Bundestagswahl 2021

TV-Triell: Zwischen zwei Streithähnen steht der „Scholzomat“

Afghanistan, Klima und Corona: Beim RTL-TV-Triell ging es um viel. Auch um das Image der Kanzlerkandidaten. Vor allem Armin Laschet sorgte für Überraschungen.

Berlin – 100 Minuten, drei Kanzlerkandidaten und jede Menge Zündstoff. Beim TV-Triell auf RTL und ntv ging es um Corona, Afghanistan und Klimaschutz – und vor allem darum, wer von den drei Gästen eigentlich am besten Kanzler kann. Während Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sich auf ihr Lieblings-Thema konzentrierte, überraschte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit ungewohnter Angriffslust. Und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz war auch dabei.

Fernsehsendung:TV-Triell zur Bundestagswahl 2021
Sendetermin:Sonntag, 29. August 2021, 20:10 Uhr
Sender:RTL, ntv
Kanzlerkandidaten:Annalena Baerbock, Armin Laschet, Olaf Scholz,

Armin Laschet im TV-Triell: Zwischen Angriff und Verteidigung

Für Armin Laschet dürfte der TV-Auftritt besonders wichtig gewesen sein. Er ist mit der wohl schlechtesten Ausgangslage in das Triell gestartet. Nach seinem Zick-Zack-Kurs in der Corona-Pandemie, dem Lach-Patzer im Flutkatastrophengebiet und den sinkenden Umfragewerten seiner Partei dürfte der Druck für den Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen ziemlich hoch gewesen sein. 

Soweit jedenfalls die Theorie. Denn im TV-Triell ist erstmal keine Spur vom unsicheren Laschet. Im Gegenteil: Es dauert nur wenige Minuten, bis der CDU-Kanzlerkandidat spitzzüngig gegen seine Konkurrenten schießt. Die Sozialdemokraten seien in der Afghanistan-Frage nicht entscheidungsfreudig genug gewesen und die Grünen eine Verbotspartei, heißt es dann etwa.

Es wirkt ein bisschen so, als habe Laschet vor der Sendung die Fehltritte von Scholz und Baerbock aufwendig auswendig gelernt, um sie an geeigneter Stelle anzuprangern. Leider bröckelt die angriffslustige Fassade von Laschet immer dann, wenn Scholz oder Baerbock zum Gegenangriff ausholen. Laschtes letzter Ausweg besteht dann aus folgendem Satz: „Sie sollten die Deutsche Öffentlichkeit nicht täuschen.“

TV-Triell: Armin Laschet gelingt es immer wieder, die Oberhand zu gewinnen – aber es ist nur ein kleiner Gewinn

Zwar bleibt das große Fettnäpfchen für den CDU-Politiker an diesem Abend aus, aber ganz glatt läuft es für Laschet dann doch nicht. Immer wieder rutscht ihm ein kleines Schmunzeln übers Gesicht, wenn seine Gegenspieler das Wort haben. Vor allem dann, wenn Baerbock über ihre Pläne für Klima und Wirtschaft spricht, tut der Ministerpräsident das händewedelnd ab – fast so, als seien das Fantasien eines kleinen Mädchens. Als die Grüne-Kanzlerkandidatin etwa erläutert, wie sie sich die klimaneutrale Zukunft in Deutschland vorstellt, sagt Laschet: „Ich weiß nicht recht, ob man das jetzt alles verstanden hat, was Frau Baerbock da so gesagt hat.“ 

TV-Triell auf RTL und ntv: Die Moderatoren Pinar Atalay und Peter Klöppel mit Kandidatin und Kandidaten.

Und trotzdem gelingt es dem CDU-Kanzlerkandidaten, immer wieder die Oberhand zu gewinnen. Als geborener Kanzler geht er zwar nicht aus der Debatte heraus, aber immerhin auch nicht als deutlicher Verlierer. Damit ist es für den Parteichef der angeschlagenen Union im Bundestagswahlkampf am Ende doch irgendwie ein Gewinn. Wenn auch nur ein kleiner.

Annalena Baerbock im TV-Triell: Voller Fokus auf den Klimaschutz

Annalena Baerbock ist – ähnlich wie Laschet – in Angriffslaune. Vor allem beim Thema Klimaschutz könnte die Kanzlerkandidatin Punkte machen, würde es im TV-Triell welche geben. Obwohl sich Baerbock während der gesamten Debatte nur selten zu konkreten Aussagen verleiten lässt, schafft sie es immer wieder, ihre Gegenspieler im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen zu lassen. 

