Türkische Polizei stürmt kritische TV-Sender und schaltet sie ab

Tränengas und Festnahmen: Polizeieinsatz gegen einen TV-Sender in Istanbul. Foto: Zaman Newspaper
1 von 8
Tränengas und Festnahmen: Polizeieinsatz gegen einen TV-Sender in Istanbul. Foto: Zaman Newspaper
Auch mit einem Wasserwerfer ging die türkische Polizei gegen die regierungskritische Mediengruppe Koza Ipek in Istanbul vor. Foto: Zaman Newspaper
2 von 8
Auch mit einem Wasserwerfer ging die türkische Polizei gegen die regierungskritische Mediengruppe Koza Ipek in Istanbul vor. Foto: Zaman Newspaper
Im Sendergebäude: Polizisten und Journalisten stehen sich bei Kanaltürk TV gegenüber. Foto: Zaman Newspaper
3 von 8
Im Sendergebäude: Polizisten und Journalisten stehen sich bei Kanaltürk TV gegenüber. Foto: Zaman Newspaper
Polizei vor dem oppositionellen TV-Sender Kanaltürk TV: Die EU reagierte besorgt auf das Vorgehen der türkischen Behörden. Foto: Deniz Toprak
4 von 8
Polizei vor dem oppositionellen TV-Sender Kanaltürk TV: Die EU reagierte besorgt auf das Vorgehen der türkischen Behörden. Foto: Deniz Toprak
Mit Tränengas gingen türkische Polizisten in Istanbul gegen die Journalisten vor. Foto: Zaman Newspaper
5 von 8
Mit Tränengas gingen türkische Polizisten in Istanbul gegen die Journalisten vor. Foto: Zaman Newspaper
Gebäude der regierungskritischen Koza Ipek Mediengruppe in Istanbul. Foto: Cem Turkel
6 von 8
Gebäude der regierungskritischen Koza Ipek Mediengruppe in Istanbul. Foto: Cem Turkel
Gegenwehr: Mit Regenschirmen versuchten Journalisten, das Vordringen der türkischen Polizei in den oppositionellen TV-Sender Kanaltürk zu verhindern - vergeblich. Foto: Zaman Newspaper
7 von 8
Gegenwehr: Mit Regenschirmen versuchten Journalisten, das Vordringen der türkischen Polizei in den oppositionellen TV-Sender Kanaltürk zu verhindern - vergeblich. Foto: Zaman Newspaper
Selahattin Demirtas, Chef der oppositionellen Partei HDP, protestiert vor dem Kanaltürk-Gebäude gegen die Polizeiaktion. Foto: Deniz Toprak
8 von 8
Selahattin Demirtas, Chef der oppositionellen Partei HDP, protestiert vor dem Kanaltürk-Gebäude gegen die Polizeiaktion. Foto: Deniz Toprak

Polizisten stürmen Redaktionsräume, Angestellte wehren sich mit Regenschirmen. Kurz vor der Neuwahl in der Türkei schalten die Behörden kritische TV-Sender ab. Sie stoßen auf erbitterten Widerstand.

Istanbul (dpa) - Wenige Tage vor der Parlamentswahl in der Türkei hat die Polizei das Gebäude der regierungskritischen Mediengruppe Koza Ipek in Istanbul gestürmt und die Sender Kanaltürk und Bugün TV abgeschaltet.

Am Mittwoch verschafften sich Sicherheitskräfte vor laufenden Fernsehkameras unter anderem mit einem Metallschneider Zugang zum Gelände, wie auf TV-Bildern zu sehen war. Angestellte versuchten, die Polizei mit Regenschirmen zurückzudrängen. Die Beamten setzten Tränengas ein. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verurteilte die Aktion. Die Europäische Union äußerte sich besorgt.

Die Polizisten drangen nach Angaben des Chefredakteurs von Bugün TV, Tarik Toros, in die Sendezentrale ein. Der Kanal setzte die Live-Übertragung jedoch mehrere Stunden fort, bevor es den Polizisten nach Angaben von Bugün TV gelang, den Sender abzuschalten.

