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Explosives TV-Duell in den USA: Trump prophezeit Wahl-Betrug - Biden kontert mit eindeutigem Appell

Millionen Zuschauer verfolgten das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden mit Spannung. Die Debatte nahm einen wilden Verlauf. Auch danach gibt es noch Gesprächsbedarf.

  • Das TV-Duell wenige Wochen vor der US-Wahl endete in einer Schlammschlacht. Während Donald Trump die Familie von Joe Biden involvierte, bat dieser den US-Präsidenten den Mund zu halten.
  • Trump überraschte dabei auch mit eindeutigen Betrugsvorwürfen zur US-Wahl. (siehe Erstmeldung)
  • Weil Trump die Bewegung weißer Überlegenheit („White Supremecy“) nicht klar abweist, regt sich sogar unter Republikanern Kritik. (siehe Update vom 1. Oktober, 7.48 Uhr)

Update vom 1. Oktober, 7.48 Uhr: Immer wieder werfen Kritiker Präsident Donald Trump vor, er grenze sich nicht eindeutig von rechtsextremen Gruppen ab. Dass er das auch beim TV-Duell gegen Herausforderer Biden nicht getan hat, sorgt nun auch für Widerstände in der eigenen Partei. Mehrere Republikaner haben sich nach der Weigerung Donald Trumps, rechte Gruppierungen eindeutig zu verurteilen, von dem US-Präsidenten distanziert. „Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind“, sagte Trump mit Blick auf eine gleichnamige rechte Vereinigung, die am Vortag bei der TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden zum Thema geworden war. „Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen.

In der Talkshow „Maischberger“ wurde über das TV-Duell diskutiert. Ein Talk-Gast zog dabei einen kuriosen Vergleich zwischen Donald Trump und dem FC Bayern.

Nach TV-Duell: Trump erfährt Kritika aus eigenen Reihen

Während der TV-Debatte am Dienstag fragte Moderator Chris Wallace den Präsidenten, ob er bereit wäre, Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Ansichten die Überlegenheit der Weißen (White Supremacy) gehört. Daraufhin sagte Trump an die Proud Boys gerichtet, sie sollten sich zurückhalten und bereithalten („stand back and stand by“). Der republikanische Senator Tim Scott forderte am Mittwoch Aufklärung. „Ich denke, er hat sich versprochen“, sagte Scott vor Journalisten in Washington. „Ich denke, er sollte es geraderücken. Wenn er es nicht korrigiert, hat er sich wohl nicht versprochen.“ Auch Mitch McConnell, der führende Republikaner im US-Senat, schloss sich Scott an.

Senator Lindsey Graham, ebenfalls ein Verbündeter von Trump, erklärte auf Twitter, auch er finde, dass der Präsident klarstellen müsse, dass Proud Boys eine „rassistische Organisation sind, die im Gegensatz zu den amerikanischen Idealen steht“.

Trump wurde am Mittwoch im Garten des Weißen Hauses von einer Reporterin explizit gefragt, ob er White Supremacists verurteilt. Trump sagte: „Ich habe immer jede Form (...), jede Form von so etwas verurteilt.“ Den Begriff „White Supremacists“ nahm er nicht in den Mund. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, schrieb auf Twitter, Trump hätte White Supremacy wiederholt verurteilt und dies auch am Mittwoch wieder getan.

Erstmeldung vom 29. September, 7.39 Uhr:

Cleveland/USA - Es ist ein denkwürdiger Auftritt, den US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden am Dienstagabend (Ortszeit) hingelegt hatten. Während des ersten TV-Duells eskalierte die Situation zwischenzeitlich fast, wie auch fr.de berichtete*. Sowohl Trump als auch Biden überraschten mit hitzigen Wortgefechten. Wenig überraschend war deshalb eine erste Umfrage unter Zuschauern ausgefallen, einen klaren Verlierer der Debatte gibt es nämlich bereits*.

TV-Duell in den USA: Trump und Biden liefern sich heftiges Wortgefecht - inklusive Beleidigungen

Doch nicht nur Donald Trump teilte ordentlich aus, auch Herausforderer Biden überraschte mit harten Worten. „Halt den Mund, Mann!“ rief Biden seinem Rivalen bereits zu Beginn der Debatte zu, nachdem der Präsident ihm wiederholt ins Wort gefallen war. „Es ist schwer, bei diesem Clown zu Wort zu kommen.“ Der frühere Vizepräsident bezichtigte Trump fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November zudem der „Lügen“ unter anderem im Umgang mit der Corona-Pandemie: „Alle wissen, dass er ein Lügner ist.“

TV-Duell in den USA: Donald Trump und Joe Biden uneinig im Kampf gegen Coronavirus

Der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten machte Trump für die hohe Zahl der Corona-Toten im Land - bislang mehr als 205.000 - verantwortlich. Der Präsident sei angesichts der Krise in „Panik“ verfallen. „Sie sind der schlimmste Präsident, den Amerika jemals hatte.“ Trump entgegnete, wäre Biden derzeit Präsident, wären noch viel mehr Menschen gestorben. Außerdem wolle Biden im Kampf gegen das Virus die US-Wirtschaft wieder stilllegen. Zugleich mokierte sich der Präsident darüber, dass der 77-jährige Biden sehr häufig eine Schutzmaske trägt - „die größte Maske, die ich jemals gesehen habe“.

