Bundestagswahl 2021

Umfrage-Hammer: Scholz nimmt Laschet unerwartet Wähler ab

Zu viele Fehler passiert: Armin Laschet (CDU) steckt in der Krise. Von seiner Schwäche profitiert plötzlich Olaf Scholz (SPD). Der Ruf nach Söder wird lauter.

Berlin – Flut-Katastrophe, Corona-Desaster und viele weitere Fehler: Zum Start der heißen Phase im Bundestagswahlkampf verspielt Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) zunehmend seinen Vorsprung.

Deutscher Politiker: Armin Laschet (CDU)
Aktuelles Amt:Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
Geboren:18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
Größe:1,72 Meter

So krachte der NRW-Ministerpräsident im Vergleich zur Vorwoche in der Gunst der Wählerinnen und Wähler um drei Prozentpunkte ein, wie aus einer am Mittwoch von RTL und n-tv veröffentlichten Forsa-Umfrage hervorgeht.

Bundestagswahl: Olaf Scholz (SPD) holt gegenüber Armin Laschet und der Grünen Annalena Baerbock auf

Unterdessen gewinnt der lange Zeit weit abgeschlagene SPD-Kontrahent Olaf Scholz neuerdings stark hinzu. In der Union steigt deswegen bereits die Nervosität – und der Ruf nach einem Austausch des Spitzenkandidaten wird wieder lauter.

Nach Forsa-Angaben liegt die Union weiterhin in Führung. Jedoch schafft es Laschet nur noch auf einen Zustimmungswert von 23 Prozent. Die eingebüßten drei Prozent heimste nun die SPD ein, die es mittlerweile auf 19 Prozent schafft und nur noch einen Punkt hinter den Grünen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schafft. Für die Sozialdemokraten ist das der beste Wert seit April 2018. Die FDP (12), AfD (10) und die Linke (7) reihen sich weit dahinter ein.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet (CDU) sackt in Umfrage ab – Olaf Scholz (SPD) gewinnt deutlich hinzu

Des einen Freud, ist des anderen Leid. Insbesondere für Laschet ist die Erhebung ein herber Rückschlag. Monatelang sah er wie der sichere Sieger aus. Viel musste der Kandidat dafür gar nicht tun. Mit Zustimmungswerten um die 30 Prozent verpassten seine Berater ihm eine Strategie der Zurückhaltung: Wenig sagen, nicht anecken – und dadurch den Sieg nach Hause bringen.

Gewinner und Verlierer: In den Umfragen gibt Vizekanzler Olaf Scholz (SPD, rechts) mehr und mehr den Ton an. Armin Laschet (CDU) muss eher zuschauen.

Doch die Rechnung ging zuletzt nicht mehr auf. Erst brach die Flut-Katastrophe über Nordrhein-Westfalen herein, dann tauchte plötzlich auch wieder die Frage nach einem neuen Corona-Lockdown auf. Und stets war Laschet als Krisenmanager gefragt. Doch er patzte und scherzte im Katastrophengebiet herum statt schlüssige Antworten auf drängende Fragen zum Klimawandel zu geben. Das kam ebenso wenig gut an wie seine Plagiatsaffäre.

Das Laschet-Team hat sich nun erst einmal zurückgezogen – offiziell, weil der NRW-Ministerpräsident erst einmal vorrangig seinen Amtsgeschäften nachgehen muss. Der Auftakt zur Wahlkampftour wurde erst deshalb verschoben. „Es wirkt, als ob das Konrad-Adenauer-Haus seinen Kandidaten verstecken will“, ätzte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil genüsslich gegen Armin Laschet vergangene Woche bei der Vorstellung der eigenen Wahlkampagne.

Rennen der Kanzlerkandidaten: Plötzlich sind wieder Koalitionen mit der SPD möglich

Die Schadenfreude bei den Sozialdemokraten ist groß dieser Tage. Denn im Gegensatz zur Union scheint die eigene Strategie aufzugehen. Kampagnen-Chef Ralf Brinkert schneidet den Wahlkampf voll auf Scholz als eine One-Man-Show zu und buhlt offen um die Unionswähler der Mitte. „Wer die Merkel-Wähler gewinnt, der gewinnt die Wahl“, sagte Brinkert kürzlich in einem exklusiven Interview mit kreiszeitung.de.

Wie zum Beweis fährt die SPD seit Tagen direkte Angriffe auf Laschet und seine Getreuen – und das mit Erfolg. Das belegt auch die jüngste Forsa-Umfrage. Denn plötzlich ist die SPD teilweise wieder im Spiel, wenn es um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht. Eine Mehrheit hätten demnach im neuen Parlament vier Bündnisse: Schwarz-Gelb-Grün, eine Koalition aus CDU/CSU, SPD und FDP, aus Grünen, SPD und FDP und ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linken.

Ein Großteil der Deutschen scheint jedenfalls mit einem Kanzler Scholz halbwegs leben zu können. Würde der Regierungschef direkt gewählt, dann hat der Vizekanzler die größten Chancen. Im Beliebtheitsranking liegt Scholz mit 26 Prozent klar vor Baerbock (16) und Laschet (12).

Nur einer übertrumpft den Sozialdemokraten: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er schafft es auf 40 Prozent – und das, obwohl er gar kein Kandidat ist. Jedoch würden sich das 40 Prozent der Befragten wünschen.

Dass Söders langer Schatten ihn auch noch in der heißen Phase des Wahlkampfes auf Schritt und Tritt verfolgt, ist auch keine gute Nachricht für Armin Laschet. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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