, dass die Belange von Kindern, Jugendlichen und Frauen in der politischen Debatte oft unter den Tisch fallen. Es ist kein Zufall, dass Milliarden in Wirtschaftshilfen geflossen sind aber wir es bis heute ertragen sollen, dass nicht alle Schulen mit Luftfiltern ausgestattet wurden. Das ist eine Frage der Priorisierung.“ *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN-MEDIA.

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