Toros sagte, die Sicherheitskräfte hätten sich nicht ausgewiesen und auch keinen Durchsuchungsbefehl gehabt. "Was in diesem Gebäude seit dem Morgen passiert ist, das ist alles rechtswidrig", sagte er.

Human Rights Watch verurteilte das Vorgehen der Behörden als ungewöhnliche Maßnahme, um kritische Medien zum Schweigen zu bringen.

Die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini sagte in Brüssel: "Die Türkei muss wie jedes andere Land, das über einen EU-Beitritt verhandelt, sicherstellen, dass die Menschenrechte eingehalten werden - das schließt auch das Recht auf freie Meinungsäußerung ein." Die Entwicklungen seien besorgniserregend und würden von der EU genau beobachtet.

Die Kopak Ipek Holding, zu der die Sender Bugün TV und Kanaltürk gehören, steht der Bewegung um Prediger Fethullah Gülen nahe. Gülen war einst ein enger Verbündeter des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Noch während der Gezi-Proteste im Sommer 2013 lagen die Gülen-nahen Medien mit der Regierung weitgehend auf einer Linie.

Inzwischen wirft Erdogan dem im US-Exil lebenden Prediger vor, Polizei und Justiz unterwandert zu haben und die türkische Regierung stürzen zu wollen.

Ein Gericht hatte die Koza Ipek Holding am Montag unter staatliche Aufsicht gestellt und Treuhänder eingesetzt. Dem Konzern wird nach Angaben der staatsnahen Nachrichtenagentur Anadolu vorgeworfen, die "Terrororganisation" der Gülen-Anhänger finanziert und unterstützt zu haben.

Die Empörung über den Polizeieinsatz führte zu einem ungewöhnlich einmütigen Protestauftritt der zerstrittenen Opposition. Abgeordnete der Mitte-Links-Partei CHP, der rechtsnationalen MHP und der pro-kurdischen HDP waren nach Angaben von Bugün TV vor Ort. HDP-Chef Selahattin Demirtas sagte in Istanbul, die Polizeiaktion verstoße gegen "die Verfassung und gegen nationales und internationales Recht".

Live-Stream von Bugün TV

Timeline und Videos von Bugün TV

Erklärung Human Rights Watch

Das könnte Sie auch interessieren

Für diese unglaublichen Dinge können Sie Cola verwenden

Cola ist nicht immer das gesündeste Getränk, doch es kann recht nützlich sein. In der Fotostrecke zeigen wir Ihnen, was sie damit im …
Für diese unglaublichen Dinge können Sie Cola verwenden

Das traditionelle Fischgericht Poke

Eine große Schüssel, darin roher Fisch, Reis und Gemüse: Das ist Poke, ein hawaiianisches Nationalgericht. Wer es essen will, muss aber nicht bis zum …
Das traditionelle Fischgericht Poke

Jaguar XF Sportbrake im Test: Ende gut, alles gut

Er sieht gut aus und ist technisch auf der Höhe der Zeit. Doch so richtig etabliert hat sich der Jaguar XF nie. Das liegt an der starken Konkurrenz …
Jaguar XF Sportbrake im Test: Ende gut, alles gut

Extreme Fashion - wie Abenteurer zu Trendsettern wurden

Auf dem Rückweg von höchsten Gipfeln, tiefsten Gewässern und dem Weltall bringen Menschen vor allem Wissen mit. Dass sie Designern dabei wichtige …
Extreme Fashion - wie Abenteurer zu Trendsettern wurden

Meistgelesene Artikel

Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“

Merkel erfreut über Van-Der-Bellen-Sieg: „Ansatz ist richtig“

Darum musste das Ordnungsamt bei Laschets Wahlparty einschreiten

Darum musste das Ordnungsamt bei Laschets Wahlparty einschreiten

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: CDU will weiter mit SPD regieren

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: CDU will weiter mit SPD regieren

Bouffier nach Saarland-Wahl: „Entzauberung“ von Schulz 

Bouffier nach Saarland-Wahl: „Entzauberung“ von Schulz