Bundestagswahl 2021

Wahl 2021: Warum die AfD kaum vom Laschet-Debakel profitiert

Die AfD verharrt in den Wahlumfragen. Die Kandidaten Weidel und Chrupalla locken kaum neue Wähler an. Komisch, dabei verschreckt die Laschet-CDU gerade viele.

Berlin – Stillstand statt Vormarsch: Trotz eines massiven Umfrage-Absturzes der Unionspartei kommt die AfD nicht voran. Wenige Tage vor der Bundestagswahl haben sich die Zustimmungswerte für die Rechtspopulisten verfestigt. Die Befürchtung, dass enttäuschte CDU-Wählerinnen und CDU-Wähler die radikale Partei jetzt noch stärker machen könnten, scheinen sich nicht zu erfüllen. Der Großteil fühle sich dann doch von dem rechtsextremen Kern abgestoßen, sagt Politikexperte Frank Brettschneider zu kreiszeitung.de.

Deutsche Partei:Alternative für Deutschland (AfD)
Gründung:6. Februar 2013
Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl:Alice Weidel und Tino Chrupalla
Im Bundestag vertreten seit:2017

Nach den Wahlumfragen liegt die AfD seit Monaten bundesweit zwischen zehn bis zwölf Prozent. Gespeist wird ihre Unterstützung von einer festen Kernklientel. Jedoch ist es Spitzenkandidatin Alice Weidel und Spitzenkandidat Tino Chrupalla in diesem Wahlkampf nicht gelungen, in neue Wählerschichten vorzudringen – trotz des Niedergangs der Union mit Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU), der auf das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl zusteuert.

Wahlumfragen: Vor der Bundestagswahl 2021 verharrt die AfD auf zweistelligen Niveau

Statt zur AfD, wie oftmals vermutet, wenden sich die enttäuschten Unionsanhänger lieber der SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz zu, der die Umfragen anführt. Auch die Kandidatur vom früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen, der immer wieder mit AfD-nahen Parolen auffällt, kann viele rechtskonservative Wähler offenbar nicht an die CDU binden.

Aber eben auch nicht an die AfD.

Zum Ärgern? Die AfD um Spitzenkandidatin Alice Weidel kann wenig enttäuschte Wähler von der CDU anlocken.

Zuspruch für AfD bei Wahlumfragen vor der Bundestagswahl 2021 stagniert

Doch wie ist das Phänomen zu erklären? Brettschneider, der Professor an der Universität Hohenheim ist, liefert die Antwort. Dazu ein Rückblick: Die Rechtspopulisten, die vor vier Jahren zum ersten Mal den Einzug in den Bundestag schafften, mobilisierte ihren starken Zuwachs aus vier Richtungen.

Erstens, von enttäuschten Merkel-Wählern, die mit der Flüchtlingspolitik unzufrieden waren. Zweitens, von genervten, ungelernten Arbeitern, die ihre Interessen nicht mehr von der SPD gewahrt sahen. Drittens, von Protestwählern, denen die Linkspartei mittlerweile zu elitär geworden ist. Und viertens, und das ist laut Brettschneider der größte Teil, von früheren Nicht-Wählern, die die „Etablierten“ ärgern wollten, wie Brettschneider es formuliert.

An dieser Situation hat sich nun kaum etwas verändert. Der harte, rechtsextreme Kern sei der AfD geblieben, ebenso wie die enttäuschten CDU-Wähler. Jedoch sei hier ein Maß erreicht. „Es kommen keine neuen mehr hinzu“, stellt Brettschneider fest. Diejenigen, die jetzt mit dem Wahlkampf haderten, seien zwar mit Laschet unzufrieden, fühlten sich dann aber doch von dem rechtsextremen Kern abgestoßen, vermutet Brettschneider. Hinzu komme, dass sich jetzt auch wieder viele frühere Nicht-Wähler abwendeten.

Bundestagswahl 2021: Alice Weidel und Tino Chrupalla können CDU-Schwäche nicht ausnutzen

Vor diesem Hintergrund scheint der Zenit der Rechtspopulisten erreicht zu sein. Zwar steuert die AfD in Sachsen und Thüringen laut einer Insa-Umfrage darauf zu, stärkste Kraft zu werden. Doch außerhalb ihrer beiden Hochburgen tut sich die AfD schwer, die Schwächen der Gegner für die eigenen Zugewinne auszunutzen.

Warum? „Weil der AfD das mobilisierende Thema fehlt“, sagt Brettschneider. Aus Sicht des Politexperten war das erst die Euro-Krise, dann die Flüchtlings-Krise und der Islamismus. Doch in der Corona-Krise konnte die Partei dann nicht mehr richtig punkten. „Der Schulterschluss mit Teilen der Querdenker-Bewegung reicht dafür nicht aus. Und auch die Zahl der Leugner des von Menschen verursachten Klimawandels ist nicht groß genug, um der AfD einen Schub zu verleihen“, sagt Brettschneider.

Bundestagswahl 2021: Steuer-Affäre und Lieblingsgedichte-Patzer verdecken Ziele aus AfD-Wahlprogramm

Es bleibt spannend abzuwarten, wie sich die von inneren Machtkämpfen zerrissene Partei nach der Bundestagswahl entwickelt. Durchaus war Spitzenkandidatin Alice Weidel mit dem Ziel angetreten, den Machtzuwachs zu erreichen. Dafür gab sich Weidel, die selber in einer Steueraffäre verstrickt war*, nach außen im TV-Vierkampf zahm, präsentierte sich als das bürgerliche Gesicht und zitierte fleißig aus dem AfD-Wahlprogramm. Doch auf der anderen Seite steht Tino Chrupalla, der vom Verfassungsschutz kritisch beäugt wird und der unverhohlen deutsche Gedichte in den Schulen einfordert – ohne selber eins zu kennen*.

Erobert die AfD doch noch neue Wählerschichten im Endspurt? Unser Newsletter hält Sie kostenlos auf dem Laufenden.

Steueraffäre und Bildungslücken – trotz dieser Peinlichkeiten wird es der Partei am Ende reichen, mit einem zweistelligen Ergebnis wieder in das Parlament einzuziehen.

Wahl 2021: Keine News der Bundestagswahl in Kommunalwahlen in Niedersachsen verpassen

Am Sonntag, 26. September 2021 berichtet kreiszeitung.de mit einem Live-Ticker laufend aktuell von allen Ergebnissen der Bundestagswahl 2021, außerdem gibt es detaillierte Ergebnisse und gewählte Direktkandidaten aus Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Spannend wird es auch bei der Stichwahl zur Kommunalwahl in Niedersachsen. Und hautnah bei der Wahl 2021 ist man beim etwas anderen Live-Ticker zur Bundestagswahl 2021 dabei, der die besten Reaktionen von Twitter einfängt. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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