Corona-Pandemie

Regierung will klare Regeln – doch was ist überhaupt eine Triage?

Spätestens seit das Bundesverfassungsgericht sich äußerte, ist der Begriff der Triage allgegenwärtig. Doch was hat es damit auf sich?

Karlsruhe – Das Urteil* der Richter am Verfassungsgericht in Karlsruhe war eindeutig: Menschen mit Behinderung müssen auch bei einer möglichen Triage geschützt sein. Die Bundesregierung kündigte an, schnellstmöglich einen Entwurf vorzulegen. Vielen stellt sich in Anbetracht der Berichte über das Urteil eine ganz grundsätzliche Frage, nämlich was eine „Triage“ überhaupt ist.

Gericht:Bundesverfassungsgericht
Sitz:Karlsruhe
Gründung:1951

Diskussionen im Zuge der Corona-Pandemie: Was ist eine Triage?

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben es viele Begriffe in den allgemeinen Wortschatz geschafft, die zuvor eher nicht zum alltäglichen Sprachgebrauch gehörten. Vieles ist neu im Alltag der Menschen: Virus-Varianten, Boosterimpfungen, oder digitale Impfpässe. Ein Begriff, der zuletzt immer wieder auftauchte, ist der, der „Triage“. Während das Thema auch in der Politik umfassend und kontrovers diskutiert wird, fragen sich viele, was der Begriff überhaupt bedeutet.

Die Bezeichnung „Triage“ kommt ursprünglich aus dem französischen und bedeutet in etwa so viel wie „Auswahl“ oder „Sichtung“. In der Intensivmedizin hat dies einen sehr ernsten Hintergrund, denn es bezeichnet die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer jeweiligen Verletzungen. Ärzte sollen so die Behandlungsreihenfolge von Patienten festlegen. Im Kontext der Corona-Pandemie wird nun über das Prinzip und seine Anwendung diskutiert.

Triage im Kontext der Corona-Pandemie

Insbesondere in Angesicht der aktuellen Pandemie-Situation ist das Prinzip des Triagierens zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung gerückt: Die pandemische Situation belastet das Gesundheitssystem enorm, schlimmstenfalls können die Behandlungsmöglichkeiten nicht für alle Patienten ausreichen. Um das zu verhindern, fordern Politiker wie Olaf Scholz unter anderem eine Impfpflicht.

Das Bundesverfassungsgericht hat sich zur Triage geäußert. Der Schutz von Menschen mit Behinderung muss auch bei einer möglichen Triage gewährleistet sein.

Im Kontext der Corona-Pandemie könnte es bei Triagen konkret um die Frage gehen, welche Patienten an Beatmungsgeräte angeschlossen werden, wenn nicht ausreichend für alle vorhanden sind. Im Fall von zu wenig Intensivkapazitäten stehen Ärzte damit vor schweren und moralisch höchst problematischen Entscheidungen. Sie müssen darüber urteilen, wer eine Chance zu überleben erhält.

Triagen während der Corona-Pandemie – Benachteiligung von Menschen mit Behinderung befürchtet

Zusammen mit anderen Fachgesellschaften hatte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) „Klinisch-ethische Empfehlungen“ zur Triage erarbeitet. In diesen wurde auch Bezug auf die Gebrechlichkeit von Patienten sowie Vorerkrankungen genommen. Die erarbeiteten Kriterien werden mit Sorge gesehen, denn sie könnten bedeuten, dass Patienten mit Vorerkrankung oder einer Behinderung grundsätzlich das Nachsehen haben, weil ihnen statistisch geringere Überlebenschancen zugeschrieben werden.

Neun Menschen mit Behinderungen und Vorerkrankungen hatten deshalb Klage eingereicht. Auch im Grundgesetz heißt es „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das Bundesverfassungsgericht teilte nun am Dienstag mit, dass aus dem Schutzauftrag wegen des Risikos für das höchstrangige Rechtsgut Leben eine Handlungspflicht für den Gesetzgeber folgt. Die Politik ist jetzt in der Pflicht.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) begrüßen das Urteil des Verfassungsgerichts zur Triage

Politikerinnen und Politiker verschiedener Fraktionen begrüßten das Urteil, darunter auch der neue Gesundheitsminister der Ampel-Koalition Karl Lauterbach (SPD) und der designierte Justizminister Marco Buschmann (FDP). Buschmann kündigte an, die Bundesregierung wolle möglichst zeitnah einen Entwurf zum Schutz von Menschen mit Behinderung im Fall einer Triage-Situation vorlegen. Buschmann betonte auf Twitter zudem, das erste Ziel müsse sein, dass es gar nicht erst zu Triage Situationen kommt.

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Um die weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verhindern, hatte auch Karl Lauterbach einen harten Lockdown zuletzt nicht ausgeschlossen. Auch in Niedersachsen wurden die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verschärft. Eins ist zweifelsfrei: Triage-Situationen müssen um jeden Preis verhindert werden. Wenn es doch zu ihnen kommt, muss es allerdings klare Regeln geben, die „Menschen mit Handicaps Schutz vor Diskriminierung bieten“, so Buschmann. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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