Denn sie zeigt, dass sie sehr wohl auf Augenhöhe mit ihren beiden Konkurrenten agieren kann: Sie nutzt die Fragen der Moderatoren Pinar Atalay und Peter Kloeppel, schießt auch mal scharf gegen Laschet und Scholz und kontert Angriffe schnell. Bei der Debatte um das Energiegeld etwa fragt Laschet sie, wie sie das Geld denn an die Bürger auszahlen wolle. Ihre Antwort: „Es wäre schön, wenn Sie auch mal Vorschläge und nicht immer nur Fragen hätten.“ So schafft sie es, ihr Image nach dem bisher eher holprigen Wahlkampf wieder etwas aufzupolieren.

Annalena Baerbock im TV-Triell: Grünen-Kanzlerkandidatin poliert ihr Image nach holprigem Wahlkampf auf

Die meiste Zeit nutzt die Kanzlerkandidatin allerdings, um für ihre Klimaschutzpolitik zu werben. Neue Argumente bekommen die Zuschauer allerdings nur selten präsentiert. Baerbock spult eher das ab, was ohnehin schon auf den Wahlplakaten und im Wahlprogramm der Grünen zu lesen ist: Kein Weiter so, kein Weggucken der Volksparteien mehr, kein Zögern und Abwarten, stattdessen ein Neuanfang im Sinne der Klimaneutralität und mit mehr Entschlossenheit…

Insgesamt zeigt Baerbock sich entschlossen und wenig kompromissbereit im Triell mit ihren beiden Konkurrenten aus SPD und CDU. Sie kritisiert immer wieder deutlich das Vorgehen von Union und SPD – in der Corona-Pandemie, der Afghanistan-Frage und vor allem beim Klimaschutz. Und trotzdem hat sie es schwer in dieser Debatte, ihre Argumente lange durchzusetzen. Denn am Ende fehlt es ihr oft an klaren Umsetzungsstrategien für das große Ziel Klimaneutralität. Aber vielleicht reicht den Wählern für den Anfang ja auch erstmal ein gemeinsames Ziel. 

Olaf Scholz im TV-Triell: Typisch „Scholzomat“ eben!

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bleibt im TV-Triell seiner Linie treu: Er zeigt sich nüchtern und pragmatisch, macht in der direkten Diskussion unaufgeregt seine Position klar. Und dabei erweist er seinem Ruf als „Scholzomat“ alle Ehre. Denn selbst bei provokanten Fragen wie „Schämen Sie sich für die Afghanistan-Politik der Bundesregierung“ bleibt Scholz gewohnt gelassen – und wirkt dadurch zeitweise fast uninteressiert am Geschehen.

Während der SPD-Kanzlerkandidat nämlich durchweg in gleicher Tonlage auf Fragen und Angriffe reagierte, werden Baerbock und Laschet schon Mal lauter. Aber wer Scholz kennt, der weiß: Emotionen zeigen ist nicht unbedingt seine Spezialität. Stattdessen erklärt er ruhig und besonnen die Entscheidungen und Pläne seiner Partei. Das höchste der Gefühle ist dann ein „freundlicher Angriff“ – wie Scholz es nennt — gegen CDU-Kandidat Armin Laschet. 

Gleichgültigkeit kann man dem SPD-Politiker aber kaum vorwerfen. Hinter seinem unaufgeregten Auftreten steckt eher Strategie. Die SPD ist seit kurzem wieder im Aufwind und hat mittlerweile sogar die Union in den Wählerumfragen überholt. Die Stärke von Scholz liegt eben nicht im offensiven Wahlkampf, sondern in der Schwäche seiner Kanzlerkonkurrenten. Eine vornehme Zurückhaltung ist also nur eine Fortsetzung der bisherigen Pläne des amtierenden Vizekanzlers. 

Und der Plan scheint aufzugehen: Eine Blitzumfrage des Forsa-Instituts unter 2.500 Zuschauern kurz nach dem Triell zeigt: Olaf Scholz hat die TV-Debatte mit 36 Prozent klar für sich entschieden. 30 Prozent sahen Annalena Baerbock als Siegerin und 25 Prozent haben für Armin Laschet gestimmt. 

TV-Triell auf RTL und ntv: Gibt es einen Sieger?

Einen klaren Sieg gibt es in diesem TV-Triell aber eigentlich nicht wirklich. Politikwissenschaftler Nils Diederich zeigt sich im Gespräch mit www.kreiszeitung.de wenig überrascht über die rund 100 Minuten auf RTL und ntv: Alle Kandidaten hätten den Eindruck bestätigt, den sie im vorherigen Wahlkampf vermittelt hatten. Olaf Scholz gibt sich als staatstragender Krisenmanager, Annalena Baerbock redet sich beim Thema Klimaschutz in Rage und Armin Laschet rechtfertigt sich. Es ist also noch alles offen im Kampf ums Kanzleramt. Vielleicht sogar noch mehr, als vor diesem TV-Triell. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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