"Geduld und Ausdauer“

De Maizière spricht von langem Mali-Einsatz

+
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU)

Berlin - Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Bundeswehr auf einen langen Einsatz im westafrikanischen Krisenland Mali eingestellt.

„Wir brauchen wohl Geduld und Ausdauer“, sagte er am Mittwoch bei der ersten Beratung der Mandate für die Entsendung von bis 330 deutschen Soldaten im Bundestag. Der Aufbau von Sicherheitsstrukturen dauere erfahrungsgemäß länger als es die anfängliche Planung vorsehe. Im Parlament zeichnete sich eine breite Zustimmung für den Einsatz ab. Von den fünf Fraktion ist nur die Linke dagegen.

Die Bundeswehr soll malische Pioniere ausbilden, ein Feldlazarett betreiben und den internationalen Kampfeinsatz gegen islamistische Rebellen künftig nicht nur mit Transport-, sondern auch mit Tankflugzeugen unterstützen. Der Bundestag wird voraussichtlich Ende kommender Woche darüber abstimmen.

Krisenherd Mali: Die Hintergründe des Konflikts

Der Konflikt im westafrikanischen Land Mali zwingt Europa zum Eingriefen. Hier erfahren Sie alles über die Hintergründe der brenzligen Lage. © dpa/AP
Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Von 1992 bis 2012 gab es ein Mehrparteiensystem mit friedlichen Machtwechseln nach Wahlen. © dpa/AP
Andererseits kämpften die meisten Menschen in dem bitterarmen Sahel-Land ums tägliche Überleben. Die durchschnittliche Lebenserwartung der knapp 16 Millionen Einwohner liegt bei 53 Jahren. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung sind Analphabeten. © dpa/AP
Mit 1,2 Millionen Quadratkilometern ist Mali mehr als dreimal so groß wie Deutschland. Das Land verfügt über zahlreiche Bodenschätze und ist einer der wichtigsten Baumwollproduzenten Afrikas. © dpa/AP
Dürreperioden haben der Landwirtschaft nachhaltig geschadet. 60 Prozent Malis sind von Wüste bedeckt. © dpa/AP
Die 300 000 bis 400 000 Tuareg im Norden lehnten sich wiederholt gegen die Zentralregierung auf und verlangten einen eigenen Staat. © dpa/AP
Auch der ehemalige libysche Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte kämpferische Tuareg für seine Streitkräfte. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele zurück und schlossen sich Aufständischen im Norden Malis an. © dpa/AP
Am 22. März 2012 gab es einen Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré (Foto). © dpa/AP
Nach dem Militärputsch eroberten die Tuarag der Nationalbewegung MNLA gemeinsam mit mehreren Islamistengruppen wie der Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) den Norden Malis. © dpa/AP
Im April riefen sie dort die unabhängige Islamische Republik Azawad aus. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. © dpa/AP
Nach ihrem Sieg überwarfen sich Tuareg und Islamistengruppen. Es gab blutige Gefechte. © dpa/AP
Die Regierung Malis hofft daher auf eine Einigung mit einem Teil der Rebellen und verhandelte mit den Tuareg und Ansar Dine - bisher erfolglos - über eine politische Lösung. © dpa/AP
Dabei blieb es auch in Südmali unruhig. Am 11. Dezember zwang das Militär Regierungschef Cheick Modibo Diarra (Foto) zum Rücktritt. © AP
Interimspräsident Dioncounda Traoré (Foto Mitte) bestimmte Django Sissoko zum neuen Ministerpräsidenten. © AP
Westlichen Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten jetzt 6000 Kämpfer in Nordmali, darunter Tausende Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. Dazu kämen bis zu 15.000 Bewaffnete ohne Ausbildung in Timbuktu und Gao. © dpa/AP
Die westafrikanische Eingreiftruppe soll über 3500 Mann umfassen. © dpa/AP
Seit der Machtübernahme der Extremisten im Norden flohen Hunderttausende aus dem Gebiet und leben als Binnenvertriebene oder als Flüchtlinge in Nachbarstaaten wie Mauretanien, Niger und Burkina Faso. © dpa
Dem UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) zufolge leiden inzwischen 4,6 Millionen Menschen an Nahrungsmittelunsicherheit. Rund 175 000 Kinder sind von schwerer Mangelernährung bedroht. © dpa
Anfang Januar 2013 rücken die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner von Gefechten zwischen Islamisten und Armee. © 
Am 11. Januar treffen Soldaten aus Frankreich (Foto), Nigeria und dem Senegal in Mali ein. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten. © AP
Bereits einen Tag später zwingen Französische Kampfjets die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. © AP

De Maizière betonte, man stehe in Mali „am Anfang eines langen Weges“. Der Beitrag der Streitkräfte sei dabei zwar unverzichtbar. „Aber es bleibt nur ein Beitrag.“ Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, dass in erster Linie die Afrikaner selbst für die Lösung der Mali-Krise zuständig seien. „Wir können nicht alles leisten“, betonte er.

Der SPD-Politiker Rainer Arnold unterstützte die Einsatzplanungen. Der Umfang und die Definition des Auftrages seien richtig. Arnold forderte aber stärkere Bemühungen um eine politische Konfliktlösung. Die Grünen hatten sich bereits am Dienstag in einer Probeabstimmung in der Fraktion mit großer Mehrheit hinter den Einsatz gestellt. Die Linke ist grundsätzlich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Es werden falsche Gewichte gesetzt in der Politik“, sagte Außenexperte Wolfgang Gehrcke.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Gladbach besiegt die Bayern - auch Leipzig und BVB gewinnen

Gladbach besiegt die Bayern - auch Leipzig und BVB gewinnen

Moisander nimmt die letzte Hürde - Fotostrecke vom Werder-Abschlusstraining vor SCP

Moisander nimmt die letzte Hürde - Fotostrecke vom Werder-Abschlusstraining vor SCP

Heimsieg für Hannover 96 - VfL Osnabrück rückt vor

Heimsieg für Hannover 96 - VfL Osnabrück rückt vor

Empfang für die Feuerwehren in der Gemeinde Weyhe

Empfang für die Feuerwehren in der Gemeinde Weyhe

Meistgelesene Artikel

Merkel plötzlich von der Bühne verschwunden - Schreck-Moment bei Rede in Berlin

Merkel plötzlich von der Bühne verschwunden - Schreck-Moment bei Rede in Berlin

Anne Will zeigt Gast die Grenzen auf - Zuschauer Reaktionen: „Komme nicht drüber weg, dass ...“

Anne Will zeigt Gast die Grenzen auf - Zuschauer Reaktionen: „Komme nicht drüber weg, dass ...“

Greta Thunberg im Visier von Friedrich Merz: Scharfe Attacke auf CDU-Parteitag

Greta Thunberg im Visier von Friedrich Merz: Scharfe Attacke auf CDU-Parteitag

„Letzte suizidale Phase“: Merz und AKK zerpflücken SPD zum Parteitag

„Letzte suizidale Phase“: Merz und AKK zerpflücken SPD zum Parteitag

Kommentare