Analyse der TV-Debatte

Triell Ergebnis: So lief die TV-Debatte der Kanzlerkandidaten bei ARD und ZDF

Showdown beim Triell: Beim zweiten Kanzler-Duell ging es hitziger zu als bei der Erstauflage. Vor allem Scholz stand am Pranger. Wer hat gewonnen? Die Analyse.

Berlin – Fast den ganzen Wahlkampf hat sich Olaf Scholz nicht aus der Reserve locken lassen. Doch nach zehn Minuten im TV-Triell reicht es dem SPD-Kanzlerkandidaten. Aus seiner Sicht hatte sein Kontrahent Armin Laschet (CDU) sämtliche Wahrheiten bewusst verdrängt. „Das ist unehrlich“, giftete der Bundesfinanzminister. „Das machen Populisten in anderen Ländern“, zürnt er. Gut möglich, dass sich der CDU-Parteichef in diesem Moment heimlich ins Fäustchen gelacht hat.

Sendetermin:12. September 2021
Sender:ARD und ZDF (ab 20.15 Uhr)
Kanzlerkandidaten:Armin Laschet, Annalena Baerbock, Olaf Scholz
Moderatoren:Maybrit Illner, Oliver Köhr

Seit Wochen sucht der NRW-Ministerpräsident verzweifelt und vergeblich nach einer Angriffsfläche bei Umfrage-König Scholz. Zumindest der Beginn des neuen TV-Triells spielt ihm jetzt wenigstens ein bisschen in die Hände. Pünktlich um 20.15 Uhr starten ARD und ZDF die Zweitauflage des beliebten Kanzlerduells – und die beiden Moderatoren Maybrit Illner und Oliver Köhr tun Laschet den Gefallen, die Gesprächsrunde zwischen Annalena Baerbock (Grüne), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) schnell auf die Razzia im Bundesfinanzministerium zu lenken.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz und Annalena Baerbock (Grüne) beim Triell

Erst am Donnerstag war die Osnabrücker Staatsanwaltschaft in der Scholz-Behörde zu einer Durchsuchung angerückt. Hintergrund ist, dass Beamte der Zoll-Spezialeinheit FIU Hinweise auf Geldwäsche ignoriert haben sollen. Für Scholz ist das pikant: Das Finanzministerium führt die Aufsicht über die Finanzkontrolleure des Zolls.

Gelöste Stimmung nach dem Triell: die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) lieferten sich bei ARD und ZDF einen Schlagabtausch.

Laschet hat auf das Stichwort gewartet. Er bringt die Affäre in Zusammenhang mit dem Millionenbetrug um Wirecard und den Steuerskandal um die Warburg Bank, bei der Scholz ebenfalls eine unglückliche Rolle gespielt haben soll. „Wenn mein Finanzminister so arbeiten würde“, ätzt der NRW-Ministerpräsident. „Dann hätten wir ein Problem.“

In diesem Moment steht Scholz in der Defensive. Sichtlich ist er um Fassung bemüht. Nachdem er Laschet „Unehrlichkeit“ und „Unredlichkeit“ attestiert hat, sammelt er sich – und stellt klar: Es gebe keine Ermittlungen gegen das Finanzministerium. Laschet versuche hier einen falschen Eindruck zu erwecken. Im Folgenden seziert er die drei Affären und erklärt, was zur Aufarbeitung alles getan wurde.

Umfrage nach Triell: Laut Ergebnis gewinnt Scholz das Kanzler-Duell – Laschet-Angriffe verpuffen

In der Ruhe liegt die Kraft – nach diesem Motto zelebriert Scholz seinen Wahlkampf und zermürbt dabei die Union. Seit Wochen tritt er ganz im Merkel-Stil präsidial auf. Er inszeniert sich als erfahrenes Regierungsmitglied, das ohne Probleme die Amtsgeschäfte ohne Turbulenzen für die Deutschen nach dem 26. September 2021 weiterführen kann. Die CDU wirft ihm deswegen schon Erbschleicherei vor.

Diesen Eindruck wollte Laschet jetzt zerstören. Wie bereits im ersten Triell zeigte er sich angriffslustig. Während vor zwei Wochen die Skandale von Scholz kaum zur Sprache gekommen waren, will der CDU-Chef dieses Mal den Finger stärker in die Wunde legen. Doch die Strategie zündet nicht. In einer ersten Umfrage nach dem, Triell von Infratest-Dimap zeigt sich: Die Zuschauerinnen und Zuschauer nehmen Laschet die Rolle des Anklägers nicht ab.

Triell-Ergebnis: FIU-Skandal perlt an Scholz ab – ARD und ZDF legen das mit Blitzumfrage fest

Bei einer Befragung von 1500 Deutschen schneidet Scholz als erstes Triell-Ergebnis am besten ab. Als Triell-Ausgang ist festzuhalten, dass 41 Prozent den Bundesfinanzminister am überzeugendsten fanden und ihn so zum Triell Gewinner kürten. Dahinter folgt Laschet (27 Prozent). Baerbock belegt den dritten Platz (25 Prozent).

Insofern verpufft der Angriff in den ersten zehn Minuten der Sendung nur als kleiner Punktsieg. Zwar verläuft diese Debatte der Kanzlerkandidatin insgesamt hitziger als das erste Triell, das vor zwei Wochen bei RTL und n-tv über die Bühne ging. Aber nach dem kleinen Schlagabtausch zwischen Laschet und Scholz werden die Themen ähnlich verhandelt wie bei der Erstauflage: mögliche Koalitionsoptionen, Streit um die Bündnisfähigkeit der Linkspartei, Umgang mit Rechtspopulist Hans-Georg-Maaßen, Klimaschutz, Digitalisierung, Corona-Krise.

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Für Scholz ist damit der schlimmste Teil des Abends vorbei. Er muss sich nicht mehr persönlich reizen lassen – sehr zum Verdruss von Laschet. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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