TV-Duell in den USA: Donald Trump überrascht mit wirren Betrugsvorwürfen vor US-Wahl

Donald Trump nutzte die Gunst der Stunde, um seinen politischen Gegnern in der Demokratischen Partei vorzuwerfen, das Ergebnis mit Betrug zu verfälschen. „Ich hoffe, dass es eine faire Wahl sein wird“, sagte Trump in der ersten von drei Fernsehdebatten. „Aber dann werden Tausende von Stimmzetteln manipuliert - das kann ich nicht akzeptieren.“

Trump verwies auf einen Ende September bekanntgewordenen Vorfall im Bezirk Luzerne im US-Staat Philadelphia, bei dem neun Stimmzettel von Militärangehörigen gefunden wurden. „Schlimme Dinge passieren in Philadelphia“, sagte Trump. „Sie haben Stimmzettel in einem Papierkorb gefunden. Sie hatten alle den Namen Trump angegeben.“ Der Präsident sprach sich erneut entschieden gegen die Briefwahl aus, da diese Stimmen aus seiner Sicht leicht zu manipulieren seien.

Auf die Frage des Moderators Chris Wallace, ob die Kandidaten nach der Wahl auf ihre Anhänger einwirken wollten, um mögliche Unruhen zu verhindern, antwortete Trump, er werde seine Anhänger dazu aufrufen, die Auszählung der Stimmen genau zu beobachten. Solche „Poll Watchers“ seien „eine sehr sichere, eine gute Sache“.

Der Herausforderer Joe Biden rief die Amerikaner dazu auf, so zu wählen, „wie es euch am besten passt“ - ob per Briefwahl oder direkt an der Wahlurne. Trump versuche, die Bürger von der Stimmabgabe abzuhalten. Daher sage er selbst: „Kommt und wählt, wählt, wählt!“ Er werde jedenfalls jedes Ergebnis akzeptieren, ob er die Wahl nun gewinnen oder verlieren werde.

TV-Duell in den USA: Donald Trump unterbricht Herausforderer Biden ohne Unterlass

Was Zuschauern besonders unangenehm aufgefallen sein dürfte: vor allem Trump unterbrach Biden unzählige Male. Auch Moderator Chris Wallace hatte sichtlich damit zu kämpfen, die Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken. Trump fuhr selbst eine Reihe von Attacken gegen seinen Herausforderer von den oppositionellen Demokraten. Biden werde von der „radikalen Linken“ manipuliert und sei alles andere als „schlau“. Trump attackierte Biden auch für Geschäfte von dessen Sohn Hunter in der Ukraine und mit China. Biden lachte immer wieder und wollte damit deutlich machen, dass er sich von dem Präsidenten nicht provozieren lassen will. Was aber beiden fehlte, ist politische Substanz, kommentiert Friedemann Diederichs, USA-Korrespondent des Ippen-Digital-Netzwerks*.

TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden: US-Präsident äußert sich zu seinen Steuererklärungen

Thema waren auch Enthüllungen der „New York Times“, wonach Trump in den Jahren 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar Einkommenssteuer auf Bundesebene gezahlt hatte. Der Republikaner sagte dazu, er zahle „Millionen“ an Steuern, ohne aber Details zu nennen. Biden hatte Stunden vor der TV-Debatte seine eigene Steuererklärung des Jahres 2019 veröffentlicht. Er und seine Frau Jill zahlten demnach im vergangenen Jahr 299.346 Dollar an Bundessteuern.

TV-Duell in den USA: Donald Trump rechtfertigt Nominierung von neuer Verfassungsrichterin

Zu Beginn hatten die Rivalen über die umstrittene Nominierung einer neuen Verfassungsrichterin durch Trump gestritten. Biden warf dem Präsidenten vor, durch die Stärkung der konservativen Mehrheit des Obersten US-Gerichtshofs die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama rückgängig machen zu wollen. Trump entgegnete, er habe als Präsident das Recht zur Nominierung der Richterin Amy Coney Barrett nach dem Tod der linksliberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg. Außerdem hätten seine Republikaner im Senat die notwendige Mehrheit, um Barrett zu bestätigen.

Der in Umfragen zurückliegende Republikaner Trump und der Demokrat Biden werden vor der Wahl noch in zwei weiteren Fernsehdebatten am 15. Oktober und am 22. Oktober aufeinandertreffen. Das TV-Duell der Vize-Kandidaten Mike Pence und Kamala Harris findet am 7. Oktober statt. *fr.de und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Jim WATSON / AFP

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