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Teilmobilmachung: Sohn von Putin-Pressesprecher fällt auf Fake-Anruf rein

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Von: Jan Knötzsch

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Nikolai Peskow vor einem Boxring im Jahr 2014
Nikolai Peskow, der Sohn von Putins Pressesprecher Dmitri Peskow, fiel auf ein Fake-Telefonat rein und erklärte, dass er der Teilmobilmachung nicht widerstandslos nachkommen wolle. (Archivbild) © Nikolay Choles/Facebook

Wladimir Putin hat die Teilmobilmachung in Russland ausgerufen. 300.000 Reservisten sollen an die Front. Auch der Sohn von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow?

Moskau – Der Ukraine-Krieg hat ein neues Level erreicht. Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einer Rede im russischen Fernsehen die Teilmobilmachung ausgerufen. Droht damit jetzt im Ukraine-Krieg die Wende? Eine Frage, die die Zukunft beantworten wird. Auf jeden Fall kochen die Spekulationen hoch: Rückt nach Putins wirrere Rede der Atomkrieg 2022 näher? Wie gefährlich kann die Teilmobilmachung auch für Wladimir Putin selbst werden? Und in Russland fragen sich die 300.000 Reservisten, die von der Teilmobilmachung betroffen sein werden: Wann muss ich wirklich an die Front und im Ukraine-Krieg kämpfen? Dabei entsteht nun eine ganz neue Diskussion. Nämlich die um die Eliten des Landes.

Während den Deserteuren, die sich der Teilmobilmachung entziehen wollen, harte Strafen drohen, versuchen andere offenbar mit Verweis auf ihren prominenten Namen der Teilmobilmachung zu entgehen. Das beste Beispiel dafür: Nikolai Peskow, der Sohn von Putin-Pressesprecher Dmitri Peskow. Der ist auf einen Fake-Anruf hereingefallen – und offenbart, dass er wohl nicht so richtig Lust auf die Teilmobilmachung und den Dienst an der Waffe im Ukraine-Krieg hat.

Wegen Teilmobilmachung: Fake-Anruf von Nawalny-Vertrautem bei Sohn von Putins Pressesprecher Dmitri Peskow

Wladimir Putins Ankündigung, dass er im Ukraine-Krieg „nicht bluffe“, wenn es um Teilmobilmachung und andere Drohungen geht, hat Russland in Angst versetzt. Es herrscht helle Aufregung, die Frage, wie man Russland verlassen kann, erreichte bei Google Höchstwerte. Jeder, der noch irgendwie kann, möchte jetzt weg. Die Russen sind auf der Flucht vor Putins Teilmobilmachung. Doch gilt diese Teilmobilmachung auch für Menschen aus dem Kreis der Kreml-Eliten? Also solche, die Wladimir Putin nahestehen. Etwa für Nikolai Peskow, dem Sohn von Kreml-Pressesprecher Dmtri Peskow? Genau das wollte Dmitri Nisowzew, ein Vertrauter des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, wissen.

Gesagt, getan: Um das herauszufinden, hat Nisowzew während eines Livestreams auf dem Youtube-Kanal „Popular Politics“ bei Nikolai Peskow angerufen. Nisowzew gab sich als russischer Rekrutierungsoffizier aus und erklärte dem Peskow-Sohn: „Wir haben Ihnen, Herr Peskow, heute auch auf elektronischem Wege eine Einberufung geschickt, aber Sie haben noch nicht geantwortet.“ Aus diesem Grunde solle sich Nokolai Peskow im Militärbüro melden: „Wir warten auf Sie – morgen um 10 Uhr“, sagte Nisowzew. Doch Nikolai Peskow entpuppte sich in dem Fake-Telefonat nicht unbedingt als Fan der Teilmobilmachung, die Wladimir Putin angekündigt hat, wie er deutlich klarmachte.

Peskow-Sohn im Fake-Telefonat: Er will sich Teilmobilmachung entziehen – mit Verweis auf Putin-Kontakt

Im Zuge des von Nisowzew initiierten Fake-Aunrufs machte Nikolai Peskow deutlich, dass er dem Befehl der Teilmobilmachung nicht widerstandslos Folge leisten würde. „Natürlich werde ich um 10 Uhr nicht da sein. Sie müssen verstehen, dass ich Herr Peskow bin. Es ist nicht ganz richtig, dass ich überhaupt dorthin kommen soll“, antworte der Sohn des Pressesprechers von Wladimir Putin und erklärte, es gebe „politische Nuancen“ bei der Einberufung: „Ich muss ganz allgemein verstehen, was vor sich geht und welche Rechte ich habe. Dass sie mich morgen einziehen – glauben Sie mir, das brauchen weder Sie noch ich. Wenn Sie es nicht verstehen, werde ich dieses Thema auf einer anderen Ebene ansprechen.“

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Fraglos ein Fingerzeig auf seine familiären Verbindungen im Kreml und die engen Beziehungen zu Präsident Putin, um dessen Gesundheit es immer wieder Spekulationen gibt. Obwohl er als ehemaliger Wehrpflichtiger der Atomraketen-Streitkräfte eigentlich ein Kandidat für die Teilmobilmachung wäre, hält sich Nikolai Peskows Begeisterung über Aussicht, im Rahmen der Teilmobilmachung in den Ukraine-Krieg ziehen zu müssen, eindeutig in Grenzen, wie der Fake-Anruf zeigt. Unter Berufung auf andere Medien berichtete das Schweizer Nachrichtenportal nau.ch, Dmitri Peskow habe bestätigt, dass es tatsächlich sein Sohn gewesen war, der mit dem angeblichen Offizier telefoniert hatte.

Teilmobilmachung durch Putin: „Wenn Wladimir Wladimirowitsch sagt, ich muss dorthin gehen, werde ich gehen“

Peskow junior aber habe sich, so Putin-Pressesprecher Dmtri Peskow, in dem Fake-Telefonat aber keineswegs geweigert, beim Militärbüro zu erscheinen. Ein wichtiger Teil des Fake-Anrufs sei nicht gezeigt worden. Aus Sicht von Wladimir Putin gibt es immerhin ein Gutes festzuhalten: Nikolai Peskow forderte bei dem Fake-Telefonat, dass er nicht von den Rekrutierungslisten für die Teilmobilmachung, gegen die es Proteste gibt, gestrichen werde. Er sagte mit Verweis auf Präsident Wladimir Putin: „Ich werde tun, was mir gesagt wird. Wenn Wladimir Wladimirowitsch sagt, ich muss dorthin gehen, werde ich gehen.“

Derweil hat Russlands Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin die Abgeordneten der Staatsduma nach dem Befehl für eine Teilmobilmachung zur Teilnahme am Ukraine-Krieg aufgerufen. „Wer den Anforderungen der Teilmobilmachung genügt, sollte mit seiner Teilnahme bei der militärischen Spezialoperation helfen“, teilte der Duma-Chef am Donnerstag in seinem Nachrichtenkanal bei Telegram mit, „es gibt keinen Schutz für die Abgeordneten.“

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