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Peinlich für Putin: Russischer Oligarch läuft zur Ukraine über

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Von: Jens Kiffmeier

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Flucht aus Russland: Oligarch Igor Wolobujew ist zur Ukraine übergelaufen – und hat mit Wladimir Putin abgerechnet. Kann die Aktion im Krieg was bewirken?

Kiew – Erst Oleg Tinkow, dann Leonid Newslin und jetzt auch Igor Wolobujew: Nach jahrelanger Arbeit beim russischen Energieriesen Gazprom hat sich der Top-Manager zum Kriegsgegner erklärt – und zwar mit einem ungewöhnlichen Schritt. Der russische Oligarch wechselte die Seiten, lief in die Ukraine über und verurteilte Russlands Angriffskrieg scharf. „Dieses Verbrechen wird von Wladimir Putin, der russischen Regierung und in der Tat auch vom russischen Volk begangen“, kritisierte Wolobujew in einem bei YouTube veröffentlichten Interview.

Ukraine-Krieg: Russlands Oligarch Igor Wolobujew wird zum Überläufer – Blamage für Präsident Wladimir Putin

Damit wächst in den Reihen der russischen Milliardäre die Zahl der Gegner von Wladimir Putin. Die Frage ist nur: Kann die Abkehr der Oligarchen gefährlich werden für den russischen Präsidenten mitten im Ukraine-Krieg?

Russlands Präsident Wladimir Putin sitzt im Kreml auf einem Stuhl und schaut genervt.
Bei den Oligarchen wächst die Zahl seiner Kritiker: Russlands Präsident Wladimir Putin. © Vladimir Astapkovich/dpa

Nach Angaben von Igor Wolobujew setzte er sich bereits am 2. März aus Russland in Richtung Ukraine ab. Der Vizepräsident der Gazprombank, einem Tochterunternehmen des Energiekonzerns, begründete seine Flucht damit, dass er gebürtiger Ukrainer ist. Geboren wurde er offenbar in Sumy und lebte dort die ersten 18 Jahre seines Lebens. Nach seinem Umzug nach Russland arbeitete er sich bei Gazprom hoch, erst viele Jahre als PR-Manager, in den vergangenen sechs Jahren dann als Vizepräsident der Gazprombank.

Igor Wolobujew: Gazprom-Manager wirft Putin im Interview Kriegsverbrechen vor – Kritik an Nordstream 2 in Deutschland

Doch nun will er sein Geburtsland „mit der Waffe in der Hand“ gegen die russische Invasion verteidigen. Angesichts der vielen von Putin gebilligten Kriegsverbrechen müsse er Buße tun und sich von seiner „russischen Vergangenheit reinwaschen“, sagte er in seinem öffentlichen Statement. Das Video, das bereits am Dienstagabend veröffentlicht worden war, wurde im Netz mittlerweile hunderttausendfach angesehen.

In dem Interview griff der Oligarch auch seinen ehemaligen Arbeitgeber an. Gazprom sei der „Gasknüppel“, mit dem Russlands Präsident Wladimir Putin seit Jahrzehnten die europäischen Nachbarn erpresse. Die Pipelineprojekte Nord Stream 1 oder Nord Stream 2 hätten stets das Ziel gehabt, die Ukraine als Transitland für russisches Gas auszuschalten, so Igor Wolobujew.

Oligarchen in Russland: Die Reichen wie Igor Wolobujew leiden unter den Sanktionen gegen ihr Vermögen

In der westlichen Politik werden die Absetzbewegungen der Oligarchen äußerst genau beobachtet. Als Reaktion auf die von Putin befohlene Invasion hatten die USA zusammen mit der EU scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt. Ein Teil der Strafmaßnahmen zielen dabei auch auf die Oligarchen-Clique, die in der Putin-Ära zu enormen Vermögen gekommen sind. Nun wurden aber ihre Gelder eingefroren, Geschäftsbeziehungen gekappt und Einreiseverbote ausgesprochen. Dahinter steht die Hoffnung, dass man in der wirtschaftlichen Elite einen Druck erzeugen kann, der vielleicht zu einem Putsch gegen Putin führen kann.

Kremlkenner halten nämlich einen Aufstand von unten, quasi von der Straße durch Massendemonstrationen, für eher unwahrscheinlich. „Das ist naiv“, sagte kürzlich der Vertraute des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny, Leonid Wolkow in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschlands (RND). Er rechne zwar fest damit, dass Putin früher oder später wegen des Ukraine-Krieges sein Amt verliere, aber der Putsch müsse von den Generälen oder der wirtschaftlichen Elite ausgehen, sagte er.

Wladimir Putin: Tot oder verhaftet – gegen aufmüpfige Oligarchen geht Russlands Präsident mit Härte vor

Tatsächlich scheint dort die Gegnerschaft zu wachsen. Vor Wolobujew hatte bereits Milliardär Oleg Tinkow deutliche Worte gefunden und „Massaker“ Russlands in einem „irrsinnigen Krieg“ angeprangert. Die russischen Generäle hätten inzwischen erkannt, „dass sie eine Scheißarmee haben“, schrieb Tinkow bei Instagram.

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Inwieweit diese Worte eine Veränderung in Russland herbeiführen können, bleibt abzuwarten. So ist der Großteil der Bevölkerung weiterhin Fake-Propaganda ausgesetzt und von unabhängiger Berichterstattung abgeschnitten. Außerdem geht Putin mittlerweile äußert hart gegen seine Gegner vor. Viele ehemalige Vertraute sind tot oder derzeit im Gefängnis, oftmals mit fadenscheiniger Begründung.

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