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Ukraine-Krieg: Welche Gefahr geht von den Atomkraftwerken aus?

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Von: Jens Kiffmeier

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Feuer im AKW Saporischschja: Die Gefechte rund um die Atomkraftwerke im Ukraine-Krieg versetzen Europa in Angst. Der mögliche Beschuss ist nicht das einzige Risiko.

Kiew – Banger Blick auf den Ukraine-Krieg: Nach dem Ausbruch eines Feuers in dem Atomkraftwerk Saporischschja hat die westliche Politik die Gefechte rund um die Anlage scharf verurteilt. Die Nato warf Russland große Rücksichtslosigkeit vor. Präsidenten Wladimir Putin müsse umgehend seine Truppen zurückziehen und den Weg der Diplomatie suchen, forderte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg laut der Nachrichtenagentur dpa. Andere Stimmen sprachen sogar von „Nuklearterrorismus“. Zwar scheint der Brand am Kraftwerk unter Kontrolle und keine erhöhte radioaktive Strahlung freigesetzt worden zu sein, doch der Vorfall lenkt einmal mehr den Blick auf die Risiken der Atomkraftwerke in dem Konfliktgebiet.

Atomkraftwerk:Saporischschja
Lage:im Südosten der Ukraine
Inbetriebnahme:10. Dezember 1984
Anzahl der Reaktoren:6

Ukraine-Krieg: Feuer im Kraftwerk Saporischschja – wie gefährlich sind Putins Angriffe auf die Atomkraftwerke für Europa?

Die Anlage Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk in der Ukraine. Es steht rund 250 Kilometer südwestlich der Separatistengebiete von Donezk und Luhansk. In der Nacht zu Freitag brach auf dem Gelände ein Feuer aus. Der Brand ereignete sich dabei bisherigen Erkenntnissen zufolge in einem Ausbildungszentrum. Zuvor hatte der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, Russland vorgeworfen, das Kraftwerk gezielt von Panzern beschießen zu lassen. Überprüfen lässt sich dies derzeit nicht. Fest steht aber: Der Brand wurde am Morgen unter Kontrolle gebracht.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, schaut ernst. Im Hintergrund eine Aufnahme vom Brand im AKW Saporischschja.
Zeigt sich entsetzt von den Angriffen auf das Atomkraftwerk in Saporischschja: der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi. (kreiszeitung.de-Montage) © dpa/Kernkraftwerk Saporischschja/Lisa Leutner

Nach Erkenntnissen der Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) in Deutschland liegt das Gebäude, in dem sich der Brand ereignete, rund 300 Meter von dem ersten Reaktorgebäude entfernt. Auswertungen von Videokamerabildern ließen keine Rückschlüsse auf eine Beschädigung der Reaktoren zu. Diese Erkenntnis stimmt auch mit Berichten des ukrainischen Innenministeriums und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überein. Zudem ergab eine Überprüfung der automatischen Messung im 30-Kilometer-Umkreis, dass die Strahlung im Normalbereich liege, teilte die GRS auf ihrer Homepage mit.

Atomkraftwerk Saporischschja: Beschuss im Krieg von Russland und der Ukraine nicht das einzige Risiko für erhöhte Strahlung

In Saporischschja erzeugen laut GRS insgesamt bis zu sechs Reaktoren Strom. Insgesamt verfügt die Ukraine über 15 Reaktoren, die auf vier Standorte quer über das Land verteilt sind. Hinzu kommt noch die Anlage von Tschernobyl, die ebenfalls Schauplatz von Gefechten im Ukraine-Krieg war und auch als Atommülllager dient. Die Gefahr, dass eine der Anlagen bei den Kampfhandlungen getroffen und beschädigt werden könnte, ist laut Experten sehr hoch.

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Doch der direkte Beschuss des Kernreaktors ist nicht das alleinige Risiko. Auch eine Beschädigung des Abklingbeckens könnte eine verheerende Wirkung entfalten, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf den Co-Direktor des Atompolitikprogramms der Cernegie-Stiftung, James Acton, schreibt. Sollte etwa das Wasser aus dem Becken herauslaufen, könnten die darin befindlichen Brennstäbe anfangen zu brennen und eine enorme Rauchwolke mit radioaktivem Material freisetzen. Zudem, so heißt es in dem Bericht, sei auch der Ausfall von Personal eine Gefahrenquelle. Ohne eine permanente Überwachung der Anlagen könne es zu schwerwiegenden Fehlfunktionen kommen. Doch es sei nicht ausgeschlossen, dass die Mitarbeiter bei Angriffen versehentlich getötet oder auch so in die Flucht geschlagen werden könnten.

Atomkraftwerk: IAEA will mit Russland und Ukraine in Tschernobyl über Sicherheit verhandeln

Vor diesem Hintergrund forderte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) die beiden Konfliktparteien auf, Verhandlungen zur Atomsicherheit aufzunehmen. IAEA-Chef Rafael Grossi schlug vor, die Schirmherrschaft bei den Gesprächen zu übernehmen. Ein möglicher Ort könnte das Gelände des Unfallreaktors von Tschernobyl sein. Sowohl Russland als auch die Ukraine sollten sich dazu verpflichten, die Sicherheit der ukrainischen Atomanlagen zu garantieren. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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