Bundestagswahl 2021

Vierkampf (ARD): AFD lacht nach Spitzenkandidaten-Runde

Das Triell ist vorbei, jetzt kam der Rest: Beim Vierkampf (ARD) duellierten sich Linke, FDP, CSU und die AfD. Die Rechtspopulisten hatten leichtes Spiel. Die Analyse.

Berlin – Sollte man mit Wladimir Putin kuscheln – oder nicht? Im Umgang mit Russlands autoritärem Machthaber kann man schon einmal unterschiedlicher Meinung sein. Doch Zwischenrufe in einer Antwort duldet AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nicht. Schon gar nicht in so einem Vierkampf (ARD) kurz vor der Bundestagswahl 2021, vor einem Millionenpublikum. „Entschuldigen Sie. Dürfte ich ausreden, bitte?“, sagt die Rechtspopulistin mit ruhiger Stimme und schickt ein freundliches Lächeln in die Kameras. Selbst Alexander Dobrindt (CSU) und Christian Lindner (FDP) fällt es da schwer, noch etwas zu entgegnen.

Format:TV-Vierkampf
Sender:ARD
Sendetermin:13. September 2021
Kandidaten:Alexander Dobrindt, Janine Wissler, Alice Weidel, Christian Lindner

Am Montagabend buhlten die Vertreter der kleineren Parteien bei einem TV-Vierkampf um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Nachdem sich die drei Kanzlerkandidaten von SPD, CDU und Grüne bereits zweimal bei einem Triell messen konnten, sollten sich auch die Parteien präsentieren dürfen, die eine realistische Chance auf Einzug in den Bundestag am 26. September 2021 haben. Eingeladen waren bei dem ARD-Schaukampf FDP-Chef Christian Lindner, Linken-Vorsitzende Janine Wissler, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und AfD-Frontfrau Alice Weidel.

Vierkampf (ARD): Nach dem Triell steigen FDP, AfD, Linke und CSU in den Ring

Die 75-minütige Live-Sendung entpuppte sich dabei durchaus als munterer Schlagabtausch. Unterteilt war das Format in einige große Themenblöcke zur Rente, zu Afghanistan, zur sozialen Gerechtigkeit und zum Klima- und Umweltschutz. Dazwischen wurden einige Teilbereiche durch eine Schnellantwort abgehandelt. Mindestlohn erhöhen? Tempolimit – ja oder nein? Impfpflicht eine gute Idee? Als Antwort durften die Kandidaten stets nur den Daumen heben oder senken. Kommentare waren nicht erlaubt.

Vierkampf nach Triell: In der ARD lieferten sich Janine Wissler (Linke), Christian Lindner (FDP), Alexander Dobrindt (CSU) und Alice Weidel (AfD) einen Schlagabtausch zur Bundestagswahl.

Doch dazwischen bot sich genügend Raum für Angriffe. Vor allem drei Parteien lagen miteinander im Clinch. Linken-Chefin Wissler kämpfte energisch für die soziale Gerechtigkeit – und bekam es ein ums andere Mal mit einer geballten Widerrede von Lindner und Dobrindt zu tun. Phasenweise wirkte der Vierkampf eher wie ein Dreikampf.

Vierkampf nach Triell: Christian Lindner und Alexander Dobrindt im Dauer-Clinch mit der Janine Wissler

Als Dobrindt festhalten wollte, dass man nicht nur bei den Grünen, sondern jetzt auch bei den Linken „den Autoschlüssel in die Wahlurne werfen“ könne und dass Wissler die Eigenheimbesitzer über Gebühr besteuern wolle, fuhr die Linkschefin fast aus der Haut*. „Das habe ich so überhaupt nicht gesagt“, giftete sie – und bot dabei ein ganz anderes Erscheinungsbild als Weidel.

Denn die hielt sich geschickt aus den Scharmützeln des rot-schwarz-gelben Lagerwahlkampfes heraus.

Die lachende Vierte?

Nicht ein einziges Mal ließ sie sich aus der Reserve locken. Sie unterbrach nie. Wenn sie dran war, redete sie bedächtig, quittierte ihre Sätze mit einem Lächeln und warb für Entlastung von Familien und Unternehmern. „Über Deutschland lacht das Ausland“, war noch ihrer schärfster Satz. Ausländerhass? Nichts davon kam ihr über die Lippen.

Bundestagswahl 2021: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel nutzt die Bühne beim ARD-Vierkampf

Leider machten es die Vertreter der anderen Parteien der Rechtspopulistin beim Vierkampf in der ARD zu einfach. Viel zu einfach. Statt nur aufeinander herumzuhacken, hätten Linke, FDP und CSU die Vertreterin des Rechtsaußen-Spektrums auch mal gemeinsam angehen können. Denn die freundlich daher kommende Weidel in ihrem schwarzen Business-Kostümchen repräsentiert nur einen gemäßigten Teil der AfD.

Nur Lindner attackierte die AfD-Spitzenkandidatin einmal, doch auch das verhallte kläglich in der Diskussion der Streithähne. Dabei hatten die Worte durchaus Gewicht: „Sie nennen sich doch Alternative für Deutschland, Frau Weidel, dann nennen sie doch mal Alternativen“, attackierte der FDP-Mann ungehört.

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Somit musste sich Weidel auch weiterhin nicht für knallharte Nazi-Kader rechtfertigen, die hinter ihrer Partei stehen. Diese werden teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet oder genießen zumindest einen zweifelhaften Ruf wie AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla. Auch in Niedersachsen sorgen zweifelhafte Personen immer wieder für Querelen. Doch die rechtsextreme Partei war so schlau, Weidel nach vorne auf die Selbstinzenierungs-Bühne zu schieben. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa

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