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Taiwan-China-Konflikt bedroht deutsche Wirtschaft – „weitreichende negative Folgen“

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Von: Anika Zuschke

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Computerchips und die Nationalflagge von Taiwan.
Der Konflikt zwischen Taiwan und China könnte für Deutschland massive wirtschaftliche Folgen haben. (kreiszeitung.de-Montage) © Kosecki/YAY Images/Imago

Der schwelende Konflikt zwischen Taiwan und China wurde durch Nancy Pelosis Besuch aus den USA angeheizt. Welche Auswirkungen ein Krieg für Deutschland hätte.

Taipeh – Der Konflikt zwischen Taiwan und China spitzt sich zu – da hat der Besuch von Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi aus den USA sein Nötiges zu beigetragen. Experten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis China Taiwan überfällt, um den Inselstaat mit der Volksrepublik China „wieder zu vereinen“ – so wird das Vorhaben zumindest in Peking offiziell genannt. Doch hätte eine bewaffnete Auseinandersetzung um Taiwan nicht nur Auswirkungen für die rund 23 Millionen Einwohner der Insel.

Auch die deutsche Wirtschaft würde extrem darunter leiden – sogar mehr als unter dem Ukraine-Krieg.

Taiwan-China-Konflikt hätte auch für Deutschlands Wirtschaft enorme Folgen

Derzeit kämpft Deutschland noch mit den Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, der sich besonders in der Gasversorgung der Bundesrepublik niederschlägt. Nun muss der schwelende China-Taiwan-Konflikt der Liste potenzieller Sorgenkinder hinzugefügt werden, denn dieser könnte bei Ausbruch eines Krieges die deutsche Wirtschaft massiv bedrohen.

„Ein militärischer Konflikt in Taiwan ist vermutlich die größte Gefahr für die über die vergangenen Jahrzehnte aufgebauten engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China“, erklärte Max Zenglein der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zenglein arbeitet als Chef-Ökonom beim Mercator Institute for China Studies (MERICS). „Eine Eskalation würde eine Kettenreaktion mit weitreichenden negativen wirtschaftlichen Folgen nach sich ziehen“, so der Ökonom.

Taiwan gilt als wichtigster Exporteur von Mikrochips – für Deutschland würde ein Krieg teuer werden

Offiziell hält Deutschland aufgrund der „Ein-China-Politik“ keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, doch dient der Inselstaat als wichtiger Exporteur von ohnehin knappen Halbleitern: Etwa zwei Drittel aller weltweit benötigten Mikrochips kommen laut dem Manager Magazin von dort. Ein militärischer Angriff auf Taiwan oder auch nur eine Störung der Handelswege hätte demnach enorme Auswirkungen auf die Wertschöpfungsnetzwerke der High-Tech-Industrie und wäre mit massiven wirtschaftlichen Kosten verbunden. Auch deutsche Autohersteller wie Audi oder Opel setzen t-online.de zufolge Halbleiter aus Taiwan ein.

Konflikt zwischen Taiwan und China: Beide Länder haben für Europa wichtigen wirtschaftlichen Stellenwert

Doch hat natürlich nicht nur Taiwan einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, auch das Land China nimmt für die deutsche Wirtschaft eine bedeutende Rolle ein. „China ist das Zentrum von Produktionshubs für wichtige Vor- und Zulieferprodukte in verschiedensten Industrien“, erklärte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der deutschen Handelskammer in China (AHK), Jens Hildebrandt, der dpa. „Ein weiterer Verlust von Vor- und Zwischenprodukten aus China würde der deutschen Wirtschaft einen düsteren Ausblick bescheren.“

Denn sollte der Westen nach einem Angriff von China das Land mit Sanktionen belegen – wie es auch beim Ukraine-Krieg der Fall war – kämen laut dem Manager Magazin die meisten globalen Lieferketten komplett zum Erliegen. „China ist der größte Elektromarkt der Welt – das kann man nicht ignorieren, auch wenn sich politische Rahmenbedingen verändern. Der Preis für eine komplette Entkoppelung von China wäre gigantisch hoch, denn diesen Markt wird man so schnell nicht ersetzen können“, erklärte Oliver Blank dem Magazin. Blank agiert als Leiter „Global Affairs“ beim ZVEI-Verband der Elektro- und Digitalindustrie.

Deutschland ist abhängig von China – ein potenzieller Krieg mit Taiwan hätte enorme Folgen

Die extreme Abhängigkeit Deutschlands von China rührt auch daher, dass China seit sechs Jahren der größte Handelspartner der Bundesrepublik ist. Was das bedeuten kann, haben bereits die wochenlangen Lockdowns durch Chinas „Null-Covid-Strategie“ gezeigt, die die Lieferketten Jens Hildebrandt zufolge bereits empfindlich gestört haben. „Die Auswirkungen davon haben die deutsche Wirtschaft sowie deutsche Konsumenten deutlich zu spüren bekommen“, sagte das Vorstandsmitglied dpa.

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Deutschlands Abhängigkeit von China ist dabei wohl umfassender als seine Energieabhängigkeit von Russland, berichtet Doktor Alexander Görlach, Senior Fellow am Carnegie Council für Ethik bei internationale Angelegenheiten, in einem Gastbeitrag vom Focus.

Taiwan-China-Konflikt: „Ein Krieg in Taiwan würde der Weltwirtschaft einen schweren Schlag versetzen“

„Ein Krieg in Taiwan würde der Weltwirtschaft einen schweren Schlag versetzen“, bestätigte Jürgen Gern, Konjunkturchef am Institut für Weltwirtschaft, in einem Gespräch mit t-online.de und fuhr demnach fort: „Das käme einem Öl-Schock gleich.“ Auch Oliver Blank stimmt dem Konsens laut Manager Magazin zu: „Eine Eskalation des Taiwan-Konflikts wäre für europäische Unternehmen der Mega-Gau“, so der Verbands-Leiter, „in der aktuell angespannten Situation darf es nicht zu einer weiteren Zuspitzung kommt. Die Politik muss jetzt deeskalieren.“

Diesen Rat scheint sich zumindest die deutsche Politik jedoch nicht zu Herzen zu nehmen, denn zu Chinas Ärger machen sich jetzt auch Abgeordnete des Bundestages auf den Weg nach Taiwan.

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