Beweise für Kriegsverbrechen nicht ausreichend

UN-Tribunal spricht serbischen Nationalisten Seselj frei

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Vojislav Seselj wurde vom UN-Kriegsverbrechertribunal freigesprochen.

Den Haag - Das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien hat den serbischen Nationalisten Vojislav Seselj freigesprochen.

Das UN-Tribunal in Den Haag hat den wegen Kriegsverbrechen angeklagten serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj am Donnerstag freigesprochen. Die Vorwürfe hätten nicht bewiesen werden können, und Seselj sei somit "ein freier Mann", sagte der Richter Jean-Claude Antonetti bei der Urteilsverkündung in Abwesenheit des 61-Jährigen. Alle neun gegen Seselj wegen seiner Rolle während der Balkankriege erhobenen Anklagepunkte wurden fallengelassen.

Seselj rühmte das Urteil: Nach all den Prozessen gegen "unschuldige Serben, die drakonische Strafen erhalten haben", gebe es nun ein Urteil von "ehrenwerten und fairen" Richtern, sagte Seselj in Belgrad vor Journalisten.

Seselj plante in den 90ern ein "Groß-Serbien"

Dem ehemaligen "Chefpropagandisten von Groß-Serbien" waren neben Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Balkankriege in den 90er Jahren auch Zwangsvertreibung und Folter vorgeworfen worden. Sein Wunsch-Staat habe Serbien, Montenegro, Mazedonien und große Teile Kroatiens sowie Bosnien-Herzegowinas umfassen sollen, hieß es in der Anklageschrift. Die Anklage hatte 28 Jahre Haft gefordert.

Richter Antonetti sagte nun, die Staatsanwaltschaft habe "nicht genügend Beweise vorgelegt", die darlegten, dass Seselj die ihm vorgeworfenen Verbrechen tatsächlich begangen habe. Die Staatsanwaltschaft erklärte ihrerseits, sie nehme das Urteil zur Kenntnis. "Zahlreiche Opfer und Gemeinden werden enttäuscht sein", hieß es in einer Erklärung.

Der kroatische Regierungschef Tihomir Oreskovic nannte den Freispruch "schändlich". Er bedeute eine Niederlage für das Haager Gericht und die Staatsanwaltschaft, sagte er in Zagreb.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien fällte sein Urteil in Abwesenheit des Angeklagten. Seselj war im November 2014 aus Gesundheitsgründen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Gericht erkennt er bis heute nicht an.

AFP/dpa

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