1. Startseite
  2. Politik

„Coca-Cola und Toilettenpapier verschwinden“: Putins Krieg wird für Russen zur Last

Erstellt:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

Moskau erwartet im Ukraine-Krieg ein Haushaltsminus. Die Einwohner selbst spüren das längst - und reagieren darauf sehr unterschiedlich.

Moskau/München - Das russische Parlament hat an diesem Donnerstag (24. November) ein Minus im Staatshaushalt vorausgesagt. „Vertraute Güter verschwinden, wie etwa Coca-Cola oder auch Toilettenpapier“, sagte eine nicht namentlich 34-jährige Moskauerin kurz zuvor dem US-Sender CNN. Doch fehlende Softdrinks sind in dem Land wohl nicht das Hauptproblem. „Es gibt so gut wie keinen Planungshorizont. Niemand weiß, was morgen oder in einem Jahr passiert“, berichtete die junge Frau weiter.

An den Warenmangel könne man sich gewöhnen, der sei „nicht das Schlimmste“. Aber sie ärgert sich über die Sanktionen des Westens gegen Moskau im Zuge des Ukraine-Kriegs: „Ich verstehe nicht, wie das den Konflikt lösen soll“, sagte sie zu CNN. „Die Maßnahmen treffen normale Bürger, die nicht entscheiden.“ Das berichtet merkur.de.

Ukraine-Krieg: Leere Auslagen in einem Supermarkt in St. Petersburg im Oktober 2022
Leere Auslagen in einem Supermarkt in St. Petersburg. © Maksim Konstantinov/Imago

Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin teilte laut der offiziellen Unterhaus-Webseite mit: „Das Budget war das schwerste der vergangenen Jahre: Sanktionen und die Entwicklung der Weltwirtschaft machen es praktisch unmöglich, es vorherzusagen“.

Russland-Sanktionen im Ukraine-Krieg: „Die erste Panik-Welle ist verebbt“

Sergej Jaworonkow vom russischen Gaidar Institute for Economic Policy wird deutlicher. Die Stimmung in der Bevölkerung sei „kritischer als je zuvor“, sagte er zu CNN. Erstens wegen der steigenden Lebenshaltungskosten, zweitens wegen dessen Auslösers des russischen Überfalls, der absehbar „nicht gelöst“ werde, sagte er zu CNN. „Uns wurde gesagt, wir gewinnen“, erinnerte er, trotz der jüngsten Rückeroberungen der ukrainischen Streitkräfte.

„Wirtschaftsexperten erkennen jetzt aber, dass wir auf nichts hoffen dürfen, wenn die Gefechte weitergehen“, fuhr Jaworonkow fort. Das Land ist nun offiziell in einer Rezession. Der Kreml verkauft aktuell die Idee, die fehlenden westlichen Güter aus Eigenproduktion zu kompensieren - oder durch Importe aus China oder dem Iran.

Nichtsdestotrotz gibt es auch andere Meinungen in der russischen Bevölkerung. „Die erste Panik-Welle ist verebbt“, sagte eine 30-jährige Moskauer PR-Managerin zu CNN. „Viele sind geflohen, aber viele auch geblieben“, meinte sie in Bezug auf die Flucht vieler Einwohner nach den Sanktionen sowie nach der von Kremlchef Wladimir Putin verkündeten Teilmobilisierung. „Ich freue mich über jeden, der hier bleibt und damit Russland unterstützt.“

Staatshaushalt im Ukraine-Krieg: Russland will weiter Schulden aufnehmen

In absoluten Zahlen beläuft sich das geplante Minus beim russischen Staatshaushalt 2023 auf etwas weniger als umgerechnet 50 Milliarden Euro. Das sind etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP selbst wird demnach auch im kommenden Jahr rückläufig sein. Die Parlamentarier haben das Minus mit 0,8 Prozent veranschlagt.

Neben dem Etat 2023 hat die Duma auch vorläufige Haushaltsentwürfe für die beiden kommenden Jahre verabschiedet. Auch 2024 und 2025 will Russland demnach seine Schulden weiter vergrößern. Zugleich rechnen die Abgeordneten allerdings mit einer wieder ansteigenden Wirtschaftsleistung in den Jahren. (frs mit dpa-Material)

Auch interessant

Kommentare