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Erst volles Rohr, dann kaputt: Ukraine beklagt hohen Verschleiß bei den Waffen

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Von: Jens Kiffmeier

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Feuer frei: Bei der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg ist der Verschleiß der Waffen hoch.
Feuer frei: Bei der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg ist der Verschleiß der Waffen hoch. © Libkos/dpa

Die Gegenoffensive fordert ihren Tribut: Im Krieg ist der Verschleiß der Artillerie hoch. Die Ukraine fordert Nachschub – zum Verdruss von Habeck.

Kiew/Berlin – Der Ukraine-Krieg steht an einem entscheidenden Wendepunkt: Mit einer großangelegten Gegenoffensive haben die ukrainischen Truppen die Armee von Russlands Präsident Wladimir Putin in den vergangenen Wochen weit zurückgedrängt – auch dank moderner westlicher Waffensysteme. Doch die massiven Angriffe auf die Invasoren fordern ihren Preis: Ein Großteil der gelieferten Artillerie ist schon wieder kaputt. Wegen Überbeanspruchung.

Ukraine-Krieg: Bei der Gegenoffensive ist der Verschleiß westlicher Waffen offenbar sehr hoch

Laut einem Bericht der New York Times sind bereits rund ein Drittel der westlichen Waffen außer Gefecht, zumindest vorübergehend. So soll die hohe Schussrate, mit der die Ukraine im Krieg gegen Russland die Gegenoffensive gestartet hat, zu massiven Schäden an den Artillerieläufen und an den mechanischen Teilen geführt haben. Die Reparatur ist jedoch einkalkuliert. Die Raketenwerfer werden in Polen, Litauen oder der Slowakei wieder instandgesetzt – wenn sie nicht wie der erste gelieferte Gepard-Panzer komplett zerstört worden sind.

Das Problem mit überbeanspruchten Waffen ist durchaus bekannt. Die Nato machte im Afghanistan eigene Erfahrung mit unzuverlässigen Waffensystemen. So liefen etwa die Gewehre der Bundeswehr in den Gefechten heiß und waren streckenweise unbrauchbar. Vor diesem Hintergrund haben die westlichen Länder der Ukraine nicht nur die Lieferung der Panzer, Haubitzen und Raketenwerfer zugesichert, sondern auch die Reparatur und Instandsetzung.

Instandhaltung inklusive: Die Nato stellt in Polen die Reparatur der Raketenwerfer und Panzer sicher

Das bestätigte das Zentralkommando der Nato der Times. „Mit jeder Fähigkeit, die wir der Ukraine und unseren Verbündeten und Partnern zur Verfügung stellen, arbeiten wir daran, sicherzustellen, dass sie über die richtigen Instandhaltungspakete verfügen, um diese Fähigkeiten im Laufe der Zeit zu unterstützen“, teilte der Sprecher des US European Command, Daniel Day, dem Blatt mit. Demnach ist das Hauptproblem bei dem hohen Verschleiß im Einsatz, dass bei hoher Intensität die Zielgenauigkeit der Waffen verloren geht.

Waffenlieferung aus Deutschland an die Ukraine: Wirtschaftsminister Habeck empfindet es als Zumutung

Die westliche Politik haben der Ukraine mehr als 350 schwere Waffensysteme zur Verfügung gestellt. Die Bundeswehr lieferte neben Gepard-Panzer auch das Raketenabwehrsystem Iris-T, das als Gamechanger bei der Gegenoffensive gilt. An welchem Frontabschnitt nun eine Lücke entsteht und damit die größten Probleme auftreten, ist unklar. Doch für die ukrainischen Truppen bleibt mit dem zunehmenden Ausfall der Waffen der Nachschub entscheidend. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Präsident Wolodymyr Selenskyj um weitere Haubitzen bittet.

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In der Bundesregierung betrachtet man die Aufforderungen aus Kiew durchaus mit gemischten Gefühlen. Während die Bundeswehr davor warnt, dass durch die Abgabe an die Ukraine auch die eigenen Fähigkeiten geschröpft werden, zeigte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) durchaus Verständnis für die Notwendigkeit von Waffenlieferung an die Ukraine. „Ich zweifle keinen Augenblick daran“, sagte der Grünen-Politiker dem Stern und fügte hinzu: „Und trotzdem kann man das nicht leichtfertig beklatschen, wenn man sich klarmacht, dass von den 300.000 russischen Rekruten ein großer Teil verletzt oder sterben wird – auch durch Waffen, die wir geschickt haben. Ich. Die Freigabe trägt meine Unterschrift.“ Die Lieferungen, so der Vizekanzler weiter, seien „so richtig sie sind, auch eine Zumutung“.

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