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Wie Putins Hassprediger Patriarch Kyrill I. den Krieg rechtfertigt

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Von: Jens Kiffmeier

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Er gilt als Putins Handlanger: Patriarch Kyrill I. Der Kirchenfürst sichert im Volk die Unterstützung für den Ukraine-Krieg – mit obskurer Propaganda.

Moskau – Hohe Verluste, wirtschaftlicher Absturz, internationale Isolierung: Der Ukraine-Konflikt entwickelt sich für Russland zum Desaster. Dennoch bröckelt die Unterstützung für Präsident Wladimir Putin im eigenen Land gar nicht bis langsam – auch dank einer groß angelegten Kriegspropaganda. Einer, der sich dabei zuletzt besonders verdient machte: Kyrill I., der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche. Bei der 600-Jahr-Feier des Dreifaltigkeitsklosters in Sergijew Possad huldigte er dem Krieg jetzt als „göttlichen Willen“. Um seinen Worten noch mehr Kraft zu verleihen, ließ er eine jahrhundertealte Ikone zu dem Fest schaffen – zum Entsetzen der Kunsthistoriker.

Wladimir Putin: Russlands Präsident spannt Patriarch Kyrill I. für seine Propaganda im Ukraine-Krieg ein

Es war nicht der erste Propaganda-Auftritt, mit dem Patriarch Kyrill I. sich demonstrativ hinter das Kriegstreiben von Russlands Präsidenten Wladimir Putin stellte. Wegen seiner Nähe zur Gedankenwelt des Kremlchefs wollte die Europäische Union (EU) das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche bereits mit Sanktionen belegen. Neben dem Einfrieren von Vermögen wäre auch seine Reisetätigkeit eingeschränkt worden. Doch ein Veto aus Ungarn verhinderte das.

Stehen im Ukraine-Krieg Seite an Seite: Russlands Präsident Wladimir Putin und Patriarch Kyrill I.
Stehen im Ukraine-Krieg Seite an Seite: Russlands Präsident Wladimir Putin und Patriarch Kyrill I. © Alexander Nemenov/dpa

Wie eng die Bande zwischen Putin und Kyrill I. sind, ließ sich nun bei der 600-Jahre-Feier des Klosters beobachten. Sie bot Anlass für eine große Propagandashow. Russland habe den Versuchen seiner Zerstörung stets getrotzt, „nicht nur, weil wir hervorragende militärische Führer hatten oder weil unsere Soldaten mutig waren, sondern weil es Gottes Wille war“, sagte der Kirchenfürst. Es müsse daher weiterhin die Aufgabe sein, christliche Werte in der Welt zu vermitteln und die allgemeine „moralische und geistige Verfassung“ zu verbessern. Auf eine ähnlich höhere Aufgabe beruft sich auch Putin seit Beginn des Ukraine-Krieges.

Ukraine-Konflikt: Für die Kriegspropaganda setzt Putin mit Kyrill auf die Dreifaltigkeitsikone

Auf Wunsch von Kyrill wurde eigens für die Ansprache eine der bekanntesten Ikonen Russlands in die Stadt 80 Kilometer nördlich von Moskau gebracht. Dabei handelt es sich um „Dreifaltigkeitsikone“ des Malers Andrei Rubljow aus dem Jahr 1411. Das Bild gilt als eine der wertvollsten Malereien Russlands. Nachdem sie fast schon zerstört war, wurde sie aufwändig restauriert. Jede Art von Transport gilt unter Restauratoren als äußerst riskant. Aufgrund der erwarteten Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie der Erschütterungen hatten sich die Experten vehement gegen die Verlegung der Ikone ausgesprochen. Doch auf Kyrills Bitte bei Putin wurde es trotzdem gemacht.

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Es war eine Machtdemonstration von Putin. Und von Kyrill I. Dennoch wird seit dem gerätselt, was dahinter stecken könnte. Einerseits hilft die Inszenierung den beiden Führern sicherlich, ihre Positionen in einem gewissen Teil der Bevölkerung zu sichern. Doch es gibt auch andere Theorien. So bescheinigte der liberale Journalist Sergej Parchomenko dem Kremlchef eine große Sorge vor einer Kriegsniederlage. Möglicherweise wolle Putin eine „Gottheit bestechen“ – ähnlich wie ein Pharao. „Entweder hat er große Angst und er fordert Hilfe an“, zitierte ihn Focus Online. „Oder aber er hat etwas Schreckliches vor, das selbst ihm Angst macht, und bittet im Voraus um Vergebung.“

Der Ukraine-Krieg gilt für große Teile der Politik als unüberschaubar. Putin-Experten fragen sich schon seit langem, welche Motive Russlands Präsidenten antreiben. Ungeachtet dessen hat Putin sein Land weit in den Abgrund geführt. Die Verluste in den eigenen Reihen werden von Tag zu Tag immer höher. Die Wirtschaft taumelt. Die Kriegsziele müssen immer wieder neu ausgerichtet werden.

Propaganda: Angst vor einem Putsch – Putin muss Macht nach innen zementieren

Deshalb wird schon lange darüber spekuliert, ob Putin vielleicht am Ende Opfer eines Sturzes oder Putsches werden könnte, weswegen er nicht nur nach außen einen Krieg führen, sondern auch nach innen seine Macht mit Propaganda sichern muss. Der religiöse Kult wird ihm dabei sicherlich helfen